Olympische Spiele 2024Silber fürs Fünfseenland

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Eroberten in der großen Sandkiste vor dem Pariser Eiffelturm am Samstagabend die Silbermedaille: die Beachvolleyballer Nils Ehlers (li.) und Clemens Wickler aus Starnberg.
Eroberten in der großen Sandkiste vor dem Pariser Eiffelturm am Samstagabend die Silbermedaille: die Beachvolleyballer Nils Ehlers (li.) und Clemens Wickler aus Starnberg. Rolf Vennenbernd/dpa

Der Starnberger Beachvolleyballer Clemens Wickler hat mit Nils Ehlers den zweiten Platz erspielt. Doch was wurde aus den übrigen Teilnehmern aus heimischen Gefilden?

Von Peter Haacke, Starnberg

Die XXXIII. Olympischen Sommerspiele von Paris sind Geschichte: Zum Ende zweier munterer Wochen hatten die Veranstalter am Sonntagabend einen fulminanten Abschluss vorgesehen für die international größte Sportshow. Insgesamt 11 148 Athletinnen und Athleten – darunter fünf aus dem Fünfseenland – nahmen an diesem Sportfest der Superlative teil, die Franzosen erwiesen sich als hervorragende Gastgeber. Nahezu rund um die Uhr berichteten weltweit Nachrichtensender, Radio- und Fernsehanstalten sowie Streamingdienste über das sportliche Geschehen, und wer es noch genauer wissen wollte, informierte sich bei Fachverbänden und Social Media.

Aus deutscher Perspektive sind die Spiele durchwachsen verlaufen, zumal es nicht immer was mit dem erhofften Medaillensegen wurde. Unter den insgesamt 429 deutschen Olympia-Teilnehmern hatten sich auch fünf heimische Athleten und eine Athletin mit Bezug zum Fünfseenland Hoffnungen auf Edelmetall gemacht: der Dießener Sportschütze Maximilian Ulbrich, die 49er-Segler Andreas Spranger und Jakob Meggendorfer (Bayerischer Yacht-Club), IQFOil-Surferin Theresa Steinlein aus Wörthsee und Beachvolleyballer Clemens Wickler aus Starnberg: Er gewann mit Spielpartner Nils Ehlers die Silbermedaille. Hinzu kam Springreiter Max Kühner aus Starnberg, der jedoch für Österreich reitet. Doch wie ist es für die heimischen Athleten gelaufen? Hier der Blick auf die Ergebnisse.

Maximilian Ulbrich

Rang vier im Luftgewehr-Mixed-Wettbewerb, Platz 14 im Einzel und Rang 17 im Dreistellungskampf (stehend, kniend, liegend) mit dem Kleinkalibergewehr: Sportschütze Maximilian Ulbrich
Rang vier im Luftgewehr-Mixed-Wettbewerb, Platz 14 im Einzel und Rang 17 im Dreistellungskampf (stehend, kniend, liegend) mit dem Kleinkalibergewehr: Sportschütze Maximilian Ulbrich Marcus Brandt/dpa

Dicht vorbei ist auch daneben – diese Binsenweisheit wird Sportschütze Maximilian Ulbrich, der in der Bundesliga für die FSG Dießen schießt, nur wenig trösten. Dabei hatte der Polizeimeister aus Wielenbach (Landkreis Weilheim-Schongau) seine Hand gemeinsam mit Anna Janßen, 22, schon an der Bronzemedaille: Sie verpassten im Luftgewehr-Mixed-Wettbewerb über zehn Meter den dritten Platz gegen die Kasachen Alexandra Le und Islam Satpayev mit 7:16 Punkten. Im Finale hatten einfach „die dicken Zehner“ gefehlt.

Auch in den nachfolgenden Einzel-Wettbewerben erwies sich Ulbrichs Konkurrenz als zielsicherer. Sowohl mit dem Luftgewehr (Platz 14) als auch im Dreistellungskampf mit dem Kleinkalibergewehr (17.) über 50 Meter verpasste der Luftgewehr-Europameister von 2023 jeweils deutlich das Finale.

Anna Janßen und Maximilian Ulbrich wollen sich nach den Wettkämpfen noch ein gemeinsames Andenken an die Olympischen Spiele gönnen: ein Croissant-Tattoo.
Anna Janßen und Maximilian Ulbrich wollen sich nach den Wettkämpfen noch ein gemeinsames Andenken an die Olympischen Spiele gönnen: ein Croissant-Tattoo. Marcus Brandt/dpa

Nach den Schießwettkämpfen, die bereits in der ersten Olympia-Woche stattfanden, brachte er zunächst seine Waffen nach Hause und reiste dann zur Abschlussveranstaltung zurück. Als Mitbringsel aus Frankreich aber wollte sich Ulbrich mit Partnerin Janßen noch etwas Besonderes gönnen: Ein Tattoo in Form eines Croissants auf dem Knöchel.

