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Starnberg:Schwere Vergiftungen bei Betriebsunfall

Kohlenmonoxid in hoher Konzentration tritt aus Ofen in Metallhärterei aus. Sieben Personen müssen in die Klinik.

- Kohlenmonoxid in gefährlich hoher Konzentration ist am Donnerstagabend in einer Produktionshalle einer Starnberger Metallhärterei ausgetreten. Die Folgen waren bei dem Betriebsunfall gravierend: Sieben Personen erlitten schwere Vergiftungen. Für alle bestand laut Polizei sogar Lebensgefahr. Schon wenige Atemzüge des geruchlosen Gases können zum Tode führen. Die sieben Verletzten hatten jedoch Glück im Unglück: Bis auf zwei konnten am Freitag alle aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Der Ablauf des Unglücks war dramatisch: Gegen 22.30 Uhr war ein 48-jähriger Arbeiter plötzlich in der Halle zusammengesackt. Die alarmierten Notärzte brachten ihn ins Krankenhaus und mussten feststellen, dass sie selber gesundheitliche Probleme bekamen. Alle drei wurden daraufhin auf die Intensivstation gebracht. Als Feuerwehr, Polizei und Bayerisches Rotes Kreuz gegen 0.30 Uhr zur Unfallstelle kamen, schlugen ihre Messgeräte schon am Eingang stark aus. Mehr als 1000 Parts per million (ppm) zeigten sie an. Maximal 30 sind erlaubt. "Unsere Messgeräte sind teilweise ausgestiegen, so hoch war die Konzentration", berichtete der Starnberger Kommandant Christian Reichert. Der Ofen, an dem der Arbeiter zuletzt Stahl gehärtet hatte, wurde sofort abgeschaltet. Die Feuerwehrler stellten drei Hochleistungslüfter in der Halle auf, um das giftige Gas hinauszubefördern. Dreimal musste nachgemessen werden, bis die Werte gegen kurz vor 4 Uhr wieder normal waren. Kreisbrandrat Markus Reichart vermutet, dass das giftige Gas durch eine unvollständige Verbrennung entstanden sein könnte. Der Starnberger Polizeichef Norbert Reller sagte: "Es muss an mangelhafter Entlüftung liegen." Normalerweise werde die Abluft der Maschine, die Kohlenmonoxid enthalte, nach außen geführt.

Die Polizei fahndete intensiv nach den Mitarbeitern der Spätschicht, um diese über die Vergiftung zu informieren, da für sie noch Lebensgefahr bestand. "Das war eine intensive Recherche in der Nacht", stöhnte Reller. Denn die Arbeiter waren inzwischen alle nach Hause gegangen. Und keineswegs alle wohnen in Starnberg. Die Beamten mussten nach München, Maisach und Fürstenfeldbruck fahren, um die Vergifteten ins Krankenhaus zu begleiten.

Gutachter des Landeskriminalamtes inspizierten am Morgen den schadhaften Ofen. Doch bevor die Ursache des Unglücks festgestellt werden kann, müssen laut Reller noch akustische und optische Warnsignale zur Sicherheit installiert werden, denn das hochgefährliche Kohlenmonoxid ist geruchlos. Der Geschäftsleiter zeigte sich verstört und fassungslos angesichts der Ereignisse der Nacht. "Ich bin froh, dass nicht mehr passiert ist", sagte er. Auch die Beschäftigten, die am Morgen wieder ihre Arbeit aufnahmen - natürlich nicht an dem defekten Ofen, sondern an anderen - , zeigten sich erleichtert. Doch eine "gewisse Unsicherheit, ein mulmiges Gefühl" hatten sie schon. 20 Mitarbeiter hat der Betrieb. Sie beteuerten, hinter ihrem Chef zu stehen. "Ich weiß nicht, ob ich ins Gefängnis komme", sagte dieser. Erst vor einem Jahr war die Halle mit dem jetzt defekten Ofen umgebaut worden.