Kreuzfahrtmesse in Starnberg:Mit voller Kraft voraus

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Kreuzfahrtmesse in Starnberg: Karen Schmidbauer (links) lässt sich von Reiseveranstalterin Birgit Schirmer beraten.

Karen Schmidbauer (links) lässt sich von Reiseveranstalterin Birgit Schirmer beraten.

(Foto: Arlet Ulfers)

Von Energie- und Klimakrise lassen sich die Besucher der Kreuzfahrtmesse ihre Schiffsreisen nicht vermiesen. Viele finden: Das Image der Branche ist schlechter als es Schiffe und Veranstalter verdient haben.

Von Sylvia Böhm-Haimerl

Ob Fahrten mit einem Eisbrecher, Expeditionen in die Antarktis oder ins Amazonasgebiet: Kreuzfahrtveranstalter verkaufen Träume, Luxus, Spaß und den Duft der großen weiten Welt. In Zeiten von Energie- und Klimakrise sind die Kreuzfahrtschiffe aber auch verschrien als Dreckschleudern der Meere. Auf der Kreuzfahrtmesse am Sonntag in Starnberg war von Kritik nichts zu spüren.

Nach zwei Jahren Zwangspause aufgrund der Corona-Pandemie wurden zwar erst 80 Prozent der Buchungen von 2019 erreicht. Aber "die Leute haben es sehr vermisst und brennen darauf" endlich wieder reisen zu können, sagt Veranstalterin und Inhaberin des Starnberger Reisebüros "Der Seereisenplaner", Birgit Schirmer.

In der Tat drängten sich die Besucher um die Stände der 17 Anbieter. Auch wenn viele angeben, im Alltag umweltbewusst zu leben, wollen sie sich die Freude an einer Kreuzfahrt nicht nehmen lassen. "Da dürfte man ja gar nichts mehr machen", sagt Ingeborg Gaiser. Vor der Pandemie hatte sie bereits an sieben Kreuzfahrten teilgenommen.

Man werde regelrecht süchtig danach, schwärmt sie. Zudem wird ihrer Meinung nach die Umwelt in vielen anderen Bereichen schlimmer verpestet. "Man kann es auch übertreiben", kommentiert auch Paul Faltermayr das Thema nachhaltiges Reisen. Er hat sich informiert und festgestellt, dass gerade die Kreuzfahrtveranstalter ihre Schiffe umgestellt haben auf LNG- (Flüssiggas) oder Hybrid-Antrieb.

Laut Reiseveranstalterin Schirmer stellen nur wenige ihrer Kunden Fragen zur Energieversorgung, da sie sich vorab meist im Internet informieren. Von insgesamt 40 000 Schiffen, die auf den Weltmeeren verkehren, nehmen die Kreuzfahrtschiffe nur den geringen Anteil von 0,6 Prozent ein und sind nach ihren Angaben "das Zugpferd in Sachen Innovation". Denn schon lange werde auf Schweröl oder Einweg-Kunststoffe verzichtet und Abwasser aufbereitet. Wie die Veranstalter auf der Messe erklären, sind während Corona viele alte Schiffe ausgemustert und die Neuanschaffungen mit alternativen Antrieben wie Batterien ausgestattet worden, sodass sie zumindest am Liegeplatz die Motoren ausschalten können und so Energie sparen. Wenn Landstrom genutzt wird, könnten 40 Prozent der Emissionen eingespart werden, erklärt Schirmer.

Mit Personalengpässen hat die Branche kaum zu kämpfen

Schirmer ist der Meinung, dass die Emissionen, die Kreuzfahrtschiffe ausstoßen, ins Verhältnis gesetzt werden müssten. Berechnen müsse man nicht nur die Fahrt von A nach B, sondern auch Hotelbetrieb, Entertainment, Wäscherei, Gastronomie und vieles mehr, erklärt sie.

Als positiv bewerten die Veranstalter auch, dass sie im Gegensatz zur Hotellerie oder Gastronomie keinen Mitarbeitermangel haben. Manche der kleineren Schiffe für 500 Personen haben ein 1:1-Verhältnis von Mitarbeitern zu den Reisenden. Beim Kreuzfahrtunternehmen Ozeanriesen werden immerhin 3000 Mitarbeiter für 6000 Reisende beschäftigt. Birgit Schirmer, die ihre Mitarbeiter ebenfalls dank der staatlichen Unterstützungen während der Pandemie halten konnte, führt diesen Umstand darauf zurück, dass die Kreuzfahrtveranstalter sehr gute Konditionen für ihre Beschäftigten bieten. Man habe Kost und Logis frei und müsse kein Geld ausgeben, sodass man mit dem Verdienst die Familie unterstützen könne, erklärt sie. Zudem sehe man etwas von der Welt.

Schirmer weiß, wovon sie spricht. Sie hat selbst auf einem Kreuzfahrtschiff gearbeitet und dabei die Welt umrundet. Positiv bewertet sie auch, dass Kreuzfahrten bei weitem nicht so teuer sind, wie manche glauben. Natürlich gibt es auch Expeditionen nach Grönland für mehr als 8000 Euro. Andere Angebote dagegen beginnen bereits bei etwa 3000 Euro für eine Woche. Ein besonderes Angebot gibt es auf dem englischen Schiff Queen Victoria: Dort kann man sich eine Auszeit von zwei Nächten nehmen und für 289 Euro von Hamburg nach Southampton fahren - inklusive Flug und Transfer.

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