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Installation in Starnberg:Leise Kritik am schrillen Bauwerk

Tutzing, Deutschland 03. Mai 2021: Künstler Andreas Sarow hat in Tutzing im Landkreis Starnberg in Oberbayern eine neue

Die "Wiege von Starnberg" ist Stadtgespräch - auch wenn die Stufen bislang gesperrt sind.

(Foto: Wagner/Imago)

Die "Wiege von Starnberg" löst Diskussionen aus. Sie verstellt den Blick auf den eigentlichen Ursprung der Stadt - findet etwa der Leiter des benachbarten Museums.

Von Katja Sebald

Ist "Die Wiege von Starnberg" eine Bereicherung für die Stadt? Hält sie, was sie verspricht? Das temporäre Bauwerk an der Bahnhofstraße ist jedenfalls Stadtgespräch. Bei einer Video-Diskussion über Zwischennutzungen am Dienstag waren neben den Initiatoren - der Starnberger Projektentwickler Michael Ehret und der Pforzheimer Künstler Andreas Sarow - auch Petra Brüderl vom Kulturbüro der Stadt und Benjamin Tillig, Leiter des benachbarten Museums Starnberger See, eingeladen. Und sie übten leise Kritik an dem schrillen Bauwerk.

Die Veranstaltung "Raum für Kunst & Kultur: Kreative Zwischennutzung gegen innerstädtische Verödung" fand auf Einladung des bundesweiten Netzwerks "Die Stadtretter" statt. Konkret ging es nur um das Objekt "Die Wiege von Starnberg". Während Ehret und Sarow lange und mit Begeisterung von der Zugehörigkeit zum Museumsareal und der großen Bedeutung für die Belebung der Innenstadt sprachen, äußerten sich die beiden Vertreter der Stadt eher zurückhaltend. Brüderl gab zu bedenken, dass sich das Zentrum von Starnberg eigentlich an anderer Stelle befinde und dass man dort bereits sehr aktiv in Sachen Innenstadtbelebung und Zwischennutzung sei.

Starnberg: Kunstaktion ' Ins Wasser gefallen '

Mit gewisser Skepsis sieht Kulturbüroleiterin Petra Brüderl das Werk.

(Foto: Nila Thiel)

Tillig betonte, dass es sich um ein Grundstück in privatem Eigentum handele, das nach dem Event marktwirtschaftlich verwertet werde. Das sei etwas ganz anderes als das Museum nebenan, das den Starnbergern gehöre und andere Gestaltungsfreiräume biete. Nicht zuletzt verwies er darauf, dass die "Wiege von Starnberg" den Blick auf das dahinterliegende geschichtsträchtige Areal mit den Fundamenten der ersten Starnberger Kirche und dem ältesten Fischerhaus komplett verstellt: "Es ist sehr schade, dass man das Lochmann-Haus gar nicht mehr sieht."

Der Leiter hatte bereits vor einigen Tagen für den neue Podcast des Museums ein Interview mit Sarow geführt und ihn zu seinen Intentionen befragt: Er wolle den Bewohnern Starnbergs ihre Identität und Lebensqualität zurückgeben, sagte der Künstler. Tillig sah das anders: Er sei sehr skeptisch, inwieweit das pinkfarbige Objekt den Starnbergern helfen könne, sich an ihre Geschichte zu erinnern.

Benjamin Tillig im Museum Starnberger See, 2019

Auch Museumsleiter Benjamin Tillig hat Bedenken, denn das Lochmann-Haus, das älteste Fischerhaus in der Region, ist kaum noch zu sehen.

(Foto: Georgine Treybal)

Vor dem Hintergrund der Kritik an dem monströs großen Objekt in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Siedlungsursprüngen Starnbergs wirkte der "Webtalk" eher wie eine Marketingveranstaltung als eine Diskussion. In den vergangenen Wochen war auf dem Grundstück eine zehn Meter hohe tribünenartige Holzkonstruktion errichtet worden. Die eigentlich begehbare "Großskulptur", die eineinhalb Jahre stehen bleiben soll, wurde Ende April offiziell eingeweiht, wegen der immer noch ausstehenden Baugenehmigung durch das Landratsamt Starnberg ist sie jedoch bis jetzt mit einem Zaun abgesperrt. Der Bauantrag sei inzwischen gestellt worden, erläuterte Ehret, er erwarte die Genehmigung in den nächsten Tagen.

Mit der Verknüpfung von Kunst und Projektentwicklung wolle er wertvolle Synergien schaffen. In den kommenden Monaten sollen weitere Künstler eingeladen werden und das Objekt, das "Bühne, Laufsteg und Picknickzone" sein soll, mit verschiedenen Aktionen belebt werden: "Wir wollen zulassen, das Kreativität entsteht." Schon jetzt könne das Grundstück "seine Begabung zeigen": Es sei dank der Hausskulptur der einzige Ort in Starnberg, von dem aus man auf den See schauen könne.

Für die zukünftige Bebauung plant er Durchgänge zum dahinter liegenden Museum, vor allem aber eine öffentlich zugängliche "zweite Ebene" über dem Erdgeschoss, die diesen Blick auf den See weiterhin ermöglicht. Immerhin: Die Fassade des Neubaus werde keinesfalls magentafarben gestrichen, versprach er.

Andreas Sarow war selbst ursprünglich in der Immobilienbranche tätig und begann seine Karriere als Künstler 2015 mit einer denkmalgeschützten Villa, die er erst kaufte, um sie dann ohne behördliche Genehmigung komplett mattschwarz anzustreichen. Auch in Starnberg trat er bereits 2019 in Erscheinung, als er ein Haus an der Hauptstraße vor dem Abriss mit Kanonenrohren in den Dachfenstern versah und das Ganze "Die letzte Bastion" nannte.

Den Museums-Podcast mit Andreas Sarow finden Sie hier.

© SZ vom 14.05.2021
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