NachrufAbschied von Reinhard Dirr

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Reinhard Dirr ist am 27. August gestorben.
Reinhard Dirr ist am 27. August gestorben. (Foto: Franz Xaver Fuchs)

Der Starnberger Kommunalpolitiker und VdK-Kreisvorsitzende wurde 75 Jahre alt.

Von Peter Haacke, Starnberg

Selten genug findet man Menschen, mit denen man konstruktiv streiten kann. Für Reinhard Dirr, anfangs Sozialdemokrat, später auch in der UWG, war die Freude an der Auseinandersetzung nie ein Problem: „Mehr Mut zum Streiten im positiven Sinn“ forderte er als Starnberger SPD-Ortsvorsitzender schon 1981. Eine Maxime, der er stets treu blieb – im Stadtrat (1984 – 2008) ebenso wie als Mitglied des Kreistags (1990 – 2008). Und oft genug blieb er standhaft bei seiner Meinung.

„Er hat sich nie verbogen“, sagt seine erste Ehefrau Friederike Kahlau. Als „fleißig, aufrecht und zuverlässig“ beschreiben ihn Weggefährten wie Altbürgermeister Ferdinand Pfaffinger. „Ein feiner Mensch und intellektuell glänzender Kopf“, sagt Otto Gaßner, „einer der besten Stadträte Starnbergs“. Aus anfänglicher Konkurrenz – Dirr war in den Siebzigerjahren Juso, Gaßner vertrat die JU – erwuchs eine lebenslange Freundschaft.

Nach seinem Rückzug aus der Kommunalpolitik übernahm Dirr 2013 den VdK-Ortsvorsitz, 2022 wurde er Kreisvorsitzender. Neben seinem Engagement als Chef des Seniorenbeirats (seit 2016) kümmerte er sich um Kinder mit schulischen Problemen ebenso aufopfernd wie um Sterbende im Hospiz. Die Stadt Starnberg verlieh ihm 2023 die Bürgermedaille. Der Gymnasiallehrer (Deutsch, Geschichte, Sozialkunde) aus katholisch geprägtem Elternhaus wurde 1973 Chef der „Jungen Mannschaft“, 1975 Leiter des SPD-Arbeitskreises für Kommunalpolitik, 1978 bis 1982 SPD-Ortsvorsitzender.

In der politischen Auseinandersetzung brachte der begeisterte Bergwanderer und Radfahrer die jeweiligen Angelegenheiten stets auf den Punkt, gern auch in der erforderlichen Schärfe. Oft würzte er seine zuweilen lehrerhaft anmutenden Auftritte auch mit feinem, hintersinnigem Humor, der sich freilich nicht jedem erschloss. Als es im Stadtrat 2007 beim Thema „Seeanbindung“ – eine bis heute unerledigte Angelegenheit – mal wieder hoch herging, sagte Dirr, seinerzeit Kulturreferent: „Das Problem in Starnberg ist, dass die Armleuchteralgen im Zuge ihrer Evolution offenbar an Land gegangen sind.“

Der Umgang mit ihm war nicht immer leicht, aber stets belebend. Als Freigeist ließ sich Dirr auf unterschiedlichste Charaktere ein, Kontrahenten nahm er mit ruhiger, überlegter Art den Wind aus den Segeln. Am 27. August ist Reinhard Dirr nun nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben; er wurde 75 Jahre alt. Er war zweimal verheiratet, er hinterlässt eine Tochter und drei Enkelkinder. Trauerfeier und Beisetzung sind in Augsburg geplant, der Termin wird noch bekanntgegeben.

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