bedeckt München 18°

Spitzensport in Starnberg:Heimat der Springpferde

Die Reitanlage im Süden des Ortsteils Hadorf soll erweitert werden.

(Foto: Kühner/oh)

Der erfolgreiche Reiter Max Kühner will seine Anlage in Hadorf zum Trainingscenter ausbauen. Doch die Stadträte stellen sich quer.

Von Peter Haacke

Einem alten Sprichwort zufolge liegt das Glück dieser Erde auf dem Rücken der Pferde. Den Starnberger Stadträten aber wurde es in der Sitzung des Bauausschusses am Donnerstag etwas mulmig vor lauter Glück angesichts der Erweiterungspläne für einen Reiterhof an der Verbindungsstraße zwischen Perchting und Hadorf. Der international erfolgreiche Springreiter und Unternehmer Max Kühner will die bestehende Anlage erheblich erweitern: Geplant sind unter anderem der Bau einer 95 Meter langen Reithalle mit verglastem Preisrichterturm, Stallungen, Mitarbeiterwohnungen und weitere Betriebsgebäude. Es wäre das größte Sportpferdezentrum der Region und eines der wenigen Leistungszentren für Springpferde. Doch die Begeisterung hielt sich in Grenzen, das Gremium lehnte den Bauantrag ab. Auf lange Sicht aber wird man das Vorhaben nicht verhindern können.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich der Stadtrat erfolglos gegen Erweiterungen oder Neubauten von Reitsportanlagen stemmt. "Wir hatten in den letzten Jahren öfter solche Fälle", sagte Stadtbaumeister Stephan Weinl am Donnerstag. Länger gediente Stadträte fühlten sich dabei schmerzlich erinnert an den Neubau einer Anlage in Percha oder die Reithalle in Leutstetten. Und nun also Hadorf: Laut Weinl werde die geplante Erweiterung der Anlage eine "massive Änderung des Landschaftsbildes" zur Folge haben, gegen die man aufgrund der bestehenden Gesetzeslage aber kaum etwas unternehmen könne.

Reitet seit 2015 für Österreich: Der Münchner Max Kühner ist der beste Springreiter der Alpenrepublik. Er möchte seinen Reiterhof im Starnberger Ortsteil Hadorf zu einem Trainingscenter auf internationalem Niveau ausbauen.

(Foto: Kühner/oh)

Grund für diese politische Machtlosigkeit ist laut Baugesetzbuch eine Privilegierung von Vorhaben im Außenbereich, sofern sie einem land- oder forstwirtschaftlichen Zweck dienen. Und dazu gehören eben auch Reitsportanlagen und Pferdezuchtbetriebe. Weinl empfahl, die Zustimmung wegen ungeklärter Fragen zu Erschließung und Löschwasserbedarf vorerst zu verweigern. Sobald jedoch die Bestätigung der Privilegierung durch das Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten vorliegt, "wird man das Einvernehmen erteilen müssen". Die Reitanlage in ihren geplanten Dimensionen werde geradezu "industriehaften Charakter" haben.

Angesichts dieser Perspektiven "blutet mir das Herz", sagte Franz Sengl (Grüne). Seiner Erfahrung nach werde die Privilegierung in jedem Fall erteilt, zumal die "Verschandelung der Landschaft" Freistaat und Landwirtschaftsamt "völlig gleichgültig" seien. Ludwig Jägerhuber (CSU) erinnerte daran, dass der Reiterhof neben dem Golfplatz bereits in den 90er-Jahren umstritten war, Otto Gaßner (UWG) konstatierte, die Erweiterung sei "ein anschauliches Beispiel für den Strukturwandel in der Landwirtschaft hin zur Freizeitgesellschaft". Christiane Falk (SPD) empfand die Erweiterungen als "unglaublich massiv". Einhellig votierte das Gremium daher für Bauleitplanung und Bebauungsplan.

Gespräch und einer einvernehmlichen Lösung ist der 46-jährige Max Kühner indes nicht abgeneigt. Der Unternehmer und Springreiter, der 2015 aus sportlichen Gründen die österreichische Staatsbürgerschaft annahm und seither für Österreich reitet, wechselte 2010 mit seiner Firma "MK Sporthorses" auf den Pferdehof in Hadorf. Im Fokus stehen Zucht und Ausbildung hochwertiger Pferde, die weltweit gefragt sind. Seine Ehefrau widmet sich der Dressur. Zweites Standbein ist eine Leasinggesellschaft für Pferdetransporter. Die Expansion begründet Kühner mit eklatantem Platzmangel: Von rund 60 Pferden kann er nur 20 in eigenen Boxen unterbringen. Die Reithalle ist zu klein, und "wir brauchen eine Produktionsstätte", sagt Kühner, aktuell Nummer 24 der Weltrangliste.

Derzeit beschäftigt er zwölf Angestellte und 20 Freiberufler, nach der Erweiterung sollen zehn Wohnungen und 20 Arbeitsplätze hinzukommen. Er sieht in der Investition im zweistelligen Millionenbereich "eine Bereicherung für den Standort". Das Trainingscenter für Springpferde sei kein Pensions- oder Einstellstall, sondern für "erstklassige Kundschaft" im Spitzensport auf höchstem Niveau. "Man muss sich zusammensetzen", sagt Kühner. "Wenn das nicht erwünscht ist, dann sind wir auch wieder weg."

© SZ vom 29.09.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite