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Starnberg:Nackerte im Seebad bleiben im Blick der Restaurantgäste

Eine Stadträtin entrüstet sich über die "Peepshow". Doch an den Saunahütten wird kein Sichtschutz aufgestellt, beschließt der Stadtrat mit großer Mehrheit.

Der Saunabereich des Starnberger Seebads bleibt weiterhin "unbedeckt": Der Stadtrat hat am Montag mehrheitlich einen Antrag der Parteifreien abgelehnt, der die Sichtbeziehungen vom "Strandhouse" im ersten Obergeschoss direkt in den Freiluftbereich der drei neuen Saunahütten mittels einer zusätzlichen Pergola verhindern sollte. Gäste des Restaurants werden beim Blick auf See und Bergkette also weiterhin mit nackten Tatsachen konfrontiert. Und Saunagäste müssen sich stets darüber im Klaren sein, dass sie nach dem Schwitzbad beim unverhüllten Gang an die frische Luft jederzeit beobachtet werden können.

Der Blick auf Nackerte und der durch die Saunahütten verstellte Blick auf das Alpenpanorama lieferte bereits allerlei Diskussionsstoff. Zwar gab es vereinzelt Beschwerden, doch ein Sturm der Entrüstung blieb bislang aus. Auch bei "Strandhouse"-Pächter Frank Kunzlmann oder seinen Angestellten soll sich bislang noch keiner seiner Restaurantgäste über die Nackten beschwert haben - wohlwissend, dass ein weiterer Sichtschutz auf der Terrasse des Lokals den Blick auf See und Berge vollends versperren würde.

Starnberg Restaurant-Terrasse mit Ausblick auf die Nackerten
Seebad in Starnberg

Restaurant-Terrasse mit Ausblick auf die Nackerten

Wer im Lokal "Strandhouse" speist und auf die Sauna-Hütten schaut, sieht mehr als den Starnberger See und die Berge. Eine Stadträtin moniert die Fehlplanung.   Von Peter Haacke

Für Stadträtin Angelika Kammerl (Parteifreie), die den Antrag auf eine zusätzliche Pergola zwischen den Saunahütten gestellt hatte, ist die aktuelle Situation ein Unding. Bereits in einem Workshop 2014, bei dem die Planung vorgestellt wurde, habe es die Anregung gegeben, dass Saunierende ungesehen ans Wasser gelangen. Die Stadt habe eine gewisse Sorgfaltspflicht, dass es im Saunabereich keine "Peepshow" gebe.

Ein Stadtrat witzelt über die "Zeit der nackten Wahrheit"

Kammerl schlug eine Ortsbesichtigung vor, bei der sich einzelne Stadträte oder Mitglieder der Verwaltung gern für einen Saunagang zur Verfügung stellen könnten. Überrascht von der "Zeit der nackten Wahrheit" zeigte sich Tim Weidner (SPD), der die Aufregung nicht verstehen mochte. Einerseits könnten sich Saunierende mit einem Handtuch bedecken, andererseits könnten Restaurantgäste einfach wegschauen. Darüberhinaus stelle er sich bei einem Ortstermin "gerne zur Verfügung in meiner ganzen Pracht".

Soweit wollte Franz Heidinger (BLS) nun nicht gehen, bezeichnete den Blick auf Nackerte und verstellten Blick auf den See aber als misslungen. Er plädierte für ein Provisorium, "ansonsten ist das eine Fehlplanung". Gleichwohl fand sich keine Mehrheit für Kammerls Antrag. Lediglich vier von insgesamt 29 Stadträten votierten für einen Sichtschutz. Den Saunagästen zum Trost: Mittels Blumentrögen und einer gepflanzten Weide soll der Sichtschutz perfekt sein - allerdings wohl erst in ein paar Jahren.

Starnberg Geteilte Ansichten auf nackte Tatsachen

Seebad in Starnberg

Geteilte Ansichten auf nackte Tatsachen

Besucher sind überrascht, dass die Terrasse des Restaurants "Strandhouse" Blicke in die Sauna erlaubt. Der Pächter spricht sich jedoch gegen einen Sichtschutz aus.   Von Peter Haacke