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Starnberg:Klimaschutz ja - aber bitte mit Stil!

Ausstellung 'Kraftwerk Sonne'

Beim Aktionstag "Kraftwerk Sonne" in Weßling stellt Gerhard Hippmann das Lastenrad mit Elektroantrieb vor, mit dem er auch mit Anni und Mathilda spazieren fährt.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Der Landkreis propagiert mit seiner Solarkampagne den Umstieg auf E-Bikes und E-Autos. Im Fokus stehen dabei schicke High-Tech-Modelle.

Sie sehen schnittig aus, haben viel Power und sind noch dazu umweltfreundlich. Die Rede ist von Elektrofahrzeugen. Im Rahmen der Solarkampagne des Landkreises Starnberg und des Energiewendevereins konnten die Besucher bei einer Ausstellung vor dem Pfarrstadel verschiedene E-Bikes ausprobieren und Elektroautos besichtigen.

"Das ist der Mercedes unter den Pedelecs", sagte Gerhard Hippmann (Mobilitätswende Weßling) über die Sport-E-Bikes der Marke "Haibike". Den Motor der High-Tech-Gefährte hat die Seefelder Firma TQ entwickelt. "Er wird im ehemaligen Codello-Haus in Inning gebaut", erklärte Firmenchef Detlef Schneider, der mit seinem eigenen E-Bike mit TQ-Motor angefahren war. Was die Technik betrifft, so ist der Motor mit seinen 120 Newtonmetern so stark wie kaum ein anderer E-Bike-Antrieb, so Schneider. In Newtonmetern wird der Drehmoment angegeben, der Aufschluss über die Kraft gibt. Der Vorteil sei, dass man steilste Steigungen mühelos bewältigen könne. Wie das funktioniert, demonstrierte Schneider an einem Modell, das auf einem Stehtisch aufgestellt war. Der Clou ist das patentierte "Pin-Ring"-Getriebe, das stets die volle Kraft übertragen kann. Auch der Akku dieser Mountain-E-Bikes sei mit 850 Wattstunden besonders leistungsfähig.

Vor allem technikaffine Männer, die bereits E-Bikes fahren, wollten bei der Ausstellung die stylishen Räder ausprobieren. Sie unterscheiden sich auch rein optisch von den üblichen seniorengerechten E-Bikes mit tiefem Einstieg und sprechen eine ganz andere Zielgruppe an. Nach einer kleinen Einweisung schwangen sich einige Mutige auf das E-Bike. Dabei mussten die Vorführräder einiges aushalten. Zum Beispiel schlechtes Schalten, das sich in lautem Krachen äußerte. Wenn eine Fahrt gar zu lang dauerte, wurde Schneider nervös. "Hoffentlich ist niemand gestürzt. An die Power muss man sich erst gewöhnen". Es war aber nur die Begeisterung über das neue Fahrgefühl, das so manche Probefahrt verlängert hatte. "Macht unheimlich viel Spaß", erklärte Gemeinderat Michael Sturm nach seiner Spritzfahrt, der extra in Helm und Fahrradmontur gekommen war.

Rasen kann man mit den für den Straßenverkehr zugelassenen Elektro-Rädern allerdings nicht. Ab 25 Stundenkilometern schaltet die Motorunterstützung ab. Ab dieser Geschwindigkeit würden im Straßenverkehr auch andere Regeln gelten, zum Beispiel, dass man nicht mehr auf dem Radweg fahren darf. Ein Speed-Pedelec ist bis zu 45 Stundenkilometern schnell. Im Racemodus, der aber auf öffentlichen Straßen nicht erlaubt ist, können solche E-Bikes um die 65 Kilometer pro Stunde erreichen. "Frisieren" wie beim Mofa gehe nicht. "Das erlaubt die Software nicht", versichert Schneider. Die Technik hat ihren Preis: Rund 6000 Euro muss man für solche High-Tech-Räder hinlegen.

6000 Euro hat auch das Lastenrad "LaRa 1" gekostet, das die Nachbarschaftshilfe Weßling zum Ausleihen vor drei Jahren angeschafft hat. "Es ist fast immer ausgebucht", so Hippmann. Man habe sich beim Kauf bewusst für ein besonders schickes teures Modell entschieden. "Im Landkreis Starnberg muss alles cool sein, damit es angenommen wird", erklärte er. Ein wenig ungewohnt ist es, das Gleichgewicht auf dem nach vorne hin verlängerten Radl mit seiner Transporteinheit zu halten. "Mehr Schwung nehmen", ruft Hippmann einer Fahrerin zu. Mit ein paar Handgriffen kann übrigens ein Gurt- und Sitzsysten für den Transport von zwei Kindern installiert werden. "Die Kinder können super nach vorne schauen, das macht denen richtig viel Spaß", weiß Hippmann.

Ein paar Schritte daneben stand ein gelber Sportflitzer der Marke Tesla. Es ist der 150. Tesla Roadster, erklärte Ralph Kühn. "Der lässt an der Ampel jeden Porsche stehen und ist dabei weder laut noch stinkt er", schwärmt der Besitzer. Der Weßlinger hat den Roadster seit sieben Jahren. "Das ist mein Schönwetterauto, eine Liebhaberei von mir", erklärt er. Der niedrige Einstieg ist für Menschen mit langen Beinen gewohnheitsbedürftig. Kühn ist aber mittelgroß und kann sich elegant hinter das Steuer klemmen. Um Strom zu sparen, cruist er gemütlich über die Landstraßen und Autobahnen. Dann schafft er 350 Kilometer ohne aufladen zu müssen. Angesichts der positiven Erfahrungen mit seinem E-Flitzer möchte Kühn jetzt seinen Familienkombi durch ein E-Auto ersetzen. "Ein fantastisches, himmlisches Fahrgefühlt", wirbt Ernst Deiringer (Energiewende Seefeld), der schon seit Jahren elektrisch fährt. Sein Renault Zoe ist ein relativ kleines Auto, das er für 20 000 Euro gekauft hat. Den Akku least er für 80 Euro im Monat. "Den kann ich austauschen, wenn die Leistung schwächer wird". Getankt wird zuhause. Deiringer hat eine Solaranlage, mit der er nicht nur den Strom für seinen Haushalt erzeugt, sondern auch Strom für 13 000 Kilometer mit seinem E-Auto. Die nächsten Solartage des Landkreises finden im September in Pöcking, im Oktober in Inning und im November in Berg statt.