bedeckt München 24°
vgwortpixel

Starnberg:Reuige Rückkehr

.Buchhändler profitieren von den negativen Berichten über Amazon. Viele Kunden kaufen ihren Lesestoff wieder lieber im Laden, statt die Bücher beim Versandhändler im Internet zu bestellen

Buchhandlung Greiner

In der Starnberger Buchhandlung Greiner schmökern Lidia Bradley (li.) und Bonnie Tillemann (re.). Andrea Molline-Greiner berät sie dabei. Foto: Fuchs

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Wie Biobauern von den regelmäßig auftauchenden Lebensmittelskandalen profitieren, so bringt nun der Wirbel um Amazon den Buchhändlern die Kundschaft zurück. Leser von Gauting bis Tutzing bestellen ihre Lektüre lieber wieder beim Laden im Ort statt bei dem großen Versandhändler, der wegen seiner Arbeitsbedingungen in Verruf geraten ist. Der Skandal um die Ausbeutung von Leiharbeitern im Betrieb schlägt noch immer große Wellen. Was viele Verbraucher nicht wissen: Auch bei den meisten Händlern im Landkreis Starnberg kann man seine Bücher bereits online bestellen. Diese Option wurde in der letzten Zeit immer beliebter. "Gerade drucke ich eine Bestellung aus", erzählt zum Beispiel Luitgard Kirchheim in Gauting. Seit die ersten Berichte über Amazon vor gut drei Wochen veröffentlicht wurden, registriert sie einen deutlichen Zuwachs. "Wir haben eindeutig mehr Bestellungen". Sie schätzt, dass sich die Zahlen etwa verdoppelt haben. Allerdings sind das immer noch keine großen Mengen; es geht um eine Steigerung von fünf auf zehn Bücher pro Woche.

In dieser Größenordnung bewegt sich auch der Zuwachs bei den Online-Bestellungen in der Buchhandlung Greiner in Starnberg. Gleich nach dem ersten Fernsehbericht über Amazon habe sich der Umschwung bemerkbar gemacht. Viele Kunden wissen vermutlich gar nicht, dass sie via Internet bei ihrem Buchhändler um die Ecke den gleichen Service wie bei Amazon bekommen. Die Webseiten der Buchläden bieten Recherchemöglichkeiten in den eigenen Katalogen, monatlich wechselnde Buchempfehlungen und -vorstellungen, sowie ein umfangreiches Angebot, das nicht nur die Bücher großer Verlagshäuser, sondern auch kleine und unbekannte Veröffentlichungen beinhaltet. Somit ist der Verbraucher nicht zwingend auf große Versandhäuser wie Amazon angewiesen. Die Möglichkeit, bequem von zu Hause aus bei der Buchhandlung vor Ort zu bestellen, gebe es bereits seit Langem, erzählt Susanna Held aus Tutzing. In der Regel sind die Bücher spätestens 24 Stunden nach eingegangener Bestellung im Laden und warten dort auf den Käufer.

Laut Margot Reich aus der gleichnamigen Buchhandlung in Herrsching sei es für viele Kunden sogar "praktischer", dass sie nicht zu Hause auf den Postboten warten müssten, sondern ins Geschäft kommen könnten, wann es gerade in den Zeitplan passt. Und für diejenigen, die eine Lieferung vor die Haustüre doch bequemer finden, bieten viele Buchhandlungen im Landkreis ebenso einen Versand an - oftmals sogar portofrei.

Zwar kann Margot Reich noch nicht bestätigen, dass die Buchbestellungen in ihrem Laden zugenommen hätten - der Skandal sei noch zu frisch - doch wundere sie diese Entwicklung nicht. Das Thema Amazon sei bereits seit vielen Jahren gängiger Gesprächsstoff in dem Herrschinger Buchladen: "Wir kämpfen ja als Buchhandlung schon länger gegen Amazon", erzählt die Herrschingerin. Weil der Bekanntheitsgrad des Versandhauses seit einigen Jahren immer weiter wachse, mache Amazon die "Buchhandlungen kaputt", so Reich.

Auch in der Buchhandlung Leselust in Gilching sei der Aufschwung von Amazon spürbar gewesen. Doch mit dem Skandal steigen auch hier die Verkaufszahlen: "Der Februar war wirklich gut", erzählt Bettina Herrmann-Wilden, Inhaberin der Leselust. Viele ihrer Kunden seien bestürzt über den Skandal: "Es gibt schon Leute, die wirklich entsetzt sind", weiß die 68-Jährige.

Immer mehr Lese-Fans im Landkreis sind nun also bereit, den hiesigen Buchhandlungen mehr Unterstützung zukommen zu lassen. Das sei auch dringend nötig - da sind sich die Inhaber der Läden einig. "Ich denke, wir können genauso viel anbieten", erklärt Susanna Held. Jedenfalls, was die Bücher angeht. Denn Akkuschrauber und Flachbildfernseher befinden sich nicht im Repertoire der Buchhändler.