KatastrophenschutzWie sich Starnberg fürs Schlimmste wappnet

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Vor dem Landratsamt präsentiert die DLRG den Einsatz von Drohnen in der Luft und unter Wasser: Benjamin Otto (DLRG), Besucher Pascal Untch, Sascha Hartmann (DLRG) und Dima Uber (von links).
Vor dem Landratsamt präsentiert die DLRG den Einsatz von Drohnen in der Luft und unter Wasser: Benjamin Otto (DLRG), Besucher Pascal Untch, Sascha Hartmann (DLRG) und Dima Uber (von links). Nila Thiel
  • Der Landkreis Starnberg präsentiert beim Infotag für Krisenvorsorge Einsatzmittel wie Drohnen mit Wärmebildkameras und eine Wasseraufbereitungsanlage für Notfälle.
  • Katastrophenschutzplaner Roland Schwankhart warnt, dass der Landkreis im Krisenfall nicht alle 140.000 Einwohner versorgen kann und private Vorsorge wichtig ist.
  • Der Landkreis baut das Sirenennetz wieder auf und setzt auf Amateurfunker, die bei Ausfall von Internet und Telefon Verbindungen nach außen herstellen können.
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Amateurfunker, Drohnen mit Wärmebildkamera, eine Wasseraufbereitungsanlage und ein paar Dosen Ravioli: Beim Infotag für Krisenvorsorge und Bevölkerungsschutz geht es um Abläufe und Reserven für den Ernstfall.

Von Patrizia Steipe, Starnberg

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„Achtung Angriff!“, ruft eine Frau, als eine Drohne auf der Wiese hinter dem Starnberger Landratsamt aufsteigt. Ein Scherz. Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) führt an diesem Nachmittag kein Kriegsgerät vor. Das mit einer 4K-Wärmebildkamera ausgestattete Fluggerät dient der Personensuche, erklärt Walter Kohlenz, Vorstandsmitglied der DLRG Pöcking-Starnberg.

Beim Infotag für Krisenvorsorge und Bevölkerungsschutz am Landratsamt geht es um Blackouts, Naturkatastrophen, Terror und auch den Ernstfall Krieg. Die zentralen Fragen lauten: Wie bereitet sich der Landkreis auf Krisen vor und was können Bürgerinnen und Bürger selbst leisten?

Die Drohne, die Kohlenz vorführt, hatte einen ihrer jüngsten Einsätze bei einem Wald- und Wiesenbrand in Feldafing. Daneben zeigt er eine Unterwasserdrohne. „Sie kann Personen bis in zehn Metern Tiefe erkennen.“ Auf der Wiese demonstrieren Rettungsdienste, wie sie helfen können, wenn Menschen vermisst werden, Wasser verseucht ist oder die Kommunikation ausfällt.

Neben der DLRG präsentieren Feuerwehr, Technisches Hilfswerk (THW), Wasserwacht und Bayerisches Rotes Kreuz (BRK) ihre Fahrzeuge und Ausrüstungen. Dima Uber und Pascal Untch lassen sich die Technik erklären. Die beiden jungen Männer sind mit dem Fahrrad aus München gekommen. Sie lernen etwas über die Funktion einer Wärmebildkamera, die richtige Herzdruckmassage, erforderliche Notvorräte und erfahren: Krisenvorsorge beginnt Zuhause.

Im Ernstfall kann der Landkreis nicht alle 140 000 Einwohner versorgen

In wenigen Wochen soll der Landkreis Starnberg ein sogenanntes CBRN-Fahrzeug erhalten, das chemische, biologische, radiologische und nukleare Gefahren erkennen und messen kann. Auch das gehört zur Realität: Krisen sind nicht etwas, das nur anderswo passiert.

„Wir wollen keine Angst machen“, beruhigt Roland Schwankhart, der Katastrophenschutzplaner des Landkreises. Aber: „Ich bin zum Negativdenken angestellt“, sagt er und lacht. Das bedeutet, dass er Szenarien durchdenkt, auf die der Landkreis vorbereitet sein muss: Stromausfälle, Unwetter, großflächige Schäden, Ausfall kritischer Infrastruktur. Und er erklärt den Besuchern, wo staatliche Hilfe an ihre Grenzen stößt. „Im Krisenfall kann der Landkreis keine 140 000 Menschen versorgen“, mahnt er. Deshalb sei private Vorsorge wichtig. Wer einige Tage allein zurechtkommen muss, braucht Wasser, Lebensmittel, Medikamente und Licht, und wer flüchten muss, sollte seine Dokumente und Bargeld parat haben.

„Ich bin zum Negativdenken eingestellt“: Roland Schwankhart, der Katastrophenschutzplaner des Landkreises (rechts), erklärt Landrat Stefan Frey die Einsatzplanung in Krisensituationen.
„Ich bin zum Negativdenken eingestellt“: Roland Schwankhart, der Katastrophenschutzplaner des Landkreises (rechts), erklärt Landrat Stefan Frey die Einsatzplanung in Krisensituationen. Nila Thiel

Checklisten des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, die im Landratsamt ausliegen, empfehlen beispielsweise für einen Drei-Personen-Haushalt 60 Liter Wasser für zehn Tage, ein Solar-Radio, Medikamente und Notgepäck. Auf einem Tisch sehen Besucher Beispiele: Ravioli- und Fleischkonserven, ein Solar-Handy, ein Gaskocher, Schlafsäcke, Verbandsmaterial. Auch Treibstoff spielt eine Rolle: Im Tanklager Krailling lagern unterirdisch Millionen Liter für Einsatzfahrzeuge in Krisenzeiten, weiß Schwankhart.

