Mit insgesamt 2418 Straftaten und einer Schadenssumme von fast 3,5 Millionen Euro hatten im vergangenen Jahr die Beamten der Polizeiinspektion Starnberg zu tun. Aufgeklärt wurden 1674 Fälle, womit die Aufklärungsquote im Vergleich zum Vorjahr um sieben Punkte auf 69 Prozent verbessert werden konnte. Die Zahl der Delikte stieg zwar insgesamt um 370 Fälle gestiegen, dies sei jedoch auf die etwa 700 mutmaßlich gestohlenen Pakete und Päckchen zurückzuführen, die bei einem Pöckinger entdeckt worden waren, erläutert Starnbergs Polizeichef Bernd Matuschek die Kriminalitätsbilanz für 2020 in seinem Dienstbereich. Dieser umfasst nicht nur Starnberg, sondern auch die Gemeinden Berg, Pöcking, Feldafing und Tutzing.
Das schlimmste Verbrechen hat sich in der Nacht zum 11. Januar in einem Einfamilienhaus in Starnberg abgespielt: Ein 19-jähriger Olchinger soll dort seinen 21-jährigen Freund und dessen Eltern erschossen haben. Laut Staatsanwaltschaft gibt es auch einen damals 18 Jahre alten Mittäter aus Starnberg - gegen die inhaftierten jungen Männer wurde vor Kurzem Anklage erhoben. Zudem war am 26. Mai ein Autofahrer in Pöcking in eine Fußgängergruppe gerast, er muss sich derzeit wegen fünffachen Mordversuchs und gefährlicher Körperverletzung vor dem Landgericht München II verantworten. Das Urteil soll am Dienstag gesprochen werden.

Prozess um Attacke in Pöcking:Wie eine "Leibeigene" behandelt
Andreas G. rast im Mai 2020 mit dem Auto auf fünf Menschen zu, mehrere werden verletzt. Beim Prozess wird ihm vorgeworfen, er habe seine damalige Lebensgefährtin und deren Kind aus Rache töten wollen. In der Beziehung soll er sie zwanghaft kontrolliert haben.
Im ganzen Jahr wurden 1038 Tatverdächtigen ermittelt, darunter 80 Personen zwischen 18 und 21 Jahren sowie 106 Jugendliche und 19 Kinder. Trotz Corona-Ausgangssperren ereigneten sich 36 Einbrüche, somit 14 mehr als 2019. Allerdings habe sich die Pandemie vor allem auf die Straßenkriminalität ausgewirkt, berichtet Matuschek. Diese sei um 22 auf 299 Fälle gesunken. Bei der einfachen Körperverletzung gab es 159 Anzeigen, im Jahr zuvor noch 198. Die Zahl der mutwillig beschädigten Fahrzeugen verminderte sich von 111 auf 87 Fälle. Zudem wurden 62 gefährliche und schwere Körperverletzungen sowie sieben Raubdelikte gemeldet, was laut Statistik in etwa dem Niveau von 2019 entspricht.
Nahezu konstant blieben die Zahlen bei Ladendiebstählen (61), Sachbeschädigungen (257) und Betrugsfällen (248); die Rauschgiftdelikte gingen aber laut Polizei von 111 auf 89 Delikte zurück. Bei den Betrugstaten handelt es sich überwiegend um bezahlte, aber nicht gelieferte Waren im Internet und betrügerische Callcenter-Anrufe. Hierbei warnen falsche Polizisten vor angeblichen Einbrecherbanden, setzen ihre Opfer massiv unter Druck und zocken sie dann mit einem Geldabholer ab.
Zudem gebe es immer noch Enkeltrickmasche und "Schockanrufe", die ebenso vor allem auf Senioren abzielten, so Matuschek. Der Polizeirat warnt auch vor falschen Microsoft-Mitarbeitern und vermeintlichen Wohnungsangeboten im Internet, bei denen eine Kaution als Vorleistung für eine Zusendung des Haustürschlüssels zur Besichtigung kassiert werde - aber der Geldbetrag von oft 2500 bis 3000 Euro auf ausländischen Konten verschwindet. Im Visier haben Matuschek und seine Beamten auch den Bereich der Häuslichen Gewalt, die im Vorjahr mit 68 Fällen deutlich angestiegen sei. Das dürfte auch mit der Corona-Krise zusammenhängen, vermutet der Starnberger Polizeichef.
Im gesamten Landkreis Starnberg sind im vergangenen Jahr 5161 Straftaten registriert worden, wobei die Aufklärungsquote bei 66 Prozent liegt, wie das Polizeipräsidium Oberbayern Nord in seiner Bilanz mitteilt.

