Wäre es allein nach den Wünschen des Starnberger Projektentwicklers Ehret und Klein gegangen, wären Bauarbeiter, Kräne, Bagger und Maschinen schon längst am Start. Und die pinkfarbene „Wiege von Starnberg“, seit April 2021 die Zierde des Bahnhofsviertels, wäre verschwunden. Stattdessen würde schon bald ein dreiteiliger, multifunktionaler Gebäudekomplex an prominenter Stelle am Starnberger See entstehen, der die Stadtkulisse entscheidend ändern wird: das multifunktionale „Museumsquartier“ an der Bahnhofstraße mit Gastronomie, Gewerbeeinheiten, Büros, Wohnungen und Blick auf See und Berge.
Das Vorhaben hat allerdings einen entscheidenden Makel, für den der Projektentwickler freilich nichts kann: Für das Projekt muss nach Intervention des Kreisbauamts nun doch ein Bebauungsplan erstellt werden – und das dauert in Starnberg eben. Weil die Bauabteilung in der Rathausverwaltung chronisch überlastet ist und es viele andere wichtige Projekte gibt, wurde das Museumsquartier in der Prioritätenliste der Verwaltung nur unter „ferner liefen“ im roten Bereich auf Platz 17 gelistet. Im Klartext: derzeit nicht in Bearbeitung. Doch Zeit ist Geld – und deshalb will der Projektentwickler einen Teil der obligatorischen Pflichtaufgaben im Vorfeld des Bebauungsplanverfahrens selbst übernehmen.
Um das komplexe Verfahren entscheidend zu beschleunigen, hatten Ehret und Klein im Sommer auf die fünfte Etage des höchsten der insgesamt drei Gebäude verzichtet. Der Komplex soll auf einer Sockelplatte entstehen, die anderen beiden Häuser in Sichtweite des Heimatmuseums sollen vier und drei Stockwerke bekommen. Die Hoffnung: Mit Bezug auf Paragraf 34 des Baugesetzbuches („Innerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile ist ein Vorhaben zulässig, wenn es sich (...) in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt“) wäre das aufwendige Verfahren der Bebauungsplanaufstellung hinfällig geworden. Doch da spielte das Landratsamt nicht mit: Die Nachbarn hätten mit Bezug auf das neue Quartier ebenso hoch bauen dürfen.
Im Bauausschuss der Stadt Starnberg ploppte das Thema vergangene Woche zum wiederholten Male auf. Erneut ergab sich eine Diskussion um die Höhenentwicklung und den weiteren Fortgang des Verfahrens. Während Ludwig Jägerhuber (CSU) und Franz Heidinger (BLS) das Bauvorhaben im Hinblick auf seine Höhenentwicklung weiterhin als viel zu massiv empfinden, äußerte sich eine Mehrheit des Gremiums positiv: Christiane Falk (SPD) konnte sich „mit dem Vorhaben anfreunden“, Marc Fiedler (FDP) erachtete es als „genau das Richtige an dieser Stelle“, Josef Pfister (BMS) lobte den Vorhabenträger. Und auch Franz Sengl (Grüne) befand: „Super Entwurf“. Überdies wurde positiv gewürdigt, dass Ehret und Klein das Vorhaben abgespeckt hatten.




Gleichwohl muss das Vorhaben nun doch den langwierigeren Weg über ein Bebauungsplanverfahren nehmen. Dazu gehören Expertisen zu Immissionsschutz, Abwasser, Verkehr und vielem anderem mehr neben der Beteiligung von Öffentlichkeit und Fachstellen. Eventuelle Änderungen werden in die Planung eingearbeitet, abgestimmt und dann zur Auslegung durch die Stadt vorbereitet. „Der Abwägungsprozess ist durch die bereits vorab durchgeführte Beteiligung der Fachstellen wesentlich einfacher und weniger zeitaufwendig“, heißt es in der Beschlussvorlage. Stadtbaumeister Stephan Weinl kommentierte diesen Weg zur Umsetzung, der möglicherweise auch noch bei anderen Vorhaben Schule machen könnte: „Das bindet bei uns nur einen Bruchteil der Kapazitäten.“
Wie viel Zeit Ehret und Klein für das Vorhaben durch ihre Eigenleistung gewinnen, kann nicht gesagt werden. Ursprünglich hatte der Projektentwickler schon im Jahr 2022 beginnen wollen, neue Zielmarke für den Start der Bauarbeiten ist das Jahr 2025. Zwei Jahre später, so die Hoffnung, könnte das Projekt abgeschlossen sein. Immerhin: Der Bauausschuss hievte das „Museumsquartier“ in der Prioritätenliste unter neuer Vorgabe auf Platz 14. Der ebenfalls anwesende Firmengründer Michael Ehret antwortete in der Sitzung auf die Frage, ob er mit dem Verfahren einverstanden sei, vernehmlich mit „Ja“. Untrügliches Zeichen dafür, dass es an der Bahnhofstraße endlich losgeht mit dem ambitionierten Projekt, dürfte der Rückbau der „Wiege von Starnberg“ sein.

