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Sexueller Missbrauch:Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Polizisten aus Tutzing

Starnberg, Starnberger See, Polizeischiff

Tatort Polizeiboot: Der Hauptkommissar war auch Bootsführer.

(Foto: Georgine Treybal)

Der frühere Beamte der Starnberger Inspektion soll Kindern und Jugendlichen gegenüber zudringlich geworden sein - unter anderem auf dem Polizeiboot.

Wegen sexueller Nötigung, Missbrauchs von Kindern, Jugendlichen und Schutzbefohlenen ist nun gegen einen 59-jährigen Polizisten aus Tutzing vor dem Landgericht München II Anklage erhoben worden. Dies bestätigte am Montag der Verteidiger des Familienvaters. Der Beamte war am 15. März nach konkreten Hinweisen von mutmaßlichen Opfern verhaftet worden. Die Anklageschrift umfasst 28 Seiten.

Dem inzwischen suspendierten Polizisten wird auch der Besitz von kinder- und jugendpornografischen Schriften vorgeworfen. Er soll sich die Bilder und Videos verschafft, sie heruntergeladen und verbreitet haben. Die erste Tat, die angeklagt ist, hat sich angeblich vor 18 Jahren abgespielt. Als Zeugen sollen fünf mögliche Opfer vor Gericht aussagen. Der Angeklagte muss mit einer mehrjährigen Haftstrafe rechnen, der Prozess wird voraussichtlich noch heuer stattfinden.

Der Tutzinger ist seinem Anwalt zufolge weitgehend geständig

Der Ex-Hauptkommissar, der sich in U-Haft befindet, hatte fast 20 Jahre der Starnberger Inspektion angehört. Dort war er auch als Bootsführer eingesetzt. Er soll sich auf einer Patrouillenfahrt auf dem Starnberger See an einem Schüler-Praktikanten vergangen haben. Weitere sexuelle Übergriffe sollen bei einem Törn mit einem geliehenen Segelboot auf dem selben See, im Schulungsraum der Tutzinger Feuerwehr und in einem Ferienhaus eines Jugendlichen geschehen sein. Betroffen sind nur männliche Personen, darunter laut Staatsanwaltschaft auch ein zur Tatzeit 13-jähriger Junge.

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Die Ermittler des Landeskriminalamtes hatten Computer und Handy des verdächtigen Polizisten komplett ausgewertet und dabei laut Münchner Staatsanwaltschaft 81 kinder- und 39 jugendpornografische Fotos und Videos entdeckt. Der 59-Jährige, der auch langjähriger Vorsitzender des Tutzinger Feuerwehrvereins war, ist laut Anwalt weitgehend geständig. Er habe sich bei seinen Opfern entschuldigt - genauso wie bei seinem Nachfolger im Feuerwehrverein, Boris Wolff. Eine Haftbeschwerde des Polizisten wurde dennoch vor einigen Wochen abgelehnt.

Die Verhaftung hat in Tutzing einen Schock ausgelöst

Die Ermittlungen gegen den Beamten hatte die Strafanzeige einer Rechtsanwältin aus Augsburg am 21. Februar dieses Jahres ausgelöst. Ihr Mandant beschuldigt den Tutzinger, dass er sich an ihm vor mehr als 15 Jahren sexuell vergriffen habe. Der Junge war damals bei der Jugendfeuerwehr. Danach verfolgte die Kripo weitere Verdachtsfälle: Denn wenig später teilte ein Vater der Polizei mit, dass sein Sohn auf der Starnberger Wache während eines Praktikums einen Beamten kennengelernt habe, der dem Schüler danach pornografische Fotos und Filme geschickt haben soll.

Die Verhaftung des Polizisten löste bei der Feuerwehr und in den Vereinen in Tutzing, in denen der Mann sehr engagiert und offenbar beliebt war, einen Schock aus. Experten informierten in zwei Veranstaltungen über Präventionsmöglichkeiten bei sexuellem Missbrauch.

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