Andreas Spranger und Jakob Meggendorfer

Jakob Meggendorfer und Andreas Spranger (Bayerischer YC) segeln bei den Olympischen Spielen vor Marseille im 49er auf Rang 11.
Jakob Meggendorfer und Andreas Spranger (Bayerischer YC) segeln bei den Olympischen Spielen vor Marseille im 49er auf Rang 11. Felix Diemer/DSV/Sailing Energy

Die Segelnationalmannschaft hat die Olympia-Regatten wieder einmal ohne Medaillen beendet. Das „German Sailing Team“ war zwar in allen zehn olympischen Segeldisziplinen vertreten, doch bei höchst schwierigen, stets wechselnden Bedingungen fehlte oft auch das entscheidende Quäntchen Glück. Erst drei Wochen vor den Spielen waren Jakob Meggendorfer und Andreas Spranger vom Bayerischen YC quasi „last minute“ für den 49er-Segelwettbewerb vor Marseille nominiert worden.

Meggendorfer und Spranger hatten sich zunächst behaupten können, vielversprechend eröffneten sie ihre Olympia-Premiere. Ein Frühstart im zweiten Rennen kostete das Bayern-Duo zwar eine bessere Position, war mit den Rängen 6, 21 (BFD) und 3 aber nicht unzufrieden. Am zweiten Tag arbeiteten sie sich nach sechs Wettfahrten sogar auf Rang 4 vor. Doch dann folgte der Einbruch an Tag drei und vier bei schwierig zu lesendem, löchrigem Wind: Mit den Einzelrängen 16, 12 und 11 fiel das Duo zurück.

Einem hoffnungsvollen Auftakt folgte der Einbruch: Jakob Meggendorfer (li.) und Andreas Spranger.
Einem hoffnungsvollen Auftakt folgte der Einbruch: Jakob Meggendorfer (li.) und Andreas Spranger. Felix Diemer/DSV/Sailing Energy

„Die Woche ist nicht so gut zu Ende gegangen, wie sie angefangen hat“, sagte Steuermann Meggendorfer. „Das Potenzial war da, wir hatten viele Chancen, aber wir konnten sie nicht ganz nutzen.“ Als Elfte verpassten die Deutschen den Einzug ins 49er-Medaillenrennen.

Theresa Steinlein

Theresa Steinlein aus Wörthsee wird bei den Olympischen Sommerspielen 2024 Sechste im neuen Wettbewerb IQFOil-Surfen.
Theresa Steinlein aus Wörthsee wird bei den Olympischen Sommerspielen 2024 Sechste im neuen Wettbewerb IQFOil-Surfen. SAILING ENERGY; Felix Diemer/DSV/© Sailing Energy

Erst vor vier Jahren war Theresa Steinlein, mit 22 Jahren jüngste Athletin im Kader der deutschen Segler, aufs Windsurf-Board umgestiegen. Die Sportsoldatin vom Wörthsee, die für den Norddeutschen Regatta Verein segelt, galt als potenzielle Medaillenkandidatin für die neue olympische IQFOiL-Disziplin, doch auch ihr spielten die unberechenbaren Bedingungen in der Bucht von Marseille einen Streich.

Anders als die Seglerinnen und Segler mussten die Windsurferinnen die Punkte aus ihren 14 Hauptrundenrennen nicht ins Finale mitnehmen. Das Windsurf-Format war damit so einfach wie chancenreich: Auch eine Zehntplatzierte konnte nach der Hauptrunde noch Olympiasiegerin werden. Im Viertelfinale trat Steinlein als Achte an; am Start sechs Surferinnen auf den Plätzen vier bis zehn. Die beiden besten Viertelfinalistinnen erreichten nach einem K.o.-Rennen das Halbfinale.

