"Gegen den Kulturstrom kann man nicht schwimmen", soll einst der schwedische Schriftsteller August Strindberg (1849 - 1912) erklärt haben, "doch man kann sich an Land retten". Eine Rettungsaktion vor allem in finanzieller Hinsicht hat der Starnberger Stadtrat der Kreisstadt schon im Vorjahr verordnet: Nachdem die Zuschüsse im Kulturbereich unter seiner Vorgängerin geradezu inflationär auf eine sechsstellige Summe gestiegen waren, deckelte Bürgermeister Patrick Janik (CSU, UWG, SPD, BLS) die Ausgaben für Zuschüsse im Kulturbereich auf 90 000 Euro. Eine Grenze, die angesicht der angespannten städtischen Finanzlage auch dieses Jahr wieder gilt: In erwarteter Eintracht segnete der Kulturausschuss am Montag ein Paket ab, das knapp unter der Zielmarke blieb - allerdings mit einigen Abstrichen, die nicht allen Antragstellern gefallen dürften.
Insgesamt 15 gemeinnützige Vereine, Verbände und Künstler hatten für das laufende Haushaltsjahr ihre Ansprüche gemäß der "Richtlinie zur freiwilligen Förderung der kulturellen Arbeit" angemeldet, in Summe 108 619 Euro. Es musste also gestrichen werden. Den meisten Anträgen - insbesondere den "kleineren" Posten - stimmte der Ausschuss ohne Wenn und Aber zu. Die größte Fördersumme erhält wie im Vorjahr das Fünf-Seen-Filmfestival (FSFF): Zuschuss (25 000 Euro), Technik (10 000) und städtischer Filmpreis "Junge Perspektive" (3000) ergeben ein 38 000-Euro-Paket. Doch es gab auch Verlierer an diesem Abend. Dazu zählt etwa ein Filmprojekt von Silvia Maria Schropf, die erstmals 8000 Euro für ein Kamera- und Audiotraining für Jugendliche beantragt hatte. Insgesamt zwölf Videofilme sollten entstehen, die zunächst im Kino, dann auf Youtube hätten gezeigt werden sollen. Dem Kulturbüro erschien das Projekt als unzureichend, der Ausschuss lehnte ab.

Finanzielle Abstriche in Höhe von 2000 Euro musste der Verein Musica Starnberg für zwei Konzerte in Starnberg hinnehmen. Und auch die renommierten "Starnberger Musiktage" erhalten weniger Geld: Statt der beantragten 15 000 Euro erhält der Veranstalter für das Klassik-Programm - ebenso wie vom Landkreis - "nur" 8000 Euro. Erhöhten Gesprächsbedarf verspürte Bürgermeister Janik bei der Stadtkapelle Starnberg, die insgesamt 5000 Euro für Einzelleistungen, Frühjahrs- und Herbstkonzert, Noten, Feiern, Trachten und auch ein Probenwochenende beantragt hatte, das allerdings nicht förderfähig ist. Das Gremium bewilligte 4000 Euro, wobei insbesondere Winfried Wobbe (UWG) auf die durchaus vergleichbare, aber wesentlich bescheidenere Blaskapelle Wangen verwies, die nur 2000 Euro für das Dirigentenhonorar und fünf Damen-Trachtenjacken beantragt hatte.
Die finanziellen Aufwendungen für Kultur in Starnberg sind damit nicht erschöpft: Auch die Stadt selbst plant und organisiert Veranstaltungen, die im weitesten Sinn kulturell sind - etwa die Kulturwoche, die "Nacht der langen Tafel", die "Französische Woche" oder "Starnberg bewegt". Die Stadt unterstützt neben den Kulturtreibende freiwillig auch Sport und Soziales. Ob es derart großzügig bleibt, ist abzuwarten. Bürgermeister Janik jedenfalls gab schon mal einen dezenten Hinweis auf die Finanzsituation der Stadt, die leider "kein unendlich gefülltes Füllhorn" besitze.
Kulturförderung Starnberg: Wer bekommt was?
Freunde von Dinard: 1000 Euro; Fünf-Seen-Filmfestival (Zuschuss, Technik, Filmpreis): 38 000; Kunsträume am See: 3500; Weitwinkel: 3000; Kunstverein Roseninsel: 2000; Offene Ateliers: 600; Werkstatt der Phantasie: 2000; Schauspielschule Schwarz: 2000; Tragaudion: 2000; Stadtkapelle Starnberg: 4000; Blaskapelle Wangen: 2000; Musica Starnberg: 5000; Starnberger Musiktage: 8000; Münchner Ruder- und Segelverein: 1800; Heimat- und Volkstrachtenverein: 6100; VHS Starnberg: 1619; Nutzungsüberlassung der Schlossberghalle für Vereine: 7300 Euro. Die Kolpingbühne Starnberg hatte ihren Antrag zurückgezogen.

