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Starnberg:Mit gemischten Gefühlen aus dem Lockdown

Ulrike Soré freut sich, ihr Modegeschäft in Herrsching wieder öffnen zu dürfen.

(Foto: Arlet Ulfers)

Weil die Inzidenz unter 50 liegt, dürfen Geschäfte und Museen wieder öffnen. Sportvereine bieten Trainings im Freien an.

Von Carolin Fries

"Die Freude ist groß", sagt Ulrike Soré. An diesem Montag wird die 58 Jahre alte Boutique-Inhaberin aus Herrsching ihr "Mode Mosaik" in Herrsching nach fast drei Monaten im Lockdown erstmals wieder öffnen. Das ist möglich, weil die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis am Sonntag laut Robert-Koch-Institut (RKI) bei 44,6 lag - und damit unter dem Grenzwert von 50. "Die Frage ist lediglich, wie lange die Freude erhalten bleibt", schiebt die Unternehmerin hinterher. Denn sollte die Inzidenz drei Tage in Folge den Grenzwert überschreiten, müssen die Läden wieder schließen und auf Terminbuchung umstellen. Soré hat deshalb das Motto "Hauptsache unter 50" ausgerufen und bietet jedes Teil für 49,95 Euro an, wie sie sagt.

Weil Starnberg aktuell zu den 30 bayerischen Landkreisen mit einer Inzidenz unter 50 zählt, dürfen neben dem Einzelhandel auch Museen und Galerien im Landkreis wieder öffnen. Das Buchheim Museum lässt von Dienstag, 9. März, wieder bis zu 150 Besucher mit FFP2-Maske für eine maximale Aufenthaltsdauer von zwei Stunden in die Ausstellungen, vorausgesetzt, es wurde online ein Ticket gebucht. Auch das Museum Starnberger See in der Kreisstadt öffnet am Dienstag wieder.

Zudem ist kontaktfreier Sport im Freien wieder in Gruppen von bis zu zehn Personen beziehungsweise bis zu 20 Kindern unter 14 Jahren erlaubt. Katrin Rumland, Jugendleiterin der FT Starnberg 09, wird bereits an diesem Montag wieder Fußballtraining für die ersten der knapp 200 Kinder im Verein anbieten, "wir sind einfach nur froh", sagt die 36-Jährige. Die etwa 120 Geräteturner des TV Planegg-Krailling wollen wetterbedingt eine Woche später auf dem Kraillinger Sportplatz starten, die Gautinger Fußballer tüfteln noch an der räumlichen und personellen Einteilung, so Abteilungsleiter Jens Rindermann. In seiner Brust schlügen zwei Herzen, bekennt er: "Für die Kinder ist es wichtig, dass eine Perspektive da ist." Andererseits nehme das Risiko von Ansteckungen damit wieder zu.

Landrat Stefan Frey sieht die inzidenzabhängigen Regeln ebenfalls "mit gemischten Gefühlen", wie er am Sonntag mitteilte. Auch weil sich die Lage schnell ändern könnte, wie allein die vergangene Woche gezeigt habe. Innerhalb von sieben Tagen stieg die Inzidenz von 24,9 auf 44,6. Er hoffe, dass das Regelwerk der Praxis gerecht werde "und wir nicht ständig ein Auf und Zu und Auf und Zu erleben". Ob der Landkreis die bayernweit geltenden Vorschriften ergänzen wird, will der Landrat an diesem Montag mit den Fachbehörden beraten. Die Allgemeinverfügung, welche insbesondere den Alkoholkonsum auf diversen öffentlichen Plätzen verbietet, läuft an diesem Montag um Mitternacht aus. Die Anordnung zur Sperrung der Stege hingegen ist nicht befristet.

© SZ vom 08.03.2021
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