„Wo Menschen zusammen kommen, muss man mit Wundern rechnen.“ Diesen Satz von Hannah Arendt stellte die Starnberger Kulturveranstalterin Elisabeth Carr über die Benefiz-Gala zum Jubiläum ihrer „Kunsträume am See“. Er könnte aber auch als Motto über den zwanzig Jahren stehen, in denen sie 250 verschiedene Orte rund um den Starnberger See als „Kunsträume“ öffnete und diese mit mehr als 500 Künstlern bespielte.
Vor zwanzig Jahren hatte Elisabeth Carr, Gestalttherapeutin und Mutter von sechs Kindern, zusammen mit ihrer Nachbarin Ariane von Hofacker die Idee zu einer Reihe von Veranstaltungen in verschiedenen Räumen. Dass daraus zwanzig erfolgreiche Jahre werden würden, hätte sie sich wahrscheinlich damals nicht träumen lassen, zumal Ariane von Hofacker sich wegen anderer Verpflichtungen bald zurückzog.
Mit leichter Hand öffnete Elisabeth Carr immer wieder Orte, die lange im Verborgenen geschlummert und nur auf ihre Erweckung als Kunstraum gewartet hatten. Sie war es, die vor Jahren den Charme des holzgetäfelten „Wartesaals für allerhöchste Herrschaften“ im historischen Starnberger Bahnhof entdeckte, der damals noch mit dem Duft von Pommes-Frites-Fett geschwängert war und zuletzt der benachbarten Gaststätte als Abstellkammer gedient hatte. Sie war es auch, die den damaligen Bürgermeister Ferdinand Pfaffinger davon überzeugen konnte, den einst für Ludwig II. eingerichteten Salon für Kulturveranstaltungen nutzen zu dürfen.
Ihr Publikum folgte ihr nicht nur zum literarischen oder musikalischen Lustwandeln auf die Roseninsel, es drängte sich auch bei ihren Vorlesestunden im „Kaufhaus Biller“ an der Starnberger Hauptstraße rund um die Biedermeier-Ladentheke. Weder der Katastrophenschutzbunker im Keller des Landratsamts noch die Tauchplattform der Bundeswehr auf dem See oder der Starnberger Wertstoffhof waren vor Carrs kreativen Veranstaltungsideen sicher. Immer wieder schuf sie neue Konstellationen aus Menschen, Taten und Orten. Und mit ebenso leichter Hand übernahm sie die Organisation bestehender Reihen wie den „Literarischen Herbst“ oder die „Tutzinger Brahmstage“.
Bereits 2012 hatte Elisabeth Carr den Tassilo-Preis der Süddeutschen Zeitung erhalten, im Jahr 2023 wurde sie für ihr Engagement mit einem Anerkennungspreis des Landkreises Starnberg ausgezeichnet. „Du hast Kultur im Blut“, sagte denn auch Landrat Stefan Frey in seinem Grußwort am Samstagabend. Kunst sei für Elisabeth Carr nichts „Elitäres“, betonte auch die Moderatorin des Abends, Julia von Miller, sie gehöre vielmehr zu den Menschen, „die wissen, wie man Gesellschaft in Gemeinschaft verwandeln kann“. Und Starnbergs dritte Bürgermeisterin Christiane Falk ergänzte: „Du schaffst Verbindungen und hast eine Institution geschaffen, die sich in Starnberg fest etabliert hat.“



Elisabeth Carr selbst, die sich bei ihren Mitstreitern, bei ihrem Team und nicht zuletzt bei ihrer Familie bedankte, betonte, dass Kulturarbeit auch soziale Arbeit sei, und zitierte in diesem Sinn die Publizistin Hannah Arendt. Ans Aufhören denkt sie auch nach zwanzig Jahren noch lange nicht. Vor zwei Jahren hatte sie „Klima Kunsträume“ mit einer Veranstaltungsreihe zum Klimaschutz gegründet. „Und so machen wir weiter“, versprach sie, und zwar „in gegenseitigem Respekt und in Freiheit, das ist unverhandelbar.“

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Für die Gala hatte Carr am Samstagabend wieder einmal die Starnberger Schlossberghalle zum „Kunstraum“ gemacht. Das Publikum war zum Spenden zugunsten des Kinderschutzbunds Starnberg aufgefordert. Aber nicht nur die Besucher ihrer Veranstaltungen sind langjährige Wegbegleiter, sondern auch die Künstler, die sie immer wieder engagiert und die nun für den Benefizabend auf ihre Gagen verzichteten.
Mit dabei waren neben der Sängerin Julia von Miller das Musikerpaar Esther Schöpf und Nobert Groh, der Cellist Graham Waterhouse, das Jazzduo Max Grosch und Matthias Bublath, die Sprecherin Laura Maire, der Schauspieler und Sprecher Peter Weiß, der Musikkabarettist und Autor Josef Brustmann, die Medienkünstlerin Manuela Hartel, die Fotografin Ulrike Mertz und das Catering-Team des Tutzinger Gymnasiums. Besonders berührend aber war am Ende die Rede, die Cedric Carr seiner Mutter hielt. Er dankte ihr dafür, dass sie immer für alle da war. Und auch jetzt feiere sie nicht sich selbst, sondern setze sich für eine kindergerechte Zukunft ein.