Ist mit ihrer Olympia-Premiere nicht unzufrieden: Theresa Steinlein aus Wörthsee, jüngste Teilnehmerin des DSV-Kaders.
Ist mit ihrer Olympia-Premiere nicht unzufrieden: Theresa Steinlein aus Wörthsee, jüngste Teilnehmerin des DSV-Kaders. Phil Walter/Getty Images

Doch am siebten Tag der Olympia-Regatta schrammte Steinlein knapp an der Sensation vorbei: Mit einem Blitzstart eröffnete sie das Viertelfinale und führte das Feld zwischenzeitlich sogar an. Das hätte gereicht – wenn nicht ein Winddreher die Reihenfolge komplett auf den Kopf gestellt hätte. Ihre Enttäuschung über den unglücklich verpassten Halbfinaleinzug überwand Steinlein schnell: „Wenn mir jemand bei meinem Einstieg ins Windsurfen gesagt hätte, dass ich vier Jahre später Olympia-Sechste werde, dann hätte ich das sofort genommen.“

Clemens Wickler/Nils Ehlers

Das olympische Beachvolleyball-Finale der Männer wurde zu einer klaren Angelegenheit des schwedischen Duos Ahman/Hellvig. Nils Ehlers (li.) und Clemens Wickler wurden Zweite.
Das olympische Beachvolleyball-Finale der Männer wurde zu einer klaren Angelegenheit des schwedischen Duos Ahman/Hellvig. Nils Ehlers (li.) und Clemens Wickler wurden Zweite. Rolf Vennenbernd/dpa

Haben sie nun Gold verloren, oder Silber gewonnen? Tatsächlich hatte vor den Olympischen Spielen wohl kaum jemand die Beachvolleyballer Clemens Wickler und Nils Ehlers auf dem Schirm. Über die Weltrangliste hatten sie sich als bestes deutsches Team für Paris qualifiziert. Doch das bayerisch-berlinerische Duo, das für den Eimsbütteler Turnverband (ETV Hamburg) spielt, funktionierte in der Open-Air-Disco vor dem Eiffelturm hervorragend. Abwehrspezialist Wickler, aufgewachsen in Starnberg, galt vor dem Endspiel am Samstagabend in der Sandkiste von Paris als Mann mit dem goldenen Händchen, der 2,10-Meter-Riese Ehlers war bester Blockspieler.

Auf dem Weg ins Finale hatten Wickler/Ehlers namhafte Teams besiegt. Ungeschlagen in der Vorrunde – wobei sie gegen die Australier Schubert/Hodges (16:21, 21:18, 19:17) sechs Matchbälle abwehrten – folgten in der K.o.-Runde 2:0-Siege über die Weltranglistenzweiten Stein/Wanderley (Brasilien) und die Niederländer Boermans/de Groot. Im Halbfinale gegen Christian Sørum und Anders Mol (Norwegen) bezwangen die Deutschen die Olympiasieger von Tokio 2021 in drei Sätzen (21:13, 17:21, 15:13).

Das Spiel ist aus: Nils Ehlers (l.) und Clemens Wickler sitzen nach der Niederlage enttäuscht auf der Bank.
Das Spiel ist aus: Nils Ehlers (l.) und Clemens Wickler sitzen nach der Niederlage enttäuscht auf der Bank. Rolf Vennenbernd/dpa

„Wir haben uns drei Jahre lang den Arsch aufgerissen“, hatte Clemens Wickler nach dem Finaleinzug gesagt, „das fühlt sich jetzt richtig gut an.“ Doch im Finale gegen die clever spielenden 22-jährigen Schweden Jonatan Hellvig und David Ahman lief es von Beginn an nicht: Das deutsche Team unterlag in zwei einseitigen Sätzen in nur 34 Minuten mit 10:21 und 13:21. „Das war das schlechteste Spiel der Saison“, kommentierte Wickler. Dem anfänglichen Frust über verpasstes Gold folgte bei der Siegerehrung aber schon bald geballter Freude der beiden deutschen Silver-Beachboys.

Maximilian Kühner

Reitet für Österreich: Max Kühner aus Starnberg landete mit seinem Pferd "Elektric Blue P" auf dem siebten Platz, im Mannschaftswettbewerb wurden die Österreicher 13.
Reitet für Österreich: Max Kühner aus Starnberg landete mit seinem Pferd "Elektric Blue P" auf dem siebten Platz, im Mannschaftswettbewerb wurden die Österreicher 13. Rolf Vennenbernd/dpa

Springreiter Max Kühner aus Starnberg, der schon seit Jahren für Österreich reitet, war vor den Wettbewerben in die Schlagzeilen geraten: Dem 50-Jährigen wird Tierquälerei vorgeworfen, was Kühner jedoch bestreitet. Das Amtsgericht Starnberg wird den Antrag auf Erlass eines Strafbefehls prüfen, vor Mitte September wird es jedoch keine weiteren Auskünfte geben. Auch während der Olympischen Spiele waren die Vorwürfe wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz zumindest offiziell kein Thema.

Im Einzelwettbewerb der Spiele landete der Weltranglistendritte auf dem siebten Rang: Ein Abwurf am letzten Hindernis des Parcours kostete den Wahl-Österreicher die Chance auf eine Medaille. Im Mannschaftswettbewerb wurden die österreichischen Nachbarn 13.

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