"Fridays for Future" im Fünfseenland Direktoren drohen Schulschwänzern mit Verweisen

"Fehlstunden verkraftet man, Klimawandel eher nicht": Am Freitag steigt in München eine Demo mit Bands - diesmal um elf Uhr am Odeonsplatz.

(Foto: Stephan Rumpf)

Am Freitag steht der internationale Streiktag für Klimaschutz an. Tausende Jugendliche werden in München erwartet. Doch die Toleranz ist in vielen Gymnasien am Ende.

Von Blanche Mamer

Tausende Schüler werden wieder für das Klima auf die Straße gehen und den Unterricht schwänzen. An diesem Freitag steht der internationale Schulstreik mit Demonstrationen in 90 Ländern an, in München steigt eine Großveranstaltung mit mehreren Bands. Die Gymnasien im Fünfseenland gehen ganz unterschiedlich mit den "Fridays for future"-Demos und den verpassten Stunden um - denn das liegt im Ermessen des jeweiligen Schulleiters. Einige drohen mit Verweisen.

"Das Interesse liegt im Tabubruch", sagt Elmar Beyersdorfer, Direktor am Landschulheim Kempfenhausen. "Wenn wir die Schüler ernst nehmen, müssen wir das Schuleschwänzen sanktionieren, selbst wenn wir ihr Anliegen eigentlich gut finden", sagt er. Die Aufmerksamkeit, die die Demos in der Öffentlichkeit bekommen, sei eng verbunden mit der Zeit, in der sie stattfinden. Wären sie nach Schulschluss würden sie nicht so viel Beachtung finden. Bei der ersten Demo habe er die Möglichkeit zur Teilnahme gegeben, falls die Eltern einen Antrag auf Unterrichtsbefreiung gestellt hätten. Das sei eine Ausnahme gewesen, die Schüler hätten das akzeptiert, es habe keine signifikanten Fehlstunde mehr gegeben. "Interessant wird es, wenn Schüler Proben oder Leistungsnachweise verpassen."

Sylke Wischnevsky, Direktorin des Otto-von-Taube-Gymnasiums in Gauting, berichtet von einem ähnlichen Ansatz. "Für die Demonstration am 1. Februar hatte die Schulleitung im Konsens mit der Schulfamilie eine einmalige Befreiung vom Unterricht ermöglicht. An diesem Freitag gilt das jedoch nicht. Ich hoffe, dass die Schüler das verstanden haben", sagt sie. Die Aussage von Schülern, per Durchsage sei mit verschärften Verweisen gedroht worden, will sie so nicht stehen lassen. Es werde nie über die Aktionen zum Klimaschutz gesprochen, sondern immer nur über die Reaktion darauf, kritisiert sie. Das Gymnasium sei im Rahmen des europaweiten Erasmus-Programms federführend, für Freitag sei ein Klimatag mit Arbeitsgruppen, Projekten und Workshops vorbereitet worden. "Damit kommen wir den Forderungen der Jugendlichen entgegen und hoffen, dass die Schüler nicht nur die Versäumnisse anprangern, sondern ihr eigenes Verhalten in puncto Umwelt überdenken." Alle Entscheidungen, wie mit der Teilnahme an den Demonstrationen umgegangen werden solle, sei mit sämtlichen Gremien besprochen und gemeinsam getroffen worden.

Peter Meyer vom Christoph-Probst-Gymnasium in Gilching hat jedem Schüler die einmalige Teilnahme an einer Demonstration erlaubt - auf Befreiungsantrag der Eltern. "Ein zweites Mal geht nicht. Ein Schüler kam mit dem Anliegen zu mir, wieder frei zu bekommen, doch das habe ich abgelehnt. Falls er doch unentschuldigt fehlt, muss er mit einem Verweis rechnen." Ein Verweis bedeute, dass der Schüler in der Verhaltensbewertung nicht mehr die Beurteilung "vorbildlich" erhalte. An den vergangenen Demonstrationen hätten 211 Gilchinger Gymnasiasten teilgenommen, erläutert er. Für diesen Freitag lägen etwa 15 Anträge vor.

Für den Direktor des Tutzinger Gymnasiums, Bruno Habersetzer, ist die Teilnahme an den Schülerdemos kein großes Thema. Drei Schüler hätten sich für Freitag angemeldet. Sie werden dazu verpflichtet, am Klima-Dialog teilnehmen, der am Freitag, 29. März, von 16 bis 20 Uhr vom Landratsamt Starnberg angeboten werde. "Ich nehme das Anliegen der Schüler sehr ernst. Wir wissen alle, dass das Klima durcheinander ist. Allerdings ist die Schulpflicht ebenfalls wichtig, so dass man abwägen muss."

Beim ersten Protestmarsch sind laut Direktor Josef Parsch 85 Schüler des Starnberger Gymnasiums dem Aufruf gefolgt. Bei der zweiten Demo waren es noch 25, vor allem Zehntklässler und Schüler aus der Mittelstufe und einige aus der Unterstufe. Sie mussten an einem Workshop am Nachmittag teilnehmen und sich mit dem Thema Umweltschutz auseinandersetzen. "Man muss ehrlich sein. Die Schüler wollen Grenzen überschreiten, was heißt, dass man ihnen Grenzen setzen muss. Und das bedeutet dann auch Sanktionen." Was den Freitag angeht, so will er erst mal abwarten. Er fände es jedenfalls gut, wenn Jugendlichen und Eltern ihr eigenes Verhalten überdenken.

Auch am Ammersee-Gymnasium in Dießen mussten die Demonstranten am Nachmittag zwei Stunden nachsitzen und sich Gedanken zu Umweltschutz und Klimawandel machen. Das habe einen wirklich positiven Effekt, die Schüler hätten Ideen entwickelt und es habe sich eine Arbeitsgruppe gebildet, die konkrete Ziele für die Schule ausarbeiten will, sagt Direktor Alfred Lippl. Die AG werde an der Jugend-Klimakonferenz am Freitag, 5. April, in München teilnehmen. Und wenn Schüler am Freitag protestieren wollen, müssen sie das nicht um elf Uhr in München tun. Lippl verweist auf die Demo in Landsberg. Die beginnt erst um 14 Uhr.