Lach- und Schießgesellschaft „Denn dieser Laden hat es verdient weiterzuleben“

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Der Starnberger Musikkabarettist André Hartmann leitet seit Kurzem die Münchner Lach- und Schießgesellschaft.
Der Starnberger Musikkabarettist André Hartmann leitet seit Kurzem die Münchner Lach- und Schießgesellschaft. (Foto: Georgine Treybal)

Der aus Starnberg stammende Kabarettist André Hartmann freut sich auf eine große Herausforderung: Er will als neuer künstlerischer Leiter die Münchner Lach- und Schießgesellschaft wieder in Schwung bringen.

Von Christian Deussing, Starnberg/München

Diese Chance wollte sich André Hartmann nicht entgehen lassen: Vor einigen Monaten ist er von der neuen Geschäftsführung der Münchner Lach- und Schießgesellschaft angesprochen worden. Ob er denn nicht die künstlerische Leitung der legendären Kabarettbühne übernehmen wolle? „Da musste ich nicht zweimal überlegen“, sagt der gebürtige Starnberger, der sich als Wortwitz-Entertainer und Stimmenimitator am Klavier längst einen Namen gemacht hat. Seinen Durchbruch hatte Hartmann beim „Derblecken“ am Nockherberg im Jahr 2005, als er Gerhard Schröder und später auch Christian Ude in den Singspielen überzeugend doubelte. Der frühere Münchner Oberbürgermeister Ude ist jetzt Mitgesellschafter von der „Lach- und Schieß“.

Nun präsentiert Hartmann am kommenden Dienstag, 22. Oktober, um 20 Uhr in einer Solo-Show im Silbersaal des Deutschen Theaters in München ein „Eröffnungspaket“ zur neuen Lach- und Schießgesellschaft. Diese soll voraussichtlich Anfang November nach Umbauten an alter Schwabinger Spielstätte in der Ursulastraße mit ihrem Programm beginnen. „Denn dieser Laden hat es verdient weiterzuleben“, betont der neue Spielleiter, „gerade in heutiger Zeit, nachdem wegen Corona viele Kleinkunstbühnen schließen mussten“, sagt der 48-Jährige am Telefon.

Diese Bühne leiten zu dürfen, sei eine „ganz große Herausforderung“, erzählt Hartmann. Bei einem privaten Auftritt war er vor 15 Jahren Dieter Hildebrandt begegnet, der Hartmanns Darbietungen offenkundig sehr ansprechend fand. Diese Ansicht des großen Kabarettisten und Mitgründers der Lach- und Schießgesellschaft sei für ihn wie ein „Ritterschlag“ gewesen, erinnert sich Hartmann, der wandlungsfähig ist, viele Dialekte und Stilrichtungen am Piano virtuos beherrscht – und diese auch gerne miteinander vermischt.

Und wie lautet sein Credo als künstlerischer Leiter dieser einst so berühmten Bühne? „Unser Motto ist: politisch und sozialkritisch auf hohem Niveau“, erläutert Hartmann, der in Teilzeit an einem Gymnasium im Münchner Umland Musik unterrichtet. Er würde sich freuen, auch jüngeres Publikum ansprechen zu können, auch, wenn es sicher nicht die eigentliche Zielgruppe sei. Wichtig sei jedenfalls nicht nur der Applaus, sondern auch, dass die Besucher „etwas vom Abend mitnehmen“.

Vor allem SPD-Figuren haben es André Hartmann angetan: der echte Christian Ude (links) und sein Double beim Nockherberg 2013.
Vor allem SPD-Figuren haben es André Hartmann angetan: der echte Christian Ude (links) und sein Double beim Nockherberg 2013. (Foto: Robert Haas)
Davor hatte Hartmann am Nockherberg auch schon Bundeskanzler Gerhard Schröder verkörpert - hier mit dem damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (r).
Davor hatte Hartmann am Nockherberg auch schon Bundeskanzler Gerhard Schröder verkörpert - hier mit dem damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (r). (Foto: Frank Leonhardt/dpa)

Hartmann wohnt zwar schon seit 20 Jahren in München, ist aber „von Herzen“ noch immer ein Starnberger. Er sei in der Kreisstadt aufgewachsen und habe dort sein Abitur gemacht – und sei später als Assistenzlehrer am Starnberger Gymnasium tätig gewesen. Seine Leidenschaft für das musikalische Kabarett habe er bereits mit zwölf Jahren entdeckt, auch durch den Einfluss seiner Schwester, berichtet der Künstler und Moderator. Zudem wirkt er weiterhin beim Gospelchor in Söcking mit und nimmt an den Benefizkonzerten teil. Deren Erlös geht zum Beispiel an die Nepalhilfe, die er vor 27 Jahren in Starnberg gegründet hat. Hartmann engagiert sich auch für weitere soziale Projekte.

Und welche Vorbilder hat der neuen Leiter der Lach- und Schießgesellschaft? Da will sich der Starnberger nicht festlegen, um nicht in eine bestimmte Richtung hinein interpretiert zu werden. „Nur soviel: Ich bin von Loriot und seinem feinsinnigen Humor geprägt – und kenne seine Texte und Filme auswendig.“ Überdies verrät der Musikkabarettist, dass er Hape Kerkeling und dessen „kraftvolle Verwandlungskunst“ sehr schätze. Mit viel Kraft und Leidenschaft will Hartmann nun auch den „Laden“ in Schwabing mit geistreichem Programm wieder in Schwung bringen und voller Elan auf die 70-Jahr-Feier der Lach- und Schießgesellschaft in zwei Jahren zusteuern.

André Hartmann tritt an diesem Freitag im Herrschinger Hotel Seehof mit seiner Show „Radio-Aktiv“ auf. Beginn: 20 Uhr. Begleitet wird er von Michael Ponert, Gitarrist und Liedermacher aus München.

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