Kriminalität und Verkehr Starnberg wird noch sicherer

Weniger Einbrüche, weniger Unfälle: Die Polizei ist zufrieden mit der Bilanz des vergangenen Jahres. Doch die Zahl der Verletzten erreicht einen traurigen Rekord.

Von Peter Haacke

Etwas weniger Straftaten, mehr gefasste Täter, aber auch mehr Unfälle in Starnberg wie im übrigen Landkreis. Polizeichef Bernd Matuschek und seine zuständigen Beamten Fritz Kaiser (Ermittlungsdienst), Oliver Jauch (Verkehr) und Kai Motschmann (Einsatz) haben am Donnerstag die Bilanz der Starnberger Inspektion für 2018 vorgestellt. Ihr Einsatzbereich umfasst mit 221 Quadratkilometern - inklusive Starnberger See - und 51 400 Einwohnern in Starnberg, Tutzing, Berg, Pöcking und Feldafing fast die Hälfte des Landkreises. Hier verzeichnete die Polizei 2018 insgesamt 6973 Einsätze. Von 2154 Straftaten - 112 Fälle weniger als 2017 - konnten 1314 geklärt werden. Mit der Entwicklung "grundsätzlich zufrieden" zeigte sich Kaiser vor allem aufgrund sinkender Zahlen bei Wohnungseinbrüchen, die 2018 auf zehn (2017: 27) zurückgingen. Dies habe zwei Ursachen: "Die Leute sind sensibler geworden und sie rüsten auf."

Doch es gibt auch weiterhin Problembereiche. Dazu gehören etwa Betrugsfälle per Internet oder Telefon, bei denen die Opfer - überwiegend ältere Menschen - stets zu gutgläubig sind und unbekannten Personen persönliche Daten, Pins oder Bankkonten mitteilen. Auf konstantem Niveau blieb die Kinder- und Jugendkriminalität - zumeist Diebstahl und Körperverletzung -, die weitaus meisten der insgesamt 1085 Tatverdächtigen sind Erwachsene (878).

Die Straftaten 2018 in den Gemeinden

Starnberg (23 339 Einw.):

1312 Straftaten (-5 Prozent im Vergleich zu 2017)

62 Prozent Aufklärungsquote (+5 Prozent im Vergleich zu 2017)

Tutzing (9941 Einw.):

348 Straftaten (-7 Prozent im Vergleich zu 2017)

68 Prozent Aufklärungsquote (+18 Prozent im Vergleich zu 2017)

Berg (8218 Einw.):

242 Straftaten (+9 Prozent im Vergleich zu 2017)

55 Prozent Aufklärungsquote (+8 Prozent im Vergleich zu 2017)

Pöcking (5653 Einw.):

144 Straftaten (-2 Prozent im Vergleich zu 2017)

54 Prozent Aufklärungsquote (-17 Prozent im Vergleich zu 2017)

Feldafing (4269 Einw.):

108 Straftaten (-22 Prozent im Vergleich zu 2017)

53 Prozent Aufklärungsquote (+14 Prozent im Vergleich zu 2017)

Landkreis Starnberg (135 910 Einw.):

4941 Straftaten (-1 Prozent im Vergleich zu 2017)

61 Prozent Aufklärungsquote (+2 Prozent im Vergleich zu 2017)

Auffällig bei Jugendlichen sind Straftaten unter Alkoholeinfluss und Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, meist wegen Cannabis. Für 2019 erwartet die Inspektion höhere Zahlen durch den Einsatz von zwei Zivilbeamten, die seit März im Einsatz sind. Die Unterscheidung nach Nationalitäten bei Tatverdächtigen entspricht den Zahlen von 2017 (62,2 Prozent Deutsche; 37,8 Ausländer). Die Summe der Sachschäden sank erheblich auf 872 227 Euro, nachdem ein Graffiti-Sprayer gefasst wurde. "Am sichersten in Bayern", sagte Kaiser, "lebt es sich in Feldafing."

Im gesamten Landkreis ging die Zahl der Delikte auf 4941 zurück. Das entspricht einer Kriminalitätsbelastung von 3645 pro 100 000 Einwohner, die etwas höher als in den Nachbarlandkreisen, aber bei weitem nicht so hoch wie in München ausfällt. Auch die Aufklärungsquote ist im Vergleich mit anderen Regionen mit 61 Prozent eher niedrig.

Starnberger See Erste Autos auf Seepromenade abgeschleppt
Frühlingswetter am Starnberger See

Erste Autos auf Seepromenade abgeschleppt

Ein vermeintlich schlauer Fahrer hat versucht, die Polizei mit einem alten Knöllchen zu täuschen - und muss nun doppelt zahlen.

Verkehrsexperte Jauch konstatierte auf den Straßen rund um Starnberg "keine signifikanten Häufungen" an Unfällen. Zwar gab es 2018 mit 1907 Unfällen (2017: 1792) einen Zuwachs, doch ausschlaggebend dafür seien "viele kleine Unfälle innerorts" gewesen, wo es 1468 Mal krachte. Neuer trauriger Rekord mit Blick auf die letzten zehn Jahre sind 283 Verletzte, dafür war 2018 nur ein Todesfall im Bereich der Inspektion zu beklagen: Ein Motorradfahrer starb in Traubing, nachdem ihm die Vorfahrt genommen worden war.

Auffällig: Radfahrer nehmen in der Statistik mit 109 Verletzten den Spitzenplatz ein vor Autoinsassen (98), Motorradfahrern (44) und Fußgängern (28). Jauch führt diese deutliche Steigerung auf den vermehrten Einsatz von Pedelecs zurück, die ein Viertel aller Fahrradunfälle verursachten. Allgemein häufigste Unfallursachen sind Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren (434) sowie ungenügender Seitenabstand (420). Bei schweren Unfällen ist die falsche Straßenbenutzung - etwa durch Nichtbeachten des Rechtsfahrgebots - häufigste Ursache (11), dahinter folgen Nichtbeachten der Vorfahrt (7) und Fehler beim Abbiegen oder Wenden (6).

Kai Motschmann bei einer Kontrollfahrt auf dem Polizeiboot.

(Foto: Georgine Treybal)

Leicht gestiegen sind 2018 die Unfälle aufgrund überhöhter Geschwindigkeit und Fahrten unter Alkoholeinfluss; betrachtet man den Zeitraum über zehn Jahre, ist die Tendenz jedoch leicht sinkend. Als "Volkssport" bezeichnete Jauch das unerlaubte Entfernen vom Unfallort mit 468 Fällen, von denen 181 geklärt werden konnten. Erfreulich ist die leicht sinkende Unfalltendenz bei Fahranfängern (118 Unfälle), im Gegensatz zu weiter steigenden Zahlen bei Senioren (230), die in 70 Prozent der Fälle auch Verursacher waren.

Die Wasserschutzpolizei beschäftigten 2018 drei schwere und ein tödlicher Tauchunfall sowie insgesamt 231 Sportbootkontrollen. Ansonsten freut man sich auf die Rückkehr des renovierten Polizeibootes, das ab Mitte April wieder im Einsatz ist.

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