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Open Air in Starnberg:Kino gegen die Krise

Starnberg: Open Air Kino PK Matthias Hellwig und Kurzfilmproduzent Axel Werner

Kinobetreiber und Filmfestivalchef Matthias Helwig (links) und Axel Werner, dessen Kurzfilm das Open Air in Starnberg eröffnet.

(Foto: Nila Thiel)

Am Samstag startet das Open Air im Starnberger Seebad mit 20 Filmen und drei Konzerten - und 1,50 Meter Abstand. Der Macher Matthias Helwig will damit ein Zeichen setzen, dass Kultur den Stillstand überwinden kann.

Von Blanche Mamer

Ein lauer Sommerabend, eine leichte Brise, eine große Leinwand, eine schöne Liegewiese direkt am Starnberger See und pünktlich zur blauen Stunde Freiluftkino: Mehr kann sich der Filmfan wohl kaum wünschen. An diesem Samstag gehen mit dem Start des Open-Air-Kinos am Seebad Starnberg gegen 21 Uhr all diese Träume in Erfüllung. Angenehm entspannte Abende verspricht Kinobetreiber Matthias Helwig den höchstens 350 Zuschauern, die sich pro Abend versammeln dürfen.

Gespielt wird bei jedem Wetter, außer bei Sturm, dann wird ins Kino umgezogen. Der Saal sei ein sicherer Ort, betont Helwig, alle Sicherheitsregeln würden strikt eingehalten. Auch unter freiem Himmel gelten die bekannten Abstandsregeln mit 1,50 Meter zwischen den Sitzen. Mund- und Nasenschutz sind am Eingang und vor den Getränke- und Snack-Ständen Pflicht, auf den Plätzen nicht. Die Karten sollten vorab online gekauft werden, Reservierungen gibt es nicht. Und ja, vielleicht sollten die Filmfans an Mückenspray denken!

Unter dem diesjährigen Motto "Bewegung und Stillstand" haben Helwig und sein Team 20 Filme ausgesucht, die sich mit Bewegung befassen. Dabei sind einige Klassiker wie "Manche mögen's heiß" mit Marylin Monroe, Tony Curtis und Jack Lemmon Samstag, 8. August, "Blues Brothers" mit John Belushi und Dan Aykroyd als neu gemischte Version am 16. August, "Thelma & Louise" mit Susan Sarandon, Geena Davis und Brad Pitt am 18. August und als Abschluss der absolute Kultfilm "Stand by me" von Regisseur Rob Reiner mit River Phoenix und Kiefer Sutherland am 23. August. Es gibt ein Wiedersehen mit Tanz- und Musikfilmen wie "LaLaLand" mit Emma Stone und Ryan Gosling (6. August), "Bohemian Rhapsody" mit Rami Malek als Freddie Mercury (9. August) und zur Eröffnung an diesem Samstag den neuen Dokumentarfilm "Crescendo #Makemusicnotwar" von Dror Zahavi, über die gemeinsamen Proben eines Jugendorchesters von Palästinensern und Israelis. Dazu gibt es einen Vorfilm, das erst im Mai gedrehte dreiminütige Tanzvideo "Come Closer" des Wörthseer Komponisten und Filmemachers Axel Werner.

"Wir wollten ein Zeichen setzen, dass Kultur in der Lage ist, den coronabedingten Stillstand zu überwinden", sagt Helwig und bietet Konzerte zu drei Filmen: Passend zur Billy-Wilder-Komödie am 8. August tritt um 20 Uhr das Trio "Café Voyage" auf, die "Allotria Jazz Band" spielt am 15. August vor "Green Book" und zur Einstimmung auf "Blues Brothers" am 16. August spielen die "Busstop Rokkers" mit dem Gautinger Stefan Berchtold.

Die Ballerina Amélie Lambrichts und David Valencia, Solist am Gärtnerplatztheater, tanzen in dem dreiminütigen Vorfilm zum Open Air.

(Foto: AXW/come-closer.org)
Sehnsucht nach Berührung

Eigentlich hatte der Wörthseer Komponist Axel Werner Klavierstücke für eine Bühnenproduktion für modernes Ballett und Ausdruckstanz entwickelt. Doch coronabedingt konnte das Projekt nicht umgesetzt werden. Allerdings ist nun etwas ganz anderes und viel Besseres entstanden: das dreiminütige Tanzvideo "Come Closer" mit der belgischen Ballerina Amélie Lambrichts und David Valencia, Solist in der Kompanie des Gärtnerplatztheaters, das beim Open-Air-Start in Starnberg am Samstag auf großer Leinwand zu sehen ist. Die Musik der "Blue Hour Suite" ist vom Choreografen Maged Mohamed in eine emotionale Körpersprache übersetzt worden. Ein internationales Künstlerteam hat Musik und Tanz zu einem kurzen Film über die Liebe und große Gefühle verschmolzen. Gedreht wurde bei Nacht auf der Landebahn des verlassenen Flugplatzes des Fliegerhorstes Landsberg in Penzing und im Studio in Wörthsee. "Das Projekt war ein großes Abenteuer", sagt Werner. Die Sehnsucht nach Nähe und Berührung, die in den vergangenen Monaten so schmerzlich vermisst wurden, konnte von den beiden Tänzern aus der Sicht zweier Liebender interpretiert werden. Denn die beiden sind auch im realen Leben ein Paar, so Werner. Das habe die Proben sehr erleichtert. "Come Closer" hat bereits 16 internationale Auszeichnungen bekommen. Nächste Produktionen sind in Planung. Mehr Infos auf www.come-closer.org BLA

Selbstverständlich stehen auch neue Produktionen auf dem Programm, wie "Master Cheng in Pohjanjoki" von Mika Kaurismäki (4. August), die Krimi-Komödie "Knives out" mit Daniel Craig und Jamie Lee Curtis (5. August). Und passend zur Diskussion über Rassismus zeigt Helwig am 17. August "Queen & Slim" von Melina Matsoukas. Und klar, die beiden oscarprämierten Filme "Parasite" (13. und 22. August) und "Joker" mit Joaquin Phoenix (14. August) dürfen nicht fehlen. Rosenmüller-Fans dürfen sich auf seinen Dokumentarfilm "Dreiviertelblut" (7. August) über die bayerischen Musiker Gerd Baumann und Sebastian Horn und über das anwesende Filmteam freuen. Auch zum Abenteuerfilm auf zwei alten Mopeds "Ausgrissn! In der Lederhose nach Las Vegas" am 11. August hat sich das Filmteam angekündigt.

Eintritt regulär 9 Euro. Programm: www.fsff.de

© SZ vom 31.07.2020

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