Die Schüsse fielen am Abend des 16. April vergangenen Jahres in der Tiefgarage eines Wohnquartiers gegenüber der Starnberger Kreisklinik. Im hintersten Winkel hatten sich den Ermittlungen zufolge vier Männer aus dem Münchner Rockermilieu mit zwei Personen aus Baden-Württemberg getroffen, um mit ihnen vermutlich ein Drogengeschäft abzuwickeln. Dabei soll es zum Streit gekommen sein.
Die vierköpfige Gruppe soll versucht haben, die zum Verkauf angebotenen Drogen – dem Vernehmen nach Kokain in nicht geringer Menge – mit Einsatz von Reizgas den zwei mutmaßlichen Dealern abzunehmen, ohne zu bezahlen. Daraufhin soll einer der beiden Männer einem 33-jährigen Kontrahenten ins Bein geschossen haben. Bereits kurz nach der Tat wurden die zwei geflüchteten Männer in ihren Wohnorten Waiblingen und Remseck am Neckar festgenommen. Dem Duo wird jetzt wegen versuchten Totschlags der Prozess gemacht.
Die Verhandlung gegen die 35 und 34 Jahre alten Männer aus Baden-Württemberg beginnt am Donnerstag, 9. April, vor dem Landgericht München II., angesetzt sind hierfür sieben Tage. 27 Zeugen seien geladen worden, teilte ein Gerichtssprecher mit. Der Prozess sei auch Teil eines bereits laufenden Verfahrens im Zusammenhang mit der Schießerei und dem gescheiterten Drogengeschäft in der Starnberger Tiefgarage. Bei einem der verhafteten Männer aus Baden-Württemberg hatten die Fahnder dem Vernehmen nach ein Kilogramm Kokain in seiner Wohnung entdeckt.
Nur wenige Wochen nach der Schießerei fasste die Polizei weitere Verdächtige bei Durchsuchungen von elf Objekten in München, dem Landkreis Berchtesgadener Land und in Nordrhein-Westfalen. Es handelte sich offenbar um die Gruppe, die beim gescheiterten Kokain-Deal dabei gewesen sein soll. Das Schussopfer war nach SZ-Informationen in einer Reha-Klinik verhaftet worden. Bei der Razzia wurden auch Waffen, Datenträger und verbotene Dopingmittel sichergestellt.

Nach dem blutigen Vorfall rekonstruierten Kripobeamte und Experten vom Landeskriminalamt den Tatablauf und vermaßen virtuell dreidimensional den Tatort, um die denkbaren Szenarien sichtbar zu machen. Die Spurensuche ergab, dass mindestens vier Pistolenschüsse gefallen sind, die auch zwei Autos in der Tiefgarage beschädigten. Die Ermittler konnten auch auf Bilder einer Dashcam zurückgreifen, die in einem abgestellten Fahrzeug installiert war. Einer der Männer aus München soll die weitläufige Tiefgarage mit ihren Nebenausgängen als Ort für das Drogengeschäft ausgesucht haben, der die zwei Dealer offenbar in eine Falle locken sollte.

