50 Jahre Diakonieverein Starnberg"Was Kirche wirklich heißt"

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Feierten im Gemeindehaus das 50-jährige Bestehen des Evangelischen Diakonievereins Starnberg: Tatjana von Groll-Schacht, Elke Matschas, Vize-Bürgermeisterin Angelika Kammerl, Pfarerrin Anne Stempel-de Fallois, Peter Meyer, Jan Peter Schacht, Ralf Scharnitzky, Sebastian Lammersmann, Landrat Stefan Frey, Brigitte Kucy, Claudia Wagner und Stefan Helm.
Feierten im Gemeindehaus das 50-jährige Bestehen des Evangelischen Diakonievereins Starnberg: Tatjana von Groll-Schacht, Elke Matschas, Vize-Bürgermeisterin Angelika Kammerl, Pfarerrin Anne Stempel-de Fallois, Peter Meyer, Jan Peter Schacht, Ralf Scharnitzky, Sebastian Lammersmann, Landrat Stefan Frey, Brigitte Kucy, Claudia Wagner und Stefan Helm. (Foto: Georgine Treybal)

Seit 1972 widmet sich die Diakonie der "Ausübung und Förderung der christlichen Liebestätigkeit an hilfsbedürftigen Menschen".

Von Sylvia Böhm-Haimerl, Starnberg

"Sie wissen gar nicht, wie viel es uns bedeutet, dass Leute uns an die Hand nehmen, um zu leben", erklärt Ingeborg Steffes-Tremer, warum sie den Sozialpsychiatrischen Dienst Starnberg (SpDi) so wichtig findet. Sie ist Klientin und hat als Pianistin die Jubiläumsfeier zum 50-jährigen Bestehen des Evangelischen Diakonievereins Starnberg am Dienstag musikalisch untermalt. Seit der Gründung im Jahr 1972 hat sich die Diakonie, die auch Träger des SpDi ist, der "Ausübung und Förderung der christlichen Liebestätigkeit an Menschen, die aus irgendwelchen Gründen der Hilfe bedürfen" verschrieben. Heute sei man mit Herz, Mut und Engagement dabei, sagte die Vorsitzende Anne Stempel-de Fallois. Landrat Stefan Frey wies ebenfalls darauf hin, wie wichtig Hoffnung und Zuversicht gerade in einer Zeit seien, in der es viele Krisen gebe. Jetzt könnten die Menschen erkennen, "was Kirche wirklich heißt". Sie könne den Menschen eine Heimat bieten und Schwung, Mut und Offenheit weitergeben.

"Bei uns wird gesprochen über manchen gescheiterten Traum"

Zwar war die Gründung des Vereins 1972 zunächst nur notwendig geworden, damit ein Altenheim in Starnberg gebaut werden konnte. Doch die Trägerschaft wurde schon bald an die Rummelsberger Anstalten abgegeben. Danach "dümpelte" der Verein vor sich hin, wie es Schriftführer Ralf Scharnitzky formulierte, bis er 1991 die Trägerschaft für den Sozialpsychiatrischen Dienst Starnberg übernahm und das Unternehmen damit neu ausrichtete. Angefangen hatte der SpDi seinerzeit mit nur vier Mitarbeitern. Später kamen Betreutes Einzelwohnen sowie 24-Stunden-Krisendienst und Rufbereitschaft hinzu, so dass sich die Mitarbeiteranzahl laut Scharnitzky in den vergangenen 30 Jahren mehr als verzehnfacht hat.

Plädierte bei der Jubiläumsveranstaltung des Diakonievereins Starnberg im kleinen Rahmen für einen "Aufbruch in die Moderne": Pfarrerin und Vereinsvorsitzende Anne Stempel-de Fallois.
Plädierte bei der Jubiläumsveranstaltung des Diakonievereins Starnberg im kleinen Rahmen für einen "Aufbruch in die Moderne": Pfarrerin und Vereinsvorsitzende Anne Stempel-de Fallois. (Foto: Georgine Treybal)

Nach Angaben des Geschäftsführers der Diakonie Oberland, Stefan Helm, sind in der heutigen Gesellschaft Niederlagen nicht vorgesehen. Stattdessen herrsche die Erwartungshaltung vor, immer der Beste zu sein. Für Menschen, die diese Erwartungen nicht erfüllen, öffne der SpDi seine Türen. "Bei uns wird gesprochen über manchen gescheiterten Traum", erklärte Psychologin Claudia Werner. Laut der Leiterin Regine Klutsch werden jedes Jahr bis zu 400 Klienten betreut. Für diesen Personenkreis seien insbesondere die Beratungen und Gruppenveranstaltungen wertvolle Hilfen. Die Treffen seien für viele Klienten nicht nur ein fester Punkt im Ablauf der wöchentlichen Tagesstruktur, manchmal ersetzten sie auch den sozialen Kontakt in der Familie. Das habe gerade im Lockdown gefehlt - und daher sei auch die "Angstfrequenz" stark angestiegen. Daher hält Klutsch das SpDi-Angebot gerade in Zeiten von Corona und Ukrainekrieg wichtiger denn je.

Insbesondere bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind die Anfragen stark angestiegen

Denn viele, die im ersten Coronajahr noch durchgehalten hätten, kämen jetzt. Wie Klutsch betonte, war der SpDi trotz der Lockdowns in den vergangenen zwei Jahren stets präsent. "Wenn eine Krise kam, konnten sie (die Klienten) trotzdem kommen", erklärte sie; das sei mit dem Gesundheitsamt abgesprochen gewesen. Werner zufolge sind die Anfragen insbesondere bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen stark angestiegen. "Die sind rausgefallen aus dem System. Sie brauchten jemanden, der zuhört und sich Zeit nimmt." Die SpDi-Beratungen - am Telefon, online oder falls möglich auch persönlich - erfolgen zeitnah, kostenlos und anonym unter Telefon 08151-78771 oder E-Mail info@spdi-starnberg.de.

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