Allein schon die Vorstellung ist absurd: Tausende von Besuchern, die sich von Alpenkulisse, See und Blumen inspirieren lassen möchten, pilgern durch Baustellen, Busse halten zwischen Baggern, Baumaschinen stehen am Ufer des Starnberger Sees. Dabei ist das Szenario mit Baustellen, Baggern und Baumaschinen im Jahr 2032 gar nicht so nicht unwahrscheinlich, denn "die gemeinsamen Gespräche zur Umgestaltung des Seebahnhofs mit der Deutschen Bahn kommen sehr gut voran", teilte Starnbergs Bürgermeister Patrick Janik (CSU, UWG, SPD, BLS) am Freitag mit. Und das bedeutet: Sollte sich die Stadt Starnberg demnächst tatsächlich mit der Deutschen Bahn auf einen machbaren Plan zum Thema "Seeanbindung" einigen können (Janik: "Wir sind auf extrem guten Weg"), könnte das Areal rund um den Bahnhof in zehn Jahren womöglich eine gigantische Baustelle sein. Der Stadtrat hat daher in nichtöffentlicher Sitzung am Donnerstag beschlossen, die Bewerbung der Stadt zur Landesgartenschau für das Jahr 2032 sicherheitshalber auf 2037 zu verschieben.
Im Gremium herrschte Einigkeit: Baustelle und Gartenschau gehen nicht zusammen. Denn sollte das millionenschwere Projekt "Seeanbindung", bei dem es unter anderem um eine komplette Umgestaltung der Bahnanlagen geht, tatsächlich angegangen werden, wäre das Areal für Besucher alles andere als attraktiv. Janik hielt sich zwar zurück im Hinblick auf die laufenden Verhandlungen mit der Bahn, doch soviel ist klar: Allein die Bauzeit beträgt rund sieben Jahre, hinzu kommen vorab die Planungs- und Genehmigungsverfahren. Doch Bahnhofsbereich und Uferpromenade sind laut Janik das "Herzstück unser Bewerbung für die Landesgartenschau". Noch im vergangenen Jahr herrschte großer Optimismus im Rathaus, beide Projekte stemmen zu können. Doch angesichts des allzu eng gestrickten Zeitplans erschien den Verantwortlichen das Risiko zu groß, dass hier zwei Großprojekte kollidieren. Der Erkenntnisgewinn aus dem Fakten-Check: Das macht keinen Sinn. Die Starnberger ziehen daher ihre "Bewerbung für 2032 zurück und streben nun eine Bewerbung für die Austragung der Landesgartenschau 2037 an", erklärte Janik. Dann feiert Starnberg auch sein 125-jähriges Stadtjubiläum.
Mit Blick auf die großen Zukunftsvorhaben der Stadt - die Gewerbegebiete Schorn und "Moosaik", Einheimischenmodell Wiesengrund, Musikschule, Bayerischer Hof und Schlossberghalle oder auch der Bau des B2-Tunnels - dürfte die Absage insbesondere die Stadtverwaltung merklich entlasten. Gleichwohl legt Janik Wert auf die Feststellung, dass der bisherige Einsatz keineswegs umsonst gewesen sei: In zwei Online-Bürgergesprächsrunden unter Beteiligung professioneller Experten war eine Vielzahl von Anregungen für eine Landesgartenschau zusammen gekommen. "Sämtliche Arbeitsergebnisse, Bürgerprotokolle und Eindrücke aus dem Bewerbungsprozess sind gesichert", sagte Janik, "und bleiben erhalten für eine mögliche Austragung im Jahr 2037". Bisher investierte die Stadt rund 100000 Euro in die Planungen, die nun aber - zumindest auf absehbare Zeit - in der Schublade landen.
Janik zieht aus dem bisherigen Prozedere einen positiven Schluss: Der bisherige Bewerbungsprozess und die Auseinandersetzung mit der Stadtentwicklung habe "unser wertvolles Potenzial als Stadtgesellschaft" gezeigt: Die Planung habe "den Zusammenhalt in Starnberg deutlich gestärkt und Lust auf das Projekt geweckt". Darauf könnten Bürger, Stadtverwaltung und Stadtrat "unglaublich stolz" sein.