Süddeutsche Zeitung

Nepomuk:Hier schmeißt der Chef selber weg

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Von Euer Nepomuk

Erst in den Gottesdienst, dann weiter in Sankt Neben der Kirch', wo die Glocken Henkel haben. Das war mal Sonntagstradition. Aber Kirche ist ja mittlerweile insgesamt nicht mehr so gefragt, da gehen mehr Leute raus als rein. Dafür gibt's eine neue Samstagstradition mit Riesen-Andrang - am Wertstoffhof nämlich. Im Grübmühlerfeld zwischen Gauting und Stockdorf stehen die Leute manchmal mit dem Auto Schlange, das glaubst du nicht. Erst Wertstoffhof, dann Baumarkt, neues Zeugs holen: typisches Samstagsprogramm.

Anhand der Bestandteile eines Teebeutelchens mit Klammer, Papier und Schnur hab' ich kürzlich erst erläutert, was für ein begeisterter Mülltrenner ich doch bin. Hier das Papier, dort die Glasflaschen, Bauschutt extra, wenn mal was an- oder abfällt, Kartons, Styropor: Das wird bei mir gesammelt und sortiert, damit alles seine Ordnung hat beim Abliefern. Allein schon wegen Herrn Wufka und seinen Leuten.

Ihr kennt das: Am Wertstoffhof gelten exakte Spielregeln. Wer sie nicht kennt oder versehentlich übergeht, darf mit Unterstützung des Personals und sanft korrigierenden Hinweisen rechnen: "Na, da ned. Da hinten!" So in der Art. Wenn man etwa einen zwei Zentner schweren Holzbalken die wackelige Metalltreppe hinauf gezerrt hat und schon bereit ist zum Abwurf in den Container - und sich gerade noch rechtzeitig herausstellt, dass das Trumm nicht zu Holz innen sondern zu Holz außen gehört.

Wer Herr Wufka ist? Na, der Chef von dem Ganzen, der Vorstand der Abfallwirtschaft Starnberg (Awista), der dafür zuständig ist, dass die Müllabfuhr kommt. Christoph Wufka aus Deggendorf, studierter Geograph, der sich im Abfall- und Recycling-Metier in Baden-Württemberg herumgetrieben hat, ehe er vor bald zwei Jahren nach Starnberg gekommen ist. Seine Leute haben ihn in der Zeit schon kennenlernen dürfen, und zwar nicht nur die im Büro an der Moosstraße. Wenn es der Dienstplan zulässt, legt der Abfallchef nämlich sein Sakko ab und schlüpft ins orangefarbene Outfit, hilft selbst mit am Wertstoffhof und schaut sich an, wie das dort läuft. Ob man einen Container umstellen muss, was die Besucher so sagen. Kontakt zur Basis eben. Nach der Devise: "Hier schmeißt der Chef selber weg."

Gefällt mir, die Idee. Was meint Ihr? Die Gautinger Bürgermeisterin Brigitte Kössinger könnte mal beim Hecken schneiden im Stockdorfer Dichterviertel helfen und ihr Kraillinger Kollege beim Pflastern seiner Ortsmitte. Oder Webasto-Vorstandsvorsitzender Holger Engelmann im Blaumann bei der Schiebedach-Montage? Und Landrat Stefan Frey als Security-Mann im Foyer des Landratsamts. Ach, da gäbe es schon ein paar Einsatzmöglichkeiten.

Bevor ich noch ganz in den Schmarrn rein komme, muss ich jetzt aber echt los. Es hat sich schon wieder so viel angesammelt - alte Ausgaben der SZ, ein paar Kabel, ein bisschen Laub und allerlei Krimskrams. Das muss dringend weg. Samstag ist Wertstoff-Tag. Und vielleicht treffe ich ja wieder Herrn Wufka. Zum Erfahrungsaustausch unter Mülltrennern. Das wäre doch nett.

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SZ/rzl/sum
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