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Amtsgericht Starnberg:Versicherungsmakler prellt Anleger um 758.000 Euro

Der Gilchinger versprach seinen Kunden Zinsen von bis zu neun Prozent. Der 63-Jährige muss einen Teil des Geldes zurückzahlen, sonst muss er ins Gefängnis.

Mit Darlehensgeschäften hat ein Gilchinger Versicherungsmakler mehrere Anleger um ihr Vermögen gebracht. Laut Anklage der Staatsanwaltschaft beläuft sich der Schaden auf 758 000 Euro. Der 63-Jährige wurde am Mittwoch vom Schöffengericht in Starnberg wegen erwerbsmäßigen Betrugs in acht Fällen zu einer zweijährigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Der Angeklagte hatte die Taten gestanden. Wie es in der Urteilsbegründung hieß, hatte er das Geld für Geschäfte, seinen Lebensunterhalt und die Tilgung von Schulden verwendet. Er muss den geprellten Kreditgebern innerhalb eines Jahres insgesamt 400 000 Euro zurückzahlen, sonst droht ihm die Haft.

Der Angeklagte hatte den Anlegern den Ermittlungen zufolge hohe Renditen und jährliche Zinsen von bis zu neun Prozent versprochen. Fast 290 000 Euro investierte ein Gläubiger als stiller Gesellschafter in die Firma des Angeklagten , die mit lukrativen Finanzkonzepten warb. Andere Anleger überwiesen dem Versicherungsmakler und gelernten Bankkaufmann 127 000, 100 000 oder auch 46 000 Euro, immer in dem Glauben, dass sie das Geld sicher und hoch verzinst angelegt hätten und das Darlehen, wie vertraglich vereinbart, nach einigen Jahren zurück erhalten würden. Das stellte sich jedoch als Trugschluss heraus, denn die Firma ging vor vier Jahren in Konkurs. Danach wurde der gescheiterte Finanzmakler wegen Insolvenzverschleppung und vorsätzlichen Bankrotts zu einer Geldstrafe verurteilt.

Jetzt ging es aber um ein ganz anderes Kaliber an Vorwürfen. In einem sogenannten Rechtsgespräch haben sich der Verteidiger, die Vertreterin der Staatsanwaltschaft und das Gericht insofern verständigt, dass gegen den Angeklagten keine Vollzugsstrafe verhängt wurde. Er habe immer wieder neue Darlehensverträge abgeschlossen, um damit weiterhin in seine Geschäfte zu investieren und auch finanzielle Löcher zu stopfen, erklärte der Anwalt. Er sprach von einer "Abwärtsspirale" und einem "Strudel, in den der Mann immer mehr geraten" sei. Letztendlich habe sein Mandant das Geld nicht mehr zurückzahlen können. Der nervöse Angeklagte bestätigte diese Erklärung mit einem knappen: "Ja, das stimmt so."

Richterin Christine Conrad folgte in ihrem Urteil dem Strafantrag der Staatsanwältin und verhängte eine Bewährungszeit von vier Jahren. Die Richterin betonte, dass ihrer Ansicht nach der Angeklagte "von Anfang an die Leute über den Tisch ziehen wollte" und sie getäuscht habe. Ihm müsse schon bei der ersten Tat klar gewesen sein, dass die Kredite mit den "hohen unrealistischen Zinssummen nicht funktionieren konnten". Das Gericht will dem Geschäftsmann mit der Bewährungsstrafe die Chance geben, einen Teil der Schulden an die Gläubiger zurückzuzahlen. Zwei der Opfer waren als Zeugen geladen, mussten aber nicht mehr aussagen.

Der Makler gab an, dass er mittlerweile in Italien lebe und bald an einer Schweizer Aktiengesellschaft beteiligt sei, die mit Immobilien zu tun habe. Viel mehr sagte der 63-Jährige im Prozess nicht.