Starnberg:Von einem, der auszog, seine Wut zu zeigen

Lesezeit: 3 min

Starnbergs Bürgermeister Patrick Janik redet sich auf der AfD-Gegenveranstaltung in Rage. (Foto: Arlet Ulfers)

Nach der abgebrochenen Bürgerversammlung redet sich Bürgermeister Patrick Janik auf dem "Bunten Volksfest" gegen die AfD in Rage. Beim Publikum kommt das nicht überall gut an: Der Rathauschef erntet Pfiffe für seine Rede.

Von Linus Freymark, Starnberg

Als er von Franz Josef Strauß spricht, kommen die ersten Pfiffe. Klar, der Name der CSU-Legende kommt halt nicht so gut auf einem bunten Stadtfest, das zwar überparteilich sein soll, aber nun mal hauptsächlich von Grünen organisiert worden ist. Auch ansonsten sind einige nicht ganz zufrieden mit dem, was sie da zu hören bekommen. Als er fertig ist, gibt es nur wenig Applaus - und noch mehr Pfiffe als bei der Passage über Strauß.

Freitagabend, kurz vor halb sechs. Starnbergs Bürgermeister Patrick Janik (UWG, SPD, CSU, BLS) hat sich als Redner auf dem Bürgerfest angekündigt, das ein Gegenpol zur AfD-Veranstaltung in der Schlossberghalle sein soll. Für Janik war direkt klar: Er will bei dem Stadtfest sprechen. Wer Janik ein bisschen kennt, der weiß: Sich von den Rechtspopulisten abzugrenzen ist ihm ein wichtiges Anliegen. Er wolle den Kampf gegen die AfD kämpfen, erklärt Janik - und betont, dass diese gemeinsame Aufgabe dafür geeignet ist, Brücken über Parteigrenzen hinweg zu bauen. "Was uns eint, ist der Kampf gegen Rechts", ruft Janik.

Christiane Krinner (Grüne) hatte das "Bunte Volksfest" veranstaltet. (Foto: Arlet Ulfers)

Kurz danach ist es dann aber vorbei mit der Einigkeit. Vielmehr kritisiert Janik die Grünen dafür, dass sie vor fünf Jahren, ebenfalls vor einer Landtagswahl, die "#ausgehetzt-Demonstration" gegen die Politik der CSU mit organisiert hat. Bei Janik scheint diese Wunde noch nicht verheilt zu sein. Und so geht es bei ihm weniger gegen den gemeinsamen Feind am rechten Rand des politischen Spektrums, sondern eher um die Versäumnisse der Grünen. "Wir müssen uns wieder trauen, ehrlich zu sein", erklärt er. Aber klar: Diese Art von Ehrlichkeit gefällt auf einem Fest für die Demokratie und gegen die AfD nicht jedem.

Deshalb die Pfiffe, und ein bisschen die Frage: Wie läuft es gerade so für Patrick Janik? Denn da ist ja schließlich auch noch die Sache vom Vortag.

Den Abbruch der Bürgerversammlung einen Tag zuvor begründet Janik mit Gereiztheit

Am Donnerstagabend nämlich hat Janik die anberaumte Bürgerversammlung nach einer Viertelstunde abgebrochen. Er fühle sich nicht in der Lage, in den sachlichen Dialog mit den Bürgern zu treten. Dafür sei er zu gereizt, hatte Janik erklärt, ohne den genauen Grund für seinen Ärger kundzutun. Und dann hat Janik auch noch das gesagt: Er leide nicht, wie von manchen vermutet, unter Depressionen.

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So etwas heizt die Spekulationen natürlich eher an anstatt sie abzukühlen. Also, Nachfrage beim Bürgermeister, Freitagmittag, wenige Stunden vor Janiks Rede auf dem Kirchplatz: Herr Janik, was war da los am Vorabend? "Ich habe und hatte nie eine Depression." Nichtsdestotrotz: Die vergangenen Wochen seien extrem fordernd und belastend gewesen. Der Grund dafür, weshalb er die Bürgerversammlung abgebrochen hat, sei aber ein anderer gewesen. Er sei wütend gewesen, antwortet Janik, sehr wütend. "Ich war so sauer, dass ich meine Selbstbeherrschung verloren habe." Der Grund für Janiks Ärger vom Donnerstag ist der gleiche wie für seine Rede auf dem Kirchplatz am Freitag: die AfD-Veranstaltung in der Schlossberghalle. Normalerweise tagt Janik dort mit dem Stadtrat - und jetzt spricht ausgerechnet dort AfD-Chef Tino Chrupalla? Für Janik, der immer für mal mehr, mal weniger schiefe Metaphern und Vergleiche zu haben ist, ist das "wie Blasphemie in der Kirche".

Etwa 300 Menschen folgen Janiks Ausführungen und feiern beim "Bunten Volksfest" mit. (Foto: Arlet Ulfers)
"Mütter für Menschlichkeit" steht auf dem Schild, das einige Frauen auf den Kirchplatz mitgebracht haben. (Foto: Arlet Ulfers)

Dass Janik auf der Bürgerversammlung dabei mit Vorwürfen konfrontiert wurde, etwa der Frage, warum die Stadt die Schlossberghalle überhaupt an die AfD vermietet hat, habe ihn ebenfalls geärgert, erklärt Janik am Telefon. Es sei aber ein Fehler gewesen, seine Wut, die sich ausschließlich gegen die AfD richte, an einigen Anwesenden auf der Bürgerversammlung auszulassen. "Das tut mir leid." Janik hat mit dem Abbruch der Bürgerversammlung so manchen verärgert. Gleichzeitig habe er aber auch überwältigende Unterstützung erhalten.

Zurück auf der Bühne, am Freitag, auf dem Bürgerfest. Noch hat Janik den Namen Franz Josef Strauß nicht ausgesprochen, noch gibt es keine Pfiffe. Auch hier kommt Janik noch einmal auf die vielen Nachrichten zu sprechen, die ihn nach dem Abbruch der Bürgerversammlung erreicht haben, der Zuspruch, die Nachfragen nach seinem Gesundheitszustand. Das habe ihn überwältigt, sagt Janik. Und vielleicht ist das, die Sorge über das Wohlergehen des Bürgermeisters, ja auch etwas, das über Parteigrenzen hinweg verbindet.

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