Bundestagswahl im Landkreis Starnberg:Das Kreuzchen per Post

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Bundestagswahl 2021 - Briefwahl

In Hunderten Haushalten im Landkreis Starnberg liegen die Unterlagen für die Briefwahl schon bereit.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Die Gemeinden sind gewappnet für einen hohen Anteil an Briefwählern. Wann die Stimmzettel aber zu Hause ankommen, ist sehr unterschiedlich im Landkreis. Doch es gibt eine Möglichkeit, vorab zu wählen.

Gut 60 Zentimeter lang ist der Stimmzettel mit den 26 Parteien und zwölf Direktkandidaten im Wahlkreis Starnberg-Landsberg. Wer zu Hause überlegen will, wo er sein Kreuzchen macht, oder den Weg ins Wahllokal wegen der Pandemie scheut, kann sich die Unterlagen für die Briefwahl schicken lassen. Wann sie eintreffen, ist allerdings sehr unterschiedlich im Landkreis. Während etwa das Weßlinger Rathaus schon 1400 Kuverts verschickt hat, fängt die Gemeinde Gauting an diesem Donnerstag erst mit dem Versand an.

Dreieinhalb Wochen sind es noch bis zur Bundestagswahl, doch in vielen Haushalten fällt bereits jetzt die Entscheidung. Die Briefwahl macht's möglich, die diesmal laut Prognosen so ausgiebig wie noch nie genutzt wird. Darauf stellt man sich auch in den Rathäusern im Fünfseenland ein, die sogar für einen Anteil von 60 Prozent gewappnet wären.

Wie groß das Interesse ist, zeigt das Beispiel Krailling: Dort trafen innerhalb von drei Tagen nach Versand der Benachrichtigungen an die 5500 Wahlberechtigten schon 1300 Bestellungen der Briefwahlunterlagen ein. Von einem "großen Andrang" spricht Hauptamtsleiterin Sandra Sona, auch wenn sich erst in den kommenden Tagen absehen lasse, ob die große Nachfrage nach Briefwahlunterlagen bestehen bleibe. Das Interesse an der Briefwahl sei in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen, durch die Corona-Pandemie rechnet die Hauptamtsleiterin mit einem erneuten Zuwachs.

In Herrsching liegen für etwa 7700 Stimmberechtigte 5000 Briefwahlunterlagen bereit, die seit Mitte August angefordert werden können. Auch wenn fast zwei Drittel der Wähler in der Gemeinde sich entscheiden würden, ihr Kreuz schon vor dem Termin am 26. September zu machen, würde es ausreichen. Bei der vergangenen Bundestagswahl lag der Anteil der Briefwähler bundesweit noch knapp unter 30 Prozent. Auch bei der Einteilung der Wahllokale reagiert Herrsching auf einen anhaltenden Trend. Sechs Teams sind eingeteilt, um die Stimmzettel auszuzählen, die in den kommenden Wochen per Brief ankommen; die gleiche Anzahl wertet die Zettel aus, die erst im Wahllokal ausgefüllt werden. Halbe-Halbe also.

In Starnberg werden seit gut zwei Wochen die Unterlagen für die Briefwahl verschickt. Mehr als 400 Anforderungen seien bislang im Rathaus eingegangen und postwendend erledigt worden, teilt Stadtsprecherin Lena Choi mit. Aktuell gibt es nach ihren Angaben in Starnberg etwas mehr als 16 600 Wahlberechtigte.

In Gauting rechne man mit bis zu 6000 Briefwählern, teilt Rathaussprecher Andreas Röming mit. Das wären dann etwa 40 Prozent der knapp 14 300 Wahlberechtigten. Eine genaue Zahl, wie viele ihre Unterlagen schon angefordert haben, liege aber nicht vor. Der Versand beginne an diesem Donnerstag.

In Gilching sind an 13 200 Bürger die Wahlzettel verschickt worden, die noch in dieser Woche eintreffen. Online seien bereits mehr als 600 Briefwahlunterlagen angefordert worden, berichtet Tobias Baumann, Leiter des Wahlamtes. Das sei aber sicher nur der Anfang. Wer weder per Post noch online die Unterlagen beantragen wolle, könne diese im Rathaus abholen. Es sei auch möglich, mit Handy und QR-Code die Unterlagen zu beantragen, teilt das Rathaus mit. Die Gilchinger können in acht Wahllokalen ihre Stimmen abgeben, die allesamt barrierefrei seien, so Baumann.

"Wir haben jetzt schon den Stand der Gesamtanzahl an beantragten Briefwahlunterlagen der letzten Bundestagswahl vor vier Jahren erreicht", erklärt Sebastian Görlitz, Wahlleiter der Gemeinde Weßling. Seit zwei Wochen verschickt die Gemeinde die Briefe, bisher schon etwa 1400. Für die 4100 Wahlberechtigten der Gemeinde stünden sechs Wahllokale und vier Briefwahlbezirke zur Verfügung. Außerdem seien insgesamt 68 Wahlhelfer im Einsatz. Wahlleiter Görlitz rechnet auch dieses Jahr mit einer hohen Wahlbeteiligung, bei der zurückliegenden Bundestagswahl lag diese bei 88 Prozent.

In der Gemeinde Andechs seien die Wahlbenachrichtigungen vergangenen Freitag und Samstag verschickt worden. Laut Wahlleiter Peter Kirchbichler wurden außerdem bisher etwa 500 Briefwahlunterlagen verschickt. In der Gemeinde lebten ungefähr 2600 Wahlberechtigte, für die 36 Wahlhelfer in vier Wahllokalen und zwei Briefwahlbezirken im Einsatz seien. In Tutzing sind etwa 7100 Einwohner aufgefordert, ihre Stimme abzugeben. Bislang sind schon 1600 Bestellungen für Briefwahlunterlagen eingegangen, teilt Bürgermeisterin Marlene Greinwald mit. Wahlzettel könnten auch vor Ort im Leseraum des Rathauses ausgefüllt werden.

Bei der letzten Bundestagswahl 2017 hatten laut Bundeswahlleiter 28,6 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme per Brief abgeben. In diesem Jahr wird nicht zuletzt wegen der Corona-Pandemie mit noch mehr Briefwählern gerechnet. Erfahrungen mit reinen Briefwahlen gibt es im Landkreis schon. Als zum Pandemiebeginn im März 2020 in einigen Gemeinden nach der Kommunalwahl Stichwahlen nötig wurden und zudem die Entscheidung bei der Landratswahl noch ausstand, konnten die Bürger ausschließlich per Briefwahl abstimmen. Das klappte trotz akuter Corona-Krise reibungslos.

"Wer in der nächsten Zeit noch in den Urlaub fährt, der holt sich seine Briefwahlunterlagen am besten persönlich in der Gemeinde ab und füllt sie gleich dort aus", empfiehlt die Kraillinger Hauptamtsleiterin Sona. Diese sogenannte Briefwahl an Ort und Stelle soll laut bayerischem Wahlleiter in allen Gemeinden ohne vorherige Terminabsprache möglich sein, zu den auf der Wahlbenachrichtigung aufgedruckten Sprechzeiten. Dafür sollen Räume zur unbeobachteten Stimmabgabe in jeder Gemeinde zugänglich sein. Die Wahlbriefe werden unter Verschluss gehalten und erst am Wahltag an den zuständigen Briefwahlvorstand zur Stimmauszählung übergeben.

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