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Freilichtbühne:Ein Starnberger im Wilden Westen

Ferdinand Ascher avanciert zum Titelhelden in Karl Mays "Old Surehand" bei den Festspielen Burgrieden - inklusive Reiten und Kämpfen. Die Stunts übernimmt der gelernte Schreiner selbst.

Eine Hütte brennt lichterloh, davor prügelt sich ein Indianer mit einem Cowboy. An den Kämpfenden galoppiert eine Reiterschar mit gezogenen Colts vorbei - angeführt von Ferdinand Ascher. Der Starnberger wird heuer die Titelrolle in Karl Mays "Old Surehand" bei den Festspielen Burgrieden bei Ulm übernehmen, einer der größten Freilichtbühnen Süddeutschlands.

In knapp 35 Vorstellungen wird Ascher von Juli an erstmals als Hauptdarsteller in der Geschichte zu sehen sein, in der es um die Rettung des begnadeten Schützen und Westernhelden Old Surehand aus den Fängen der Indianer geht. Anfang Juni beginnen die Proben, täglich werden fünf bis acht Stunden Text, Kampf und Reiten geübt. Besonders ist, dass die Schauspieler alle Stunts selber machen. "Am Ende des Sommers kann ich kaum noch auf ein Pferd aufsteigen", sagt der Starnberger, "durch die intensive Vorbereitung haben wir auf Burgrieden ein sehr familiäres Verhältnis. Die Statisten sind seit Jahren dabei und man schätzt sich auch privat."

Kühner Revolverheld: Ferdinand Ascher spielt heuer zum dritten Mal bei den Festspielen Burgrieden mit.

(Foto: Veranstalter)

Ascher ist zum dritten Mal bei den Spielen dabei, davor hat er an verschiedenen Produktionen mitgewirkt. "Die Idee, Schauspieler zu werden, ist von null auf hundert innerhalb einer Nacht geboren", sagt der gebürtige Starnberger. "Ich war etwa 18 Jahre alt und in besagter Nacht habe ich den Film Henry V. von Regisseur Kenneth Branagh angesehen. Die Wucht und Emotion der Texte hat etwas in mir ausgelöst. Ab da wollte ich auf die Bühne."

Damals absolvierte der heute 31-Jährige eine Schreinerlehre. Nach der nächtlichen Erkenntnis endete dieser Weg 2008 mit einem Gesellenabschluss. Kurz darauf wurde er an der "Neuen Münchner Schauspielschule" angenommen, die er 2011 erfolgreich absolvierte. Außer einigen Gastrollen in Filmen hat er bei Stücken des Chiemgauer Volkstheaters, den Carl-Orff-Festspielen in Andechs sowie dem Kultursommer Garmisch mitgewirkt. "Ich habe schnell gemerkt, dass Theater meine große Leidenschaft ist, die Bühne ist für mich die Königsklasse. Alles ist live, da sind Authentizität und Präsenz das Wichtigste."

Auf die Festspiele ist Ascher vor ein paar Jahren über Facebook gestoßen. Er bewarb sich bei dem damaligen Regisseur, wurde aber abgelehnt. Doch er bekam eine zweite Chance: Kurz vor Weihnachten 2017 rief der neue Spielleiter Michael Müller an und bat um ein Treffen. Müller war auf das alte Bewerbungsschreiben Aschers gestoßen und sofort interessiert.

Denn der ehemalige Schreiner aus Starnberg passt ideal in den Wilden Westen. In seiner Kinderzeit hatte er viel mit Pferden zu tun, sein Vater besaß eines. Durch seine Naturverbundenheit und seine athletische Figur bringt er zudem viele Eigenschaften eines Revolverhelden mit. "Michael Müller ist ein großartiger Regisseur und auch ein guter Schauspieler. Im letztjährigen Stück waren wir Kontrahenten, irgendwann ist Müller versehentlich sein Pferd ausgekommen. Ich habe es dann eingefangen und wir haben den Fauxpas in das Stück integriert. Wir frotzeln schon gerne", erzählt Ascher.

Besonders inspiriert hat den Schauspieler die Arbeit mit Marcus Everding bei den Orff-Festspielen in Andechs. "Everding ist ein Menschenfreund und versteht es, zu führen", erzählt Ascher. "Theater ist Teamsache, so wie auch der Fußball. Die Mannschaft gewinnt nur zusammen, ein guter Trainer schafft den Zusammenhalt." Der Schauspieler kann sich auch klassische Stücke auf Freiluftbühnen vorstellen. "Die Räuber von Friedrich Schiller zum Beispiel, da mitzuwirken, wäre toll", sagt er.