Politik und Wirtschaft:Der Mann fürs Grobe

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Politik und Wirtschaft: Kies, Steine, Erden: In der mittlerweile verfüllten ehemaligen Kiesgrube am Ortsrand von Hanfeld lagert die Firma Sedlmaier schon seit Jahren diverse Baustoffe - allerdings ohne Genehmigung.

Kies, Steine, Erden: In der mittlerweile verfüllten ehemaligen Kiesgrube am Ortsrand von Hanfeld lagert die Firma Sedlmaier schon seit Jahren diverse Baustoffe - allerdings ohne Genehmigung.

(Foto: Georgine Treybal)

Anton Sedlmaier ist ein streitbarer Unternehmer, der auch Stadt und Landkreis Starnberg schon viele Dienste erwiesen hat. Nun droht seiner Firma das Aus - wegen eines nicht genehmigten Lagerplatzes, der eigentlich ein Solarpark sein sollte.

Von Peter Haacke, Starnberg

Es ist nicht das erste Mal, dass der Starnberger Fuhrunternehmer Anton Sedlmaier, Spitzname "Toni", mit der Obrigkeit hadert. Doch jetzt geht es ans Eingemachte: Die Existenz seines 30-Mann-Unternehmens scheint ernsthaft gefährdet zu sein. Grund: ein etwa vier Hektar großes Areal nördlich der Mühlthaler Straße zwischen Hanfeld und Leutstetten, das von oben betrachtet wie eine klaffende Wunde in grüner Landschaft wirkt. Bis Anfang der 2000er-Jahre wurde hier Kiesabbau betrieben, seither nutzt die Sedlmaier GmbH das Areal als Lagerplatz - allerdings ohne Genehmigung.

Eigentlich hätte das Gelände längst rekultiviert sein und Starnbergs erster Solarpark dort stehen sollen. Doch daraus wurde nichts. Nun liegt die Sache beim Verwaltungsgerichtshof (VGH). Das Landratsamt möchte, dass der Lagerplatz so schnell wie möglich verschwindet. Doch ohne Lagerplatz - so argumentiert Sedlmaiers Rechtsanwalt - müsste der Eigentümer sein Unternehmen abwickeln und schließen.

Die Crux: Der Lagerplatz müsste eigentlich ein Solarpark sein

Zuletzt im Juli 2018 verfügte das Landratsamt eine Beseitigungsanordnung. Sedlmaier reichte dagegen Klage beim Verwaltungsgericht (VG) ein, die aber nach einem Ortstermin im Mai 2022 abgewiesen wurde. Erneut wehrte sich der streitbare Unternehmer. Er stellte auf nächsthöherer Ebene beim VGH einen Antrag auf Zulassung der Berufung. Der zuständige Richter machte deutlich: Eine