Die schönsten Weihnachtsgeschenke könnten in diesem Jahr aus einem Laden kommen, der noch gar nicht eröffnet wurde: Aus einem geplanten vorweihnachtlichen Pop-Up-Store im Starnberger Kino Breitwand ist jetzt zwar nur ein Schaufenster geworden, in dem Kreative aus dem Fünfseenland Handwerkliches und Kunsthandwerkliches präsentieren können - aber natürlich kann man die hübschen Dinge in den jeweiligen Ateliers, Werkstätten oder übers Internet kaufen.

Für Petra Brüderl und die beteiligten Künstler waren die vergangenen Tage eine Hängepartie. Weil Kultureinrichtungen wegen der Corona-Pandemie seit Wochen geschlossen sind, Kunst und Kunsthandwerk aber in Galerien und kommerziellen Ausstellungen verkauft werden darf, hatte die Leiterin des Kulturreferats der Stadt Starnberg zusammen mit einem kleinen Team innerhalb von nur drei Wochen einen Interimsladen auf die Beine gestellt: Matthias Helwig stellte sein Kino zur Verfügung, in dem er derzeit keine Filme zeigen darf. Der Schreiner Stephan Huber und der Kunstschmied Jörg Euteneuer gestalteten eine improvisierte "Ladeneinrichtung", Tom Lugo zeichnete ein Plakat und Dorien Meima-Schmid, die professionell Pop-Up-Stores und Start-Ups betreut, sorgte zusammen mit Petra Brüderl für die Organisation. Bis zuletzt war jedoch nicht klar, ob der Pop-Up-Store auch wirklich seine Türen öffnen würde oder ob alle Vorbereitungen umsonst waren - einen Tag vor dem geplanten Termin am vergangenen Wochenende wurde die Eröffnung auf Januar verschoben.

Schon jetzt aber sind in den Fenstern zur Wittelsbacherstraße die bezaubernd filigranen Papierarbeiten zu sehen, die Anna Maria Bellmann in ihrem Atelier in Holzhausen mit Hilfe eines Skalpells fertigt: Die weißen Papiersterne sind jetzt eine perfekte Weihnachtsdekoration und können sich danach in kleine Sonnen verwandeln, auch die vielfach durchbrochenen kleinen Windlichter passen das ganze Jahr über auf den Tisch.Von noch größerem praktischen Nutzen sind die handgeschmiedeten Pfannen und die witzigen Topfuntersetzer "mit Socken" aus der Werkstatt von Jörg Euteneuer. Das schöne, ebenfalls handgemachte Kochwerkzeug aus Holz und die ungewöhnlichen Gewürzmühlen, die laut Beschreibung "alles mahlen, was nicht bei drei aufm Baum ist", kommen aus der Schreinerei "astreinhochzwei" von Stephan Huber.

Kunstvoll hingegen sind die minimalistischen Fotoarbeiten der Grafikdesignerin Gesine Dorschner aus Herrsching, die aus Lindenholz geschnitzten Figuren von Menschen und Tieren der Bildhauerin Katharina Haebler und die Skulpturen von Franziska Ghirardi. Die Bildhauerin Ghirardi hatte im Innern des geplanten Pop-Up-Stores bereits ein Figurenensembles aus Bronze mit dem Titel "Fühlt sich wie Sommer an" installiert. Die Illustratorin Anna Schäfer aus Weßling hat das Schaufenster mit hübschen Glückwunschkarten bestückt und der Starnberger Grafiker Matthias Schilling zeigt seine "Corona-Zeichnungen". Weitere Exponate kommen von Moni Roll und Stefanie Pietsch.
Der Pop-Up-Store im Foyer des Starnberger Kinos ist eine Initiative der Stadt Starnberg, mit der "Künstler, Kreative und Selbstständige im produzierenden (Kunst-)Gewerbe nachhaltig und längerfristig unterstützt werden und eine Perspektive für das kommende Jahr bekommen" sollen, so die Pressemitteilung. Weitere ähnliche Projekte sollen folgen, erläutert Petra Brüderl: Pop-Up-Stores könnten in leer stehenden Geschäften, aber auch in den Liegenschaften der Stadt eröffnet werden und die Möglichkeit bieten, konkrete Gründungsideen unter realen Bedingungen zu testen, ohne sich an einen mehrjährigen Mietvertrag binden zu müssen. Kleinunternehmer können bei gemeinsamen Ladennutzungen ihre eigenen Produkte mit denen anderer Anbietern verknüpfen und sich so gegenseitig unterstützen. Nicht zuletzt aber geht es um Standortförderung und Öffentlichkeitsarbeit: Man erhofft sich, so heißt es von Seiten der Stadt, von solchen kreativen "Zwischennutzungen" eine Belebung der Innenstadt und spannende Einkaufserlebnisse für die Bürger.
Wer an einer Teilnahme in einem Pop-up-Store im nächsten Jahr interessiert ist, kann sich bei der Stadt Starnberg mit einem kurzen Portfolio per E-Mail unter standortfoerderung@starnberg.de registrieren lassen. Mit dem Pilotprojekt werden gleichzeitig Eigentümer gesucht, die ihre leer stehenden Räumlichkeiten zur Verfügung stellen wollen.