Ängste, Depressionen, posttraumatische Belastungsstörungen:Raus ins Licht

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Ängste, Depressionen, posttraumatische Belastungsstörungen: "Du leuchtest auch in der Dunkelheit", steht auf einem der Plakate. Bei der Ausstellungseröffnung sprechen u.a. die Mutmachleute Andreas Dasser (l.) und Tina Meffert (r.) sowie die Zweite Bürgermeisterin von Starnberg, Angelika Kammerl (CSU).

"Du leuchtest auch in der Dunkelheit", steht auf einem der Plakate. Bei der Ausstellungseröffnung sprechen u.a. die Mutmachleute Andreas Dasser (l.) und Tina Meffert (r.) sowie die Zweite Bürgermeisterin von Starnberg, Angelika Kammerl (CSU).

(Foto: Nila Thiel)

Der Starnberger Verein "Mutmachleute" wagt den Schritt aus der digitalen in die analoge Welt: Mit einer Foto-Ausstellung sollen psychisch erkrankte Menschen in den Fokus der Gesellschaft gerückt werden.

Von Tim Pohl, Starnberg

Wer dieser Tage in das Foyer der Kreissparkasse Starnberg tritt, mag überrascht sein von den großen Fotowänden, die einen erheblichen Teil der Eingangshalle einnehmen. Auf Stellwänden prangen schwarz-weiße Porträts, beschriftet mit den Namen der abgebildeten Personen und Untertiteln wie "Depression" oder "Post-Traumatische Belastungsstörung". Was auf den ersten Blick wie Werbung erscheint, hat doch einen viel tieferen und bedeutungsvolleren Sinn.

Die Fotos sind Teil der Ausstellung "Ein Wir ist stärker als ein Ich", die in dieser Woche durch den Starnberger Verein "Mutmachleute" eröffnet worden ist. Der Verein ist bereits in den vergangenen Jahren in der Region, aber auch bundesweit, durch seine Entstigmatisierungsarbeit im Bereich der psychischen Krankheiten bekannt geworden. Das Konzept des Vereins ist, dass sich Betroffene online mit Gesicht und ihrer eigenen Geschichte der breiten Gesellschaft präsentieren und so dazu beitragen, dass das Thema seinen Platz in der Mitte der Gesellschaft findet. "Wir wollen zeigen, dass die Betroffenen mehr sind als nur ihre Diagnose und ihnen gleichzeitig die Angst vor Stigmatisierung und Diskriminierung nehmen", so Tina Meffert, Vorsitzende des Vereins. Meffert ist selbst Betroffene einer Depression - sie weiß also, wovon sie spricht.

"Wir müssen Berührungsängste abbauen", so die Vereinsvorsitzende

Um mehr Menschen zu erreichen, wagt der Verein erstmals den Schritt aus dem digitalen Raum in die analoge Welt. Den Organisatoren habe sich gezeigt, dass man zwar eine bestimmte Blase im Internet erreichen kann, doch dass viele Menschen noch unberührt blieben, so Meffert. "Wir müssen auf die Straße, um die Menschen in ein Gespräch zu verwickeln und somit Berührungsängste abbauen." Die Ausstellung in Starnberg ist eine Auftaktveranstaltung für eine große Tour, die in den kommenden zwei Jahren ihren Weg durch ganz Deutschland finden soll.

Ängste, Depressionen, posttraumatische Belastungsstörungen: Zahlreiche Interessierte besuchen die Ausstellung in der Starnberger Sparkasse.

Zahlreiche Interessierte besuchen die Ausstellung in der Starnberger Sparkasse.

(Foto: Nila Thiel)

Die Veranstaltung war begleitet von verschiedenen Rednern aus der regionalen Lokalpolitik. So betont Angelika Kammerl (CSU), Zweite Bürgermeisterin von Starnberg, dass psychische Krankheiten noch viel zu oft ein Tabu-Thema seien. "Betroffene werden viel zu oft ausgegrenzt. Das Engagement des Vereins macht den Menschen Mut und gibt ihnen eine Stimme", so Kammerl. Britta Hundesrügge (FDP), stellvertretende Landrätin, geht noch einen Schritt weiter: "Es geht nicht nur darum, Respekt zu zeigen. Wir müssen viel mehr lernen zu verstehen, wie Betroffene denken und leben." Sie sieht vor allem auch die Arbeitswelt in der Verantwortung, Menschen mit psychischen Erkrankungen dabei zu unterstützen ihre Kompetenzen trotz aller Herausforderungen herauszuarbeiten.

Eine Justizwachmeisterin mit Borderline hätte gern weitergearbeitet

Dass Hundesrügge damit einen wunden Punkt trifft, beweist Andrea Korbjuhn. Die 43-Jährige ist selbst als Mutmacherin im Verein aktiv. Ihre Diagnose: Depressionen und Borderline - eine komplexe Störung der Persönlichkeit, die sich typischerweise in emotionaler Instabilität ausdrückt. Vor Kurzem musste sie in die Frühpension, da sie ihren Job als Justizwachmeisterin in einem Gericht laut ihren Vorgesetzten nicht mehr ausführen durfte. Mehrfach habe sie das Gespräch gesucht, sagt sie - Unterstützung erfahren habe sie nicht. Deswegen ist sie Teil dieser Veranstaltung: "Das Thema muss in die Öffentlichkeit", so Korbjuhn.

Geladen war ebenfalls die Starnberger Bezirksrätin, Marina Neubauer. Sie betonte, dass es im Laufe der Zeit viele Fortschritte bezüglich der Versorgung von psychisch kranken Menschen gegeben habe - so seien die eingeführten Krisendienste ein voller Erfolg. Doch könne man sich noch lange nicht darauf ausruhen: "Es fehlt immer noch an einer Versorgung für betroffene Kinder und Jugendliche. Gerade nach der Pandemie hat sich dort die Zahl der psychischen Krisen stark erhöht", so Neubauer.

Ängste, Depressionen, posttraumatische Belastungsstörungen: Armin Rösl spricht offen über seine Depression.

Armin Rösl spricht offen über seine Depression.

(Foto: Nila Thiel)

Ebenfalls betroffen von einer Depression und inzwischen ehrenamtlicher Helfer ist Armin Rösl. Er ist stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Depressionsliga. Mit seinem Auftritt und Engagement will er zeigen, dass man auch nach einer depressiven Krise wieder voll zurückkommen kann: "Man muss nicht selbst in die Öffentlichkeit treten, aber solche Angebote machen es einem leichter, Energie und Hilfe zu finden." Während seinem eigenen Aufenthalt in der Psychiatrie habe er gemerkt, dass dort viele empathische und kreative Leute seien, die es alle wert seien, gehört zu werden.

Aktive Hilfe von Betroffenen für Betroffene - so ist die Idee. Aber auch Nicht-Betroffene sollen von Veranstaltungen wie dieser profitieren: Gespräche mit Organisatoren oder Mutmachern können Denkanstöße zum Thema liefern. Tina Meffert ist sich jedenfalls in ihrer Sache sicher: "Wir können etwas verändern, wenn wir Mut haben und Mut machen."

Die zweiwöchige Ausstellung ist aktuell geöffnet. Am Samstag, 14. Januar, lädt der Verein ab 14 Uhr zur Middissage. Neben Betroffenen wird auch der Fotograf durch seine Ausstellung führen.

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