Der Unfalltod eines Kindes hat die Menschen in Starnberg am Dienstag geschockt und dem Fasching in der Stadt jäh ein vorzeitiges Ende bereitet. Der Achtjährige aus Starnberg war am Vormittag an der Kreuzung Münchner und Hanfelder Straße von einem Lastwagen überrollt und tödlich verletzt worden. Wie die Starnberger Polizei mitteilte, wollte der Bub gegen 10.30 Uhr mit seinem Fahrrad hinter seiner Schwester die Hanfelder Straße überqueren. Zur gleichen Zeit bog ein 56-Jähriger mit einem Lastwagen von der Münchner Straße, der B2, nach rechts in die Hanfelder Straße ab. Dabei übersah der Fahrer offenbar den Grundschüler, der von dem Fahrzeug mit dem vorderen rechten Reifen erfasst wurde.
Laut Polizei wurde der Bub von den Reifen des Lastwagens mehrmals überrollt. Obwohl ein Rettungshubschrauber landete, um ihn ins Krankenhaus zu bringen, starb er dort wenig später an seinen multiplen schweren Verletzungen. Die Kreuzung war bis gegen 14 Uhr gesperrt, der Unfall löste ein stundenlanges Verkehrschaos in der Kreisstadt aus, auch viele Linienbusse standen im Stau.
Gegen den Starnberger Lastwagenfahrer wurde ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet. Man gehe bisher davon aus, dass sowohl die Fußgängerampel als auch die Ampel für den Lkw-Fahrer auf Grün gestanden habe, sagte Nicole Hatteier, Einsatzleiterin der Polizei in Starnberg, zur SZ. Es sei eine Blutentnahme bei dem Fahrer angeordnet worden. Der Kipplaster wurde sichergestellt; ein unfallanalytisches Gutachten im Auftrag der Staatsanwaltschaft München II soll jetzt den genauen Unfallhergang klären. Im Einsatz war auch das Kriseninterventionsteam (KIT), denn sowohl die Schwester des Unfallopfers und als auch der Lkw-Fahrer erlitten einen Schock.

Wegen des Unfalls wurde das für Dienstagnachmittag geplante Faschingstreiben mit großer Bühne auf dem Kirchplatz in Starnberg abgesagt. Die vierstündige Feier hätte um 13 Uhr begonnen. Aus Pietät könne man nicht feiern, wenn nur 400 Meter entfernt sich so ein tragisches Unglück ereignet habe, begründete der Vorsitzende der Faschingsgesellschaft Perchalla, Andreas Denk, die kurzfristige Absage. Er habe zuvor auch mit Landrat Stefan Frey und Bürgermeister Patrick Janik darüber gesprochen, doch die Entscheidung sei ihm überlassen worden, so der Perchalla-Vorsitzende.
Zu dem Zeitpunkt waren schon etwa hundert Besucher auf dem Kirchplatz eingetroffen. Sie applaudierten der Entscheidung und zeigten Verständnis und Respekt. Dazu gehörten auch Josefine und Werner Hanika. Das ältere Ehepaar feiert schon seit mehr als 30 Jahren Faschingsparty auf dem Kirchplatz, aber so etwas sei noch nie passiert, sagten die beiden Starnberger. Etwas spät kam Christine Meißner mit ihrem zwölfjährigen Sohn Tizian dazu und wunderte sich über die triste Situation. Sie war von der Schwäbischen Alb angereist, um ihre Mutter zu besuchen. „Ich bin hier aufgewachsen und war oft bei dieser Feier dabei“, erzählte sie. Von dem tödlichen Unfall hatte sie nichts gewusst.

Fabienne Dullin war mit ihrer kleinen Nichte gekommen. Nach der Absage überlegte sie, was sie tun soll. Wie viele andere Faschingsbesucher ging sie mit dem Mädchen in ein nahes Lokal und spendierte der kleinen Prinzessin ein Eis als „Trostpflaster“ für das entgangene Kostümfest mit Tanzgruppen, Kinder- und Jugendgarde und DJ-Musik auf der großen Bühne.

