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Starnberg:Zwei Neubauten sollen die übrigen Häuser am Seeufer überragen

Die Tage von "Schuh Linse" sind gezählt: Nach Abriss des einstigen "Schlosstheaters" entsteht ein bis zu 16 Meter hohes Gebäude. Simulation: Goetz Castorph Architekten

An prominenter Stelle sind in der Innenstadt zwei 16 und fast 18 Meter hohe Gebäude geplant. Sie könnten der Stadt ein neues Gesicht geben.

Von Peter Haacke

Postkartenhersteller werden ihr Angebot zu Starnberg überararbeiten müssen, die Kreisstadt bekommt ein neues Gesicht - zumindest beim Anblick vom See her: An prominenter Stelle entstehen in der Wittelsbacherstraße 1 und der Kaiser-Wilhelm-Straße 1 zwei neue Gebäude, die alle übrigen Häuser am Ufer des Starnberger Sees mit einer Höhe von 16 beziehungsweise 17,85 Metern dezent überragen. Der Bauausschuss befürwortete am Donnerstag im Grundsatz die beiden aktualisierten Entwürfe, die neben einer gewerblichen Nutzung mit Einzelhandel und Gastronomie auch Büro- und Praxisräume sowie Wohnungen vorsehen.

Die Tage von "Schuh Linse" sind gezählt. Das Haus aus den 50er-Jahren, in dem einst das erste Starnberger Kino und die Heimatbühne untergebracht waren, wird abgerissen. Der Großvater von Hans Linse, Geschäftsführer und Eigentümer des Grundstücks, erwarb das Gebäude Ende der 60er-Jahre. Binnen der nächsten drei Jahre soll hier ein "schlanker Klotz in zeitlosem Stil" entstehen, sagt Linse. Das analoge Geschäft wird er jedoch voraussichtlich aufgegeben und sich stattdessen auf Online-Handel spezialisieren. "Es ist alles sehr viel schwerer geworden", sagt Linse. Das Kundenverhalten habe sich geändert und auch die Lieferanten "sind keine Partner mehr".

Gleichwohl soll im Neubau auch Einzelhandel zur Belebung der Innenstadt stattfinden. Geplant ist ein dreigeteilter Bau mit drei, vier und fünf Geschossen, der "eine städtebauliche Marke" - so formuliert es das Bauamt - im Norden zum Kirchplatz hin bilden soll. Für den südlichen Gebäudeabschnitt sind vier Geschosse vorgesehen, der mittlere Gebäudeteil ist dreigeschossig mit einer Dachterrasse geplant. Hinzu kommt eine Tiefgarage mit 28 Stellplätzen und Fahrradraum.

Auf den Bau eines zweiten Untergeschosses verzichtete der Ausschuss wohlwissend um die Baukosten und den schwierigen Untergrund am Seeufer. Das Geld solle besser für eine ansprechende Architektur verwendet werden, argumentierte Stadtbaumeister Stephan Weinl. Für die neun bis elf fehlenden Stellplätze ist eine Ablösegebühr fällig.

Im Erdgeschoss - so wünscht es der Stadtrat - soll Einzelhandel mit großer Verkaufsfläche einziehen, im Idealfall ein Bekleidungsgeschäft. Eine Ausnahme stellt die Höhe des Neubaus in der Wittelsbacherstraße dar: Regulär sieht der Bebauungsplan in der südlichen Stadtmitte lediglich Wandhöhen von 12 bis 13 Metern vor. Doch die ist bereits überschritten durch die Seearkaden mit 16 Metern oder den Mittelbauteil des Hotels "Bayerischer Hof", der ebenfalls 16 Meter aufragt.

Damit nicht genug: An der Ecke Kaiser-Wilhelm-Straße/Bahnhofstraße ist der Teilabbruch des Gebäudes geplant; stattdessen soll ein L-förmiger Neubau mit fünf Geschossen und Dachterrasse entstehen, der 17,85 Meter aufragt. Im südlichen Teil des Erdgeschosses soll ein Gastronomiebetrieb einziehen. Sollte dieses Vorhaben nach zwei Jahren Mietersuche erfolglos bleiben, wäre aber auch eine Nutzung als Gewerbe- oder Bürofläche möglich. Der Entwurf soll aber noch einmal überarbeitet werden, ehe er in die öffentliche Auslegung gehen wird.

© SZ vom 21.11.2020
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