Besonders stolz ist er auf die einzige Wasseraufbereitungsanlage des THW in Bayern. Sie ist in Starnberg stationiert. THW-Mitglieder haben sie auf der Ausstellungswiese aufgebaut. Sie besteht aus großen Wasserbecken aus Stangen und Planen, neun Modulen und 48 Kisten. Die Anlage macht aus etwa 15 000 Litern Schmutzwasser pro Stunde hygienisch einwandfreies, geruchs- und geschmacksneutrales Trinkwasser. Das reicht für etwa 20 000 Menschen am Tag. Das Wasser durchläuft mehrere Stationen. Auf den Modulen stehen Begriffe wie Aktivkohlefiltration, Membranfiltration, Reinwasserbehandlung und UV-Anlage. „Am Ende wird aus verunreinigtem Wasser Trinkwasser – ganz ohne Chemie“, erklärt ein THW-Mitarbeiter.

Die Wasseraufbereitungsanlage kam bereits beim Hochwasser in Simbach zum Einsatz. Dass sie in Starnberg stationiert ist, heißt nämlich nicht, dass sie nur hier verwendet wird. Über die Rettungsleitstellen wird sie für Krisengebiete angefordert. „Heute gibt es viermal so viele Naturkatastrophen wie vor 50 Jahren“, sagt Schwankhart.

Notversorgung auf Knopfdruck: Martin Knispel und Monika Kothmayr vom THW erkären Richard und Andrea Wimmer aus Starnberg die Funktionsweise der Trinkwasseraufbereitungsanlage.
Notversorgung auf Knopfdruck: Martin Knispel und Monika Kothmayr vom THW erkären Richard und Andrea Wimmer aus Starnberg die Funktionsweise der Trinkwasseraufbereitungsanlage. Nila Thiel
Technik zum Ausprobieren: Martin Möller und Urs Schmid vom Starnberger Kreisverband der Wasserwacht zeigen Bürgerin Maria Pain, wie eine Taucherausrüstung mit Kommunikation funktioniert.
Technik zum Ausprobieren: Martin Möller und Urs Schmid vom Starnberger Kreisverband der Wasserwacht zeigen Bürgerin Maria Pain, wie eine Taucherausrüstung mit Kommunikation funktioniert. Nila Thiel

Aber was ist überhaupt eine Katastrophe? „Dass die deutsche Mannschaft bei der WM ausgeschieden ist, jedenfalls nicht“, scherzt Schwankhart. Auch nicht jeder Unfall oder jedes Zugunglück. Eine Katastrophe beginnt, wo Leben, Gesundheit oder Lebensgrundlagen vieler Menschen bedroht sind. Als Beispiele nennt Schwankhart das Hochwasser im Ahrtal, den Waldbrand auf dem Saurüsselkopf, die Maul- und Klauenseuche in Norddeutschland oder den Blackout in Berlin. Terror und Krieg zählen selbstverständlich ebenfalls dazu. Die Definition ist wichtig, weil sie den Einsatzkräften im Katastrophenfall erweiterte Befugnisse gibt, etwa Betretungsverbote auszusprechen. Aufgabe der Katastrophenschutzbehörde ist, die kritische Infrastruktur zu sichern: Energie, Wasser, Kommunikation, medizinische Versorgung und Rettungsdienste.

Auch das Warnen der Bevölkerung gehört dazu. „Wir bauen derzeit das Sirenennetz wieder auf, das wir bis zum Kalten Krieg hatten“, sagt Schwankhart. Der Warnton ist ein einminütiger, an- und abschwellender Sirenenton. „Dann bitte Radio anschalten.“ Ein einminütiger Dauerton bedeutet hingegen Entwarnung.

Im Ernstfall sind Amateurfunker die einzige Verbindung zur Außenwelt

Schwankhart zeigt das internationale Schutzzeichen des Bevölkerungsschutzes: ein blaues Dreieck in einem orangefarbenen Kreis. Es markiert schützenswerte Gebäude, Einsatzkräfte, Fahrzeuge und Zivilschutzräume. Zugleich zeigt es der Bevölkerung, wo sie im Ernstfall Hilfe, Informationen, Strom, Aufenthaltsräume und medizinische Versorgung bekommt.

Neben Behörden und den 44 Feuerwehren im Landkreis haben auch Amateurfunker eine wichtige Funktion. In Oberbayern gibt es etwa 2000, die laut Satzung im Krisenfall helfen. Alfred Artner, Notfunkreferent im Deutschen Amateur-Radio-Club, ist einer von ihnen. „Wir dürfen Sendeanlagen selbst aufbauen“, erklärt er. Das ist wichtig, wenn Internet und Telefon ausfallen. „Wenn nichts mehr geht, Notfunk geht immer“, zitiert Artner das Motto der Amateurfunker. Sie können Verbindungen nach außen herstellen, wenn die üblichen Netze nicht mehr funktionieren. „Welfare Traffic“ nennen die Funkamateure diese Form der Nachbarschaftshilfe. Im Ernstfall könnte das die einzige Verbindung für Hilferufe, Lageberichte und Nachrichten an die Außenwelt sein.

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