Vor geladenen Gästen wurde am Samstagabend im Museum Starnberger See die Ausstellung „Ludwig II. – Die letzten Tage des Märchenkönigs“ eröffnet – auf den Tag und die Stunde genau 140 Jahre nach dem bis heute ungeklärten Tod des Königs und seines Arztes in Berg am Starnberger See. Die neue Dauerausstellung wurde vom Museumsleiter Benjamin Tillig gemeinsam mit der Kunsthistorikerin Claudia Wagner konzipiert. Und um es gleich vorwegzunehmen: Dieses jüngste „Wiederaufnahmeverfahren“ im berühmtesten „Cold Case“ der bayerischen Geschichte führt leider zu keinen neuen „Ermittlungsergebnissen“.
Die letzten vier Tage im Leben von Ludwig II. werden im Untergeschoss des Museums als „Drama in vier Akten“ nacherzählt, das die Besucher in aufwendigen, eigens gebauten Bühnenkulissen durchschreiten: Am 10. Juni blicken sie durch den Wald auf das noch im Bau befindliche Schloss Neuschwanstein, in dem sich der unglückliche König verschanzt. Am 11. Juni betreten sie Ludwigs Schlafzimmer, am 12. Juni sitzen sie mit in der Kutsche, die den entmündigten König nach Berg bringt, und am 13. Juni spazieren sie mit ihm und dem Psychiater Dr. von Gudden am See entlang, blicken aus dem nächtlichen Park zurück auf das hell erleuchtete Schloss. Extrem vergrößerte Fotografien und ausgesägte Bühnenelemente schaffen wie im Theater Illusionen, auf den Rückseiten dieser Kulissen finden sich die erklärenden Texte, eine Kurzfassung zum Lesen, eine ausführlichere Fassung über den Audioguide.
Und weil sich die ganze Tragödie dann doch nicht in vier Tage packen lässt, gibt es zur Einführung einen „Prolog“, der anhand von Reproduktionen zahlreicher historischer Bilder und Dokumente, vor allem aber mit erläuternden Texten die biografischen, politischen, finanziellen und psychischen Voraussetzungen auf großen Tafeln nachvollziehbar aufbereitet: die Jugend des kunstsinnigen Kronprinzen und seine frühe Thronbesteigung, seine ausufernden Schlossbauten sowie seine Zerrissenheit zwischen intimen Sehnsüchten und gesellschaftlichen Normen. Auch die politischen Veränderungen nach zwei Kriegen und der Verlust der bayerischen Selbstständigkeit werden hier erläutert.
Den spannendsten Teil der Ausstellung aber würde man eigentlich hinter der letzten Kulisse erwarten: Wie ist er denn nun gestorben, der „Märchenkönig“? Im „Epilog“ wird jedoch lediglich berichtet, was in den Tagen nach dem Tod des Königs geschah. Noch einmal kommen hier die Zeitzeugen vom Fischer Jakob Lidl über Oskar Maria Graf bis hin zu Therese von Bayern zu Wort. Auch kann man den Eintrag im Sterbebuch der Pfarrei Aufkirchen nachlesen und sogar den von insgesamt 14 Personen unterzeichneten Obduktionsbericht studieren – der jedoch bekanntermaßen keine Todesursache nennt. Die beiden Ausstellungsmacher wollen hier keine Position beziehen. Stattdessen haben sie ein Buch ausgelegt, in dem die Besucher ihre eigenen Theorien hinterlassen dürfen.


Sieht man einmal von den Gipsnachbildungen von Ludwigs Totenmaske und einer Gudden-Büste ab, dann muss diese Ausstellung praktisch ohne Exponate aus den Beständen des Museums auskommen. Dennoch ist es gelungen, eine atmosphärische Anlaufstelle für Touristen auf den Spuren von Ludwig II. zu schaffen. Ganz bezaubernde Ideen sind dabei spielerische Elemente wie das Riechfläschchen mit dem Parfum des Königs und die Bauklötze, mit denen man sich ein eigenes Märchenschloss bauen darf.
Hervorzuheben ist nicht zuletzt die großzügige Förderung des Ausstellungsprojekts durch den engagierten Freundeskreis des Museums, den Landkreis Starnberg, den Bezirk Oberbayern sowie das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst. Unterstützt wurde die Ausstellung auch durch den Wittelsbacher Ausgleichsfonds und das Geheime Hausarchiv am Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München.

Unter den zahlreichen Rednern bei der Eröffnungsfeier war neben Landrat Stefan Frey und Starnbergs Dritter Bürgermeisterin Christiane Falk auch Thomas Schwarzenberger, Präsident des oberbayerischen Bezirkstags. Er bezeichnete die Ausstellung als „Gewinn für die gesamte Region“. Zweifelsohne wird sie dem ehemaligen Heimatmuseum der Stadt Starnberg neue Besucherrekorde verschaffen. Und zweifelsohne wird sich auch Schwarzenbergers Wunsch erfüllen, die Besucher mögen beim Verlassen der Ausstellung mehr Fragen haben, als sie beim Betreten hatten.

