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Starnberg:Nur wenige Renken gehen ins Netz

Ammersee-Fischer Simon Rauch, 2013

Kleine Fische: Die Renken, wie sie etwa Simon Rauch geräuchert in Dießen verkauft, machen sich im Starnberger und Ammersee rar.

(Foto: Johannes Simon)

Das Fangergebnis am Starnberger See ist drastisch gesunken und am Ammersee sieht es schon länger düster aus

Von Armin Greune, Starnberg

Die Renkenfänge sind 2015 im Starnberger See auf ein fast schon historisches Tief gefallen. Den aktuellen Untersuchungen des Instituts für Fischerei (IFI) in Starnberg zufolge ist der Ertrag auf 3,7 Kilogramm pro Hektar (kg/ha) gesunken und rangiert nunmehr auf dem gleichen Niveau wie im Ammersee. Im Vergleich zum Rekordjahr 2011, als 15,3 kg/ha in die Netze gingen, haben sich die Fänge gegenüber 2014 abermals um die Hälfte auf lediglich 3,7 kg/ha reduziert. In den zurückliegenden 40 Jahren lag der Ertrag nur fünf Mal niedriger, sagte Michael Schubert, Leiter des Arbeitsbereiches Fluss- und Seenfischer am IFI bei der jüngsten Tagung dieser Berufsgruppe in Starnberg.

Ganz andere Verhältnisse herrschen offenbar in einigen österreichischen Seen, wie Hubert Gassner vom Institut für Gewässerökologie, Fischereibiologie und Seenkunde in Mondsee, bei der gleichen Veranstaltung berichtete. Der Kärntner Millstätter See gilt als fischreichster See der Alpenrepublik: In ihm wurden per Echolot geradezu märchenhafte 240 Kilogramm Biomasse Fisch pro Hektar ermittelt - den Großteil davon stellen auch dort die Renken, auch wenn sie in Österreich Reinanken genannt werden. Bevor die Fischer von Ammersee und Starnberger See vor Neid gelb werden konnten, wies Gassner darauf hin, dass der Überbestand im Millstätter See dazu geführt habe, dass die einzelnen Renken in schlechter Kondition sind. Der vormalige IFI-Leiter Manfred Klein verwies auf den Zusammenhang von Fischwachstum und Phosphatgehalt der Seen, der mit der Kanalisation stark zurückgegangen ist. Doch zumindest für den Millstätter See scheint diese Korrelation nicht zuzutreffen: Wie Gassner erläuterte ist der Phosphatgehalt dort mit sieben Milligramm/Kubikmeter ähnlich niedrig wie im Starnberger See. Aus seiner Sicht sei das Fischen die wichtigste Einflussgröße für die Bestände: Am Millstätter See hielten sich Angler und Fischer stark zurück.

Aber auch am Chiemsee ist die Entwicklung der Renkenbestände für die Fischer ermutigend: Mit einem Ertrag von 13,7 kg/ha war 2015 "einiges an Fisch drin", sagte Schubert. Seit 1995 sei die Population beständig angewachsen: Das sei ein Indiz dafür, dass "die Fischer dort vielleicht bei der Vermehrung und Besatzstrategie vieles richtig machen". Am Bodensee hingegen lag der Ertrag mit 3,2 kg/ha noch unter den Werten für Starnberger und Ammersee. Letzterer zeichnet sich durch extreme Schwankungen des Renkenbestands aus: So ging den Ammerseefischern 2011 und 2012 nur knapp 1 kg/ha in die Netze, 2007 waren es noch 14,5 kg/ha.

Für die oberbayerischen Seen gilt auch, dass die Größe der gefangenen Renken deutlich zurückgegangen ist und die Fischer deshalb auf Netze mit geringeren Maschenbreiten zurückgreifen müssen, um überhaupt noch etwas zu erbeuten. So waren 2015 die vierjährigen Renken im Starnberger See noch im Durchschnitt 248 Gramm schwer, heuer aber nurmehr 201 Gramm, sagte Schubert. Dies schließe aber kapitale Einzelfänge nicht aus: So konnte der Fischer Andreas Gastl-Pischetsrieder am Starnberger See heuer mit dem Schwebnetz eine wohl normalerweise am Seegrund lebende Renke an Land ziehen, die 70 Zentimeter Länge und 4,3 Kilogramm Gewicht aufwies. Ihr Alter wurde auf 16 Jahre bestimmt.

© SZ vom 16.11.2016
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