EnergiewendeGrüne Stadträtin kämpft gegen Solaranlage

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Direkt neben dem Starnberger Autobahndreieck (im Hintergrund) zwischen den Ortsteilen Schorn und Unterschorn befindet sich der privat genutzte Flugplatz, der schon bald mit Solarmodulen bestückt werden könnte.
Direkt neben dem Starnberger Autobahndreieck (im Hintergrund) zwischen den Ortsteilen Schorn und Unterschorn befindet sich der privat genutzte Flugplatz, der schon bald mit Solarmodulen bestückt werden könnte. (Foto: Georgine Treybal)

Die Tage des kleinen privaten Flugplatzes in Schorn scheinen gezählt zu sein: Neben der Autobahn könnte Starnbergs erste Freiflächenanlage entstehen.

Von Peter Haacke, Starnberg

Weit entfernt von den angestrebten Zielen der Energiewende ist bislang die Stadt Starnberg. Eigentlich hat der Kreistag 2005 beschlossen, dass der Landkreis von 2035 an mit erneuerbarer Energie versorgt werden soll. Doch insbesondere die Kreisstadt hinkt diesem Ziel hinterher. Ein erster kleiner Schritt zur größeren Stromerzeugung durch Sonnenenergie könnte 2025 erfolgen: Starnbergs erste Freiflächensolaranlage soll in unmittelbarer Nähe neben dem Autobahndreieck entstehen. Das Gelände wurde bislang als Landebahn für ein Ultraleichtflugzeug genutzt. Doch ausgerechnet die Grünen-Stadträtin Ursula Lauer will im Bau der Anlage ein juristisches Problem erkannt haben.

Wer sich von Starnberg aus über die Autobahn auf den Weg nach München macht, kann für einen kurzen Moment im Vorbeifahren bei Tempo 100 einen Blick auf das kleine Flugfeld erhaschen. Seit gut zehn Jahren nutzt der Wangener Paul Küchler die Fläche für Starts und Landungen seines Fluggeräts, mit dem er auch schon offiziell zur Waldbrandbeobachtung im Einsatz war. „Ich brauche nicht viel“, sagt Küchler: 350 Meter Länge und zehn Meter Breite reichen, um seinen Ultraleichtflieger sicher starten und landen zu können. Zuweilen ist das 200 Stundenkilometer schnelle Mini-Flugzeug nur ein Hobby, manchmal nutzt er die 1500 Kilometer Reichweite seines Fliegers für Geschäftsflüge nach Ostdeutschland. Damit aber dürfte es schon bald vorbei sein.

Ihm ist zum Jahresende gekündigt worden. Der oder die Eigentümer wollen aus der Fläche ein Solarfeld machen. Der Bauausschuss der Stadt Starnberg beschäftigte sich unlängst mit dem entsprechenden Bauantrag. Demnach sollen auf der Wiese längs der Autobahn in exakt vermessener Entfernung von bis zu 200 Metern Solarmodule installiert werden. Damit gilt das Projekt als privilegiertes Vorhaben, mit gegenläufigen Interessen wurde hier nicht gerechnet.

Das sieht Ursula Lauer (Grüne) anders: Sie bangt um das Landschaftsschutzgebiet „Starnberger See Ost“. Abgesehen davon, dass umweltrechtliche Belange und eine Erschließung bislang nicht geprüft worden seien, werde auch das Landschaftsbild beeinträchtigt, argumentiert sie. Ohnehin gelte eine Privilegierung nicht für Solaranlagen. „Wir würden hier einen gravierenden juristischen Fehler begehen“, sagte Lauer, die Beschlussvorlage sei falsch. Sie forderte, den Bauantrag zurückzustellen und die Unterlagen kritisch zu prüfen.

Gegen das Vorhaben stimmt eine „ungewöhnliche Allianz“

Stadtbaumeister Stephan Weinl stimmte Lauer zwar mit Blick auf die noch ausstehenden Überprüfungen im Grundsatz zu, verwies ansonsten aber auf das Landratsamt als entscheidende Behörde. Dieser Meinung schloss sich mit knapper 7:5-Mehrheit auch das übrige Gremium an. Ihre Zustimmung zum Bauantrag verweigerten neben Lauer auch Angelika Kammerl (CSU), Franz Heidinger (BLS) sowie das Ehepaar Josef und Eva Pfister (beide BMS). „Eine ungewöhnliche Allianz“, stellte Bürgermeister Patrick Janik (UWG, CSU, SPD, BLS) fest.

Weitere Details zum Vorhaben wurden in der Sitzung nicht genannt. Wie viele Module mit welcher Leistung auf dem etwa 25 000 Quadratmeter großen Areal abseits der Autobahn entstehen könnten, ist derzeit ebenso wenig bekannt, wie Angaben zum Grundstückseigentümer und wer die Anlage betreiben soll. Der Bauausschuss stimmte dem Vorhaben zu: Alles Weitere ist Sache des Landratsamts. Und für Pilot Küchler ist derweil klar: Er wird sich für die Starts und Landungen seines Ultraleichtflugzeugs einen neuen Standort suchen müssen.

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