Sicherheit im Wasser:Wie schützt man sich beim Schwimmen im See?

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Sicherheit im Wasser: Ausgerüstet mit Signalboje und Badekappe sind Schwimmer im Wasser gut sichtbar.

Ausgerüstet mit Signalboje und Badekappe sind Schwimmer im Wasser gut sichtbar.

(Foto: Hans Büchler/oh)

Nach dem Tod eines Schwimmers im Starnberger See fragen sich viele, wie sicher das Baden in Seen ist. Was Experten zum Selbstschutz raten - und worauf man achten sollte.

Von Tim Graser

Windig und kühl ist es für einen Sonntagvormittag im August, Vasileios Tekidis krault dennoch durch das Wasser. Mit seiner orangefarbenen Badekappe und seiner hellgrünen Badehose sieht man ihn schon von weitem. Beim Starnberger Seeschwimmen, einem Wettkampf, der sich an diesem Tag fast über die gesamte Länge des Starnberger Sees zieht, herrschen strenge Sicherheitsregeln - und das nicht ohne Grund: Veranstalter Alexander Fricke will kein Risiko eingehen. Drei Hinweise gilt es zum Selbstschutz zu beachten. Jeder Teilnehmer muss eine farbige Badekappe tragen und wird von mindestens einem Kanu oder Stand-Up-Paddler begleitet, um sofort Erste Hilfe leisten zu können oder eventuell auch einen Notruf abzusetzen, falls etwas passiert. Im ersten und gefährlichsten Streckenabschnitt begleitet die Schwimmer sogar die Wasserwacht.

Gesehen zu werden - das ist wichtig auf dem See. Erst vor wenigen Tagen ist ein Schwimmer im Starnberger See tödlich verunglückt, nachdem er von einem Motorbootfahrer übersehen und überfahren wurde. Darauf achtet der 22-jährige Vasileios Tekidis, der für den Wettkampf extra aus Stuttgart anreiste: "Ich schaue erstmal darauf, dass ich auffalle", sagt er und deutet auf sein Schwimmoutfit in Signalfarben.

Mit Schwimmbojen kann man sich im Wasser sichtbarer machen

Wenn er nicht gerade an einem Wettkampf teilnimmt und von zwei Kanufahrern begleitet wird, schwimmt er meist mit Signalboje, weil "die Gefahr zu groß ist", sagt der Profi-Athlet. Die kleinen, grell gelben Bojen befestigen Schwimmer mit einem Band an der Hüfte und ziehen sie hinter sich her. "Die übersieht man nicht", sagt Kilian Schropp, Fischer und Bootsverleiher. Die Signalbojen würden aber bisher nur von Sportschwimmern -und auch nur vereinzelt - genutzt. Vor allem Wind und Wellengang wie am Sonntag können für die Sicht problematisch sein - für Schwimmer wie für Bootsführer. Ohne Boje könne man Schwimmer da leicht übersehen. So erging es ihm schon zwei Mal abends auf seinem Fischerboot beim Auswerfen der Netze: "Oh hoppala, da ist ja ein Schwimmer."

Weiterhin achten viele Schwimmer zudem zu wenig auf ihr Umfeld. "Die schauen nicht und schwimmen stur weiter", sagt Schropp. Das kennt Langstreckenschwimmer Tekidis auch, beim Training im Becken schließt er die Augen beim Atmen. Das ist ihm am Sonntag auch ein paar Mal passiert: "Da habe ich gesehen, dass die Boote plötzlich zu nah an mir dran waren."

Sichtbar machen solle man sich auf jeden Fall, sagt Michael Döhla, technischer Leiter der Wasserwacht Ammerland, der die Sportler am Sonntag begleitet hat. Doch auch das sei nur zweitrangig. Vor allem solle man sich nicht weiter als 300 Meter vom Ufer entfernen. "Hier gilt die Schutzzone, in der sich Motorboote nur in Schrittgeschwindigkeit und auch nur vom Ufer wegbewegen dürfen", sagt Döhla.

Für Motorboote braucht es auf dem Starnberger See keinen Führerschein

Der Wasserretter kritisiert jene Motorbootfahrer, die sich nicht daran halten: "Ich habe es selbst am Wochenende erlebt, wie Motorbootfahrer in nur 100 Metern Entfernung mit ordentlicher Geschwindigkeit am Ufer entlangziehen." Auch deswegen sei es wichtig, sich durch grelle Farben kenntlich zu machen.

Zumal es auf dem Starnberger See keine Führerscheinpflicht für Motorboote gibt. Diese sieht die bayerische Schifffahrtsverordnung nur für Fahrgast- und Güterschiffe sowie "schwimmende Geräte mit eigenem Antrieb", etwa Schwimmbagger, vor. Doch jeder, der Zugang zu einem Boot hat, darf eine mehrere hundert PS starke Maschine über den See bewegen.

Von "Sonderaktionen" wie Seeüberquerungen auf eigene Faust rät Döhla grundsätzlich ab. Es sei denn, ein Begleitboot - idealerweise eines der Wasserwacht - steht zur Verfügung. Vor einer trügerischen Sicherheit, zu der Signalbojen Schwimmer verleiten könnten, warnen er und Fricke. Letztlich muss der Schwimmer auf sich selbst achten.

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