Süddeutsche Zeitung

Nahverkehr im Landkreis Starnberg:Busse sollen von frühmorgens bis spätabends fahren

Der Landkreis will das Angebot massiv ausbauen. In Gilching und Weßling wurden erstmals Pläne für das kommende Jahr vorgestellt. Die Linien sollen künftig zwischen 5 und 23 Uhr fahren, teils im 20-Minuten-Takt.

Von Christian Deussing und Patrizia Steipe

Mehr Busse frühmorgens und abends, regelmäßige Verbindungen auch samstags: Der Landkreis will den Nahverkehr stärken. Verkehrsmanagerin Susanne Münster hat erstmals die Pläne für den nördlichen Landkreis in den Gemeinderäten von Gilching und Weßling für das kommende Jahr vorgestellt, Gauting und Krailling folgen.

Dort sollen die Regional- und Expresslinien vor allem die boomenden Gewerbegebiete besser anbinden, indem der Busverkehr morgens und abends sowie teilweise auch samstags, sonntags und feiertags ausgedehnt wird - allerdings erst mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2021. Dann steht für verschiedene Linien eine neue, europaweite Ausschreibung an. Dafür holte die Verkehrsmanagerin sich schon jetzt die Zustimmung der Gemeinderäte. Es gehe auch darum, ohne längere Wartezeiten, zeitlich optimal abgestimmt von Bussen auf S-Bahnen oder in andere Busse umsteigen zu können, betont Münster. Ausschreibungen für weitere 15 Buslinien im übrigen Landkreis folgen in zwei bis drei Jahren. Dort gebe es "noch Potenzial bei Fahrplänen im Wochenend- und Freizeitverkehr", kündigt Münster an.

Eine der wichtigsten Linien im gesamten Landkreis ist der Bus 947: Er fährt von der S-Bahnstation Gilching-Argelsried über die Gewerbegebiete Gilching West Sonderflughafen, Technologiepark und das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum bis nach Weßling. "Er ist unsere drittstärkste Linie im Landkreis", sagt Planerin Münster. Nach einer Zählung im Jahr 2018 würden etwa 920 Fahrgäste durchschnittlich an jedem Tag den Bus nutzen. Vor allem Berufstätige sind auf ihn angewiesen. Deswegen gibt es in der Hauptverkehrszeit sogar einen 20-Minuten-Takt, bei dem allerdings nicht alle Haltestellen angefahren werden. "Die Taktung hat sich bewährt", freut sich Münster.

In Zukunft soll es vier zusätzliche Fahrten auf der verkürzten Strecke am Nachmittag und 18 zusätzliche abends geben sowie eine zusätzliche Fahrt auf der gesamten Strecke. Die Fahrgäste würden zudem statt bis kurz nach 20 Uhr bis 21.30 Uhr bedient. Auch samstags sollen die Leute zukünftig mit dem Bus fahren können, "denn viele arbeiten an diesem Tag", hat Münster festgestellt. Sie möchte mehr Haltestellen am Flughafen errichten. Damit der Nahverkehr genutzt werde, dürften die Fußwege zur nächsten Haltestelle nicht länger als 400 Meter sein, führt die Verkehrsmanagerin an.

Im 20- und 40-Minuten-Takt soll künftig zur Hauptverkehrszeit der Bus der Linie 949 von Gilching-Argelsried bis zum Schulcampus Gauting unterwegs sein. Zudem würden hier mit der Neuausschreibung morgens zusätzlich sieben Linienbusse jeweils in beide Richtung und abends weitere sechs Fahrten je Richtung angeboten werden. Vorgesehen ist ein verlängerter Fahrplan von 5.26 bis 21.54 Uhr. Es sollen laut Münster auch wieder am Wochenende und an Feiertagen die Fahrgäste diese Busse nutzen können, wobei aber die Weiterfahrt nach Starnberg wegfalle. Dafür würde aber die Verbindung zwischen der S 8 in Gilching und S 6 in Gauting deutlich verbessert, so Münster.

Mit einem durchgängigen 20-Minuten-Takt von Montag bis Samstag zwischen 5.05 und 22.52 Uhr mit täglich mehr als 30 zusätzlichen Fahrten in beide Richtungen - sowie stündlichen Touren - soll der Expressbus X 900 zwischen Starnberg und Fürstenfeldbruck mehr Passagiere anlocken. Damit würden auch die Expressbuslinien X 910 von Weßling zum Klinikum Großhadern mit Anbindung an die U 6 und X 920 von Fürstenfeldbruck über Argelsried, Kraillinger Gewerbegebiet KIM nach Großhadern effizienter verknüpft.

"Dieser Ausbau des ÖPNV ist ein wichtiger Meilenstein, um den Individualverkehr einzuschränken", erklärt Gilchings Bürgermeister Manfred Walter (SPD). Seine Gemeinde wird sich gemäß Ratsbeschluss mit etwa 50 000 Euro an dem Kosten des erweiterten Busangebotes beteiligen. Allerdings müsse noch ein geeignetes Haltestellenkonzept am Bahnhof Argelsried entwickelt werden, so Walter.

Verbesserungen soll es auch auf der Linie 955, die Weßling und Hochstadt mit der Kreisstadt Starnberg verbindet, geben. Dem Wunsch vieler Eltern entsprechend wird die Verbindung zwischen Hochstadt und dem Christoph-Probst-Gymnasium in Gilching erhalten bleiben. Dank einer Tarifreform brauchen die Hochstadter auch nicht mehr zu bezahlen, um zur S-Bahn nach Starnberg zu kommen. In puncto Kosten wird sich die Abrechnung ändern: Die Buslinien werden dafür in verschiedene Kategorien eingeteilt. Der Bus 955 beispielsweise gilt als "landkreisbedeutende Buslinie", da er die Kreisstadt ansteuert. Hier werden die Kosten zu 100 Prozent vom Landkreis übernommen. Das gilt auch für die Expressbuslinien und die überregionalen Verbindungen.

Bei den gemeindeverbindenden Ortslinien werden die Kommunen an den Kosten beteiligt. Allerdings zahlt der Landkreis eine gewisse Grundversorgung. Verstärkerbusse für die Grundschulen sind Sache der Gemeinden, zu den weiterführenden Schulen zahlt wiederum der Landkreis. Abgerechnet wird nicht mehr anhand der Fahrgastzahlen, sondern über die Fahrstrecken. Wie viel die Kommunen voraussichtlich zahlen, prognostizierte Münster anhand dreier Varianten. Dabei kommen für Weßling anteilige Kosten zwischen 11,6 bis 15,3 Prozent heraus; derzeit zahlt die Gemeinde 25,6 Prozent. Am 6. Oktober wird Münster ihre Pläne dem Mobilitätsausschuss des Kreistags vorstellen.

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SZ vom 24.09.2020
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