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MVV:Das 365-Euro-Ticket ist gerettet

Fahrkartenverkauf am Automaten

Der MVV kann das 365-Euro-Ticket wie geplant im August einführen - 340.000 Schüler und Azubis in der ganzen Region können aufatmen.

(Foto: Sta Franz Xaver Fuchs)

Starnberg macht einen Rückzieher vom Rückzieher. Der Kreistag hatte die Jahreskarte wegen der Corona-Krise einsparen wollen - und damit einen Shitstorm losgetreten.

Von Carolin Fries

"Wir werden nicht den Spielverderber spielen." Mit diesen Worten stimmte Landrat Karl Roth (CSU) den Kreistag am Montag auf die Abstimmung über das 365-Euro-Ticket ein. Vor vier Wochen noch hatte er dem Gremium vorgeschlagen, die Einführung angesichts der zu erwartenden finanziellen Belastungen durch die Corona-Krise womöglich zu verschieben. Die Folge war ein Shitstorm in den sozialen Medien. Roth fasste den allgemeinen Ton wohlgesonnen so zusammen: "Gerade die Reichen und Schönen machen jetzt einen Rückzieher, gerade die."

Das taten sie dann aber nicht. Mit großer Mehrheit stimmte der Kreistag dem MVV-Ticket zu, das es Schülern und Azubis von August an ermöglichen soll, im kompletten Verbundbereich den öffentlichen Nahverkehr kostengünstig nutzen zu können. Laut Verkehrsmanagerin Susanne Münster profitierten davon im Münchner Umland insgesamt 340 000 Kinder und Jugendliche. Im Landkreis Starnberg gibt es 18 604 Schüler. Damit das Ticket eingeführt wird, war eine Zusage aller Landkreise erforderlich - das Zögern in Starnberg hatte in den vergangenen Wochen entsprechend für Unruhe in der Region gesorgt. Dabei habe man lediglich abwarten und sich mit den anderen Landkreisen noch einmal absprechen wollen, wie Roth relativierte. Neue Ausgaben einfach so durchzuwinken, wäre unseriös gewesen", sagte Vize-Landrat Tim Weidner ( SPD). Dennoch seien haufenweise E-Mails und Briefe im Landratsamt eingegangen, so Münster. Diverse Verbände und Interessensvertretungen, darunter der Kreisjugendring und Schülervertretungen, hätten die sozialpolitische und umweltpolitische Relevanz des Tickets betont.

Das Ganze hat aber auch seinen Preis: Knapp 570 000 Euro wird der Landkreis dafür in diesem Jahr zahlen müssen, in den Folgejahren ist mit jeweils einer Million Euro zu rechnen.

"Auch wenn die Kosten hoch sind, die Kosten für die Folgen der Klimaerwärmung sind noch höher", sagte Grünen-Kreisrätin Anne Franke. Das Geld sei deshalb gut angelegt. FW-Kreisrat Matthias Vilsmayer sprach sich ebenfalls für das Ticket aus, auch wenn dem Gremium bewusst sein müsse, dass finanziell schwierige Zeiten bevorstünden. Michael Muther (Freie Wähler) stimmte als einziger Kreisrat gegen das 365-Euro-Ticket. "Alle wollen sparen, aber weder hier noch dort", begründete er seine Entscheidung. Früher hätten die Eltern noch Lehrgeld zahlen müssen, und niemand habe sich dafür interessiert, wie die Jugend abends fortgehe.

Das Ticket sollen mit Beginn des neuen Schuljahres alle Schüler des Landkreises kostenfrei bekommen, für die der Kreis ohnehin die Kosten der Schulwegbeförderung übernimmt. Anders als mit den aktuell ausgegebenen Tickets ist das 365-Euro-Ticket dann aber nicht nur für den Schulweg, sondern rund um die Uhr und für das gesamte MVV-Gebiet gültig. Oswald Gasser (FDP) sprach deshalb von einer "Gerechtigkeitslücke". Denn Schüler, die weniger als drei Kilometer von ihrer Schule entfernt wohnten, müssten sich das Ticket kaufen. Unklar ist noch, ob auch die etwa 220 Tutzinger Schüler, die momentan mit Schulbussen zum Gymnasium und zur Realschule gefahren werden, das Ticket nutzen können. Dafür will der Landkreis in den kommenden Wochen prüfen, ob die Fahrten in den MVV integriert werden können.

© SZ vom 28.04.2020
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