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Fünfseen-Filmfestival:Hungrig nach Kino

Eröffnungsabend des Fünfseen-Filmfestivals

Die Eröffnung kann unter freiem Himmel stattfinden – manche Veranstaltungen fallen jedoch aus.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Die Veranstaltung feiert mit 14 000 Besuchern einen Riesenerfolg. Intendant Matthias Helwig will weitermachen - sucht aber neue Sponsoren.

Von Blanche Mamer

Eineinhalb Monate stand Starnberg ganz im Zeichen des Kinos. Erst vom 1. bis zum 23. August das Open-Air direkt am See, dann vom 26. August bis zum 9. September das 14. Fünfseen-Filmfestival in Starnberg, Gauting, Seefeld und Weßling. Am Mittwoch ging es zu Ende, Festivalleiter Matthias Helwig, sein Organisationsteam und auch die Filmfans atmen nun erst mal durch. Für Helwig sieht das so aus: ein langes Wochenende in den Bergen, ohne Kino, oder vielleicht doch ein Abstecher nach Venedig.

Das Festival war ein Riesenerfolg, mehr als 14 000 Besucher sind gekommen - und das, obwohl einige Open-Air-Veranstaltungen am See wegen des Wetters ausfallen mussten. Trotz schwieriger Zeiten und obwohl nur die Hälfte der Sitzplatzkapazität ausgelastet werden durfte, "hat die Publikumsresonanz all unsere Erwartungen übertroffen", so Helwig. Er hatte mit einem Drittel der Besucher vom vergangenen Jahr gerechnet, als 21 000 gekommen waren, und war in seinen kühnsten Hoffnungen von 10 000 ausgegangen.

Das Hygienekonzept sei aufgegangen. Die Besucher hätten sich an die Regeln gehalten, sagte Helwig. "Trotz der aktuellen Situation sind wir gewachsen und haben deutschlandweit in den Medien große Aufmerksamkeit bekommen." Man habe gemerkt, dass die Menschen nach der langen Abstinenz richtig hungrig danach gewesen seien, zusammenzukommen und Kultur zu erleben.

Helwig hatte um die 70 Regisseure, Schauspieler und Filmemacher für das Festival gewinnen können, um ihre Filme vorzustellen und Fragen des Publikums zu beantworten. Insgesamt gab es 340 Vorstellungen von insgesamt 164 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmen auf zusammen neun Leinwänden. Das Filmfestival endete mit einem krönenden Abschluss, als die Schauspielerin Juliane Köhler den Film "Kiss Me Kosher" von Shirel Peleg im Breitwand-Kino in Starnberg vorstellte. "Eine Komödie, die sehr politisch ist", wie sie sagte. Leider habe das Filmteam nicht aus Israel ausreisen dürfen, bedauerte sie.

Höhepunkt des Festivals war aber - auch für Helwig - das mitreißende Konzert der Jazz-Legende Klaus Doldinger im Kino in Gauting, der unter anderem mit der Titelmusik aus "Das Boot" das Publikum von den Stühlen gerissen hat. Weitere Spitzenevents dieses "Special Edition-Filmfestivals", wie Helwig es nannte, waren die Auftritte von Filmstar Lars Eidinger und von der neuen Hannelore-Elsner-Preisträgerin Nina Hoss bei einem unvergesslichen Moment mit kurzem Regenschauer auf dem Gelände des Seebads in Starnberg.

Besonders in Erinnerung bleiben auch die Weltpremiere von Pepe Danquarts "Vor mir der Süden" und der Gewinner des Fünfseen-Filmpreises, mit dem die fünfköpfige Jury aus Filmschaffenden und -publizisten den Schweizer Film "What you don't know about me" von Rolando Colla auszeichnete.

Und wie geht es weiter? Auch im kommenden Jahr soll es ein Filmfestival geben. Noch sind die Abrechnungen für das vergangene nicht abgeschlossen, die finanzielle Bilanz steht noch nicht. Helwig hofft jedoch, fürs kommende Jahr nicht nur mehr öffentliche Fördermittel locker zu machen, sondern er will auch versuchen, private Unterstützer zu gewinnen.

© SZ vom 12.09.2020

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