Ob es nun ein schlechtes Gewissen angesichts einer allgemeinen Erhöhung der Eintrittspreise um 40 Prozent, ein Anflug von Sozialromantik oder doch nur der populistische Drang einiger Stadträte war, es möglichst vielen recht zu machen, lässt sich im Nachhinein nur schwer klären. Tatsache ist jedoch: Die Idee, Kindern im Alter zwischen sechs bis zwölf Jahren freien Eintritt ins Starnberger Seebad zu gewähren, war nicht unbedingt die beste. Die rund 33 000 freien Eintritte binnen acht Monaten ergaben einen grob kalkulierten sechsstelligen Einnahmeverlust für die Stadt. Sie summieren sich – je nach Berechnungsart – auf Beträge zwischen 198 000 und 297 000 Euro. Doch damit ist jetzt Schluss: Vom 15. Februar an zahlen auch Sechs- bis Zwölfjährige wieder Eintritt, das beschloss der Stadtrat am Montag einhellig.
Für die Kehrtwende in der viel diskutierten Preispolitik für den Wasserpark mit seiner Kombination aus Hallenbad, Freibad und Sauna gibt es mehrere triftige Gründe. Zum einen erwirtschaftet der aufwendig für insgesamt rund 25 Millionen Euro umgebaute Komplex seit Jahren trotz hoher Deckungsgrade nur Defizite. Zum anderen drohen durch den Komplettausfall des Saunabereichs nach einem Wasserschaden weitere Ausfälle in Millionenhöhe. Die Reparaturkosten, die voraussichtlich eine Versicherung übernimmt, sind bislang unbekannt. Und wann die Schwitzhütten wieder eröffnet werden können, ist bislang unklar.
Ausschlaggebend für die vorzeitige Rückkehr zum alten Preisgefüge aber dürften insbesondere die Nutzer sein: Lediglich drei Prozent der Minderjährigen – so berichtete es Seebad-Chef Christian Herrmann – kämen aus Starnberg. Zwar freue man sich über Badegäste aus München und den umliegenden Landkreisen. „Doch was nutzt es, wenn die Halle voll ist, aber nur zehn Prozent den Eintritt zahlen?“, fragt sich Herrmann. Zumal die halbwüchsige Klientel von auswärts, die in Ferienzeiten mit Bussen heran gekarrt wird und nichts zahlen muss, nicht unbedingt pflegeleicht ist und oft genug die „guten Regeln von Anstand und Respekt“ (Herrmann) missachtet. Die Zahl der Rausschmisse und Hausverbote sei seit vergangenem Frühjahr drastisch gestiegen – oft wirkungslos: Am nächsten Tag sind die Betroffenen wieder kostenlos im Schwimmbad und fallen zuweilen auf durch Beschädigungen, Schmutz und Belästigungen.

Der Stadtrat hatte erst im Mai eine Erhöhung der Eintrittspreise für Hallenbad, Seebad und Sauna beschlossen, was jedoch einen Sturm der Entrüstung heraufbeschwor. Als Ausgleich sollten Sechs- bis Zwölfjährige freien Eintritt genießen – eine Idee von Ex-Bürgermeisterin Eva Pfister (BMS), die auch von Grünen und WPS freudig unterstützt wurde und am Ende eine knappe Mehrheit fand.
Ein Zwischenbericht im September ließ jedoch aufhorchen. Die CSU beantragte daraufhin, auch minderjährige Badegäste wieder zu zahlender Kundschaft zu machen. Die jungen Leute zahlen vom 15. Februar an ermäßigt vier Euro für 90 Minuten, sechs Euro für drei Stunden und neun im Sommer beziehungsweise zehn Euro im Winter für die Tageskarte. Nächsten Oktober soll das ganze Seebad-Preisgefüge erneut auf den Prüfstand.

