Einmal im Leben Prinzessin oder Prinz zu sein, das war lange Zeit für viele Menschen ein Traum. Doch die Zeiten haben sich offenbar geändert. Die Starnberger Faschingsgesellschaft Perchalla ist noch immer auf der Suche nach einem Erwachsenenprinzenpaar für die Faschingssaison 2025/26. Die SZ fragte bei Perchalla-Sprecherin Melanie Riedl nach, warum es derzeit schwierig ist, Bewerber zu finden.
SZ: Frau Riedl, offenbar sind die Zeiten, an denen man bei der Prinzenpaarsuche die freie Auswahl hatte, vorbei. Woran liegt das?
Melanie Riedl: Leider findet der Fasching als Brauchtumspflege immer weniger Beachtung. Viele wissen gar nicht, wie cool das sein kann. Die genauen Gründe, woran das liegt, kennen wir nicht. Auf jeden Fall liegt es nicht daran, dass wir keinen Nachwuchs hätten. Aber der Aufwand für Prinzenpaare ist viel zeitintensiver als für Gardemitglieder. Daher wird es zunehmend schwieriger, junge Leute zu finden, weil sie noch in der Ausbildung sind oder in der Schule. Einfacher ist es für Ältere. Wir hatten schon mal ein Prinzenpaar, das Mitte 40 war. Die waren sportlich fit. Aber natürlich sind wir auch offen für junge Erwachsene über 18. Es kommt immer auf den Typ an.
Gab es schon einmal den Fall, dass gar kein Prinzenpaar in Sicht war?
Nein – wir hatten immer jemanden in petto. Und wir hatten immer noch genug Zeit, das Prinzenpaar zu trainieren. Auch im August bleibt noch Zeit, wenn das Training entsprechend intensiviert wird.
Nach welchen Kriterien wählen Sie die Kandidaten aus?
Bei uns gibt es keine Auswahlkriterien. Wir sind einfach froh, wenn sich jemand meldet. Wichtig ist, dass die Kandidaten 18 Jahre alt sind und Spaß daran haben etwas Neues zu erleben. Am Größenunterschied oder an der Persönlichkeit soll es nicht scheitern. Der Spaß steht im Vordergrund. Aber wenn sich ein Paar für die Aufgabe interessiert, sind wir dankbar. Die Garden trainieren normalerweise zwei Mal pro Woche, das Prinzenpaar ein Mal. Wenn es Lust hat, könnte es zusammen mit der Prinzengarde zusätzlich noch für den modernen Teil trainieren. Im Fasching kommen die Auftritte hinzu. Wenn es richtig läuft, mehrere am Tag. Da braucht es auf jeden Fall Disziplin.

Ein Prinzenpaar muss sich seine Kleidung selbst bezahlen - und die Ausstattung ist teuer, da die Kostüme bei der Perchalla maßgeschneidert sind. Ist das ein Kriterium, das viele abschreckt?
In einem bestimmten Maß sind die Kosten schon entscheidend. Kostüme mit viel Tüll und Glitzer können schon mal im drei- bis vierstelligen Euro-Bereich liegen. Aber daran soll es nicht scheitern. Es war noch nie ein Problem, wenn Kandidaten nicht genug Geld hatten oder nicht so viel ausgeben möchten, um die Ausstattung zu finanzieren. Es gibt beispielsweise die Möglichkeit, einen Teil des Kostüms aus dem Fundus zu nehmen und umarbeiten zu lassen, damit es zu den Gardekostümen passt. Auf jeden Fall sollen die Kosten niemanden abschrecken.
Gibt es eine Deadline, bis wann sich Interessierte melden können?
Wir haben keine Fristen. Wir wollen einfach die Leute kennenlernen, die sich interessieren. Wir stehen für alle Fragen zur Verfügung und freuen uns auf jeden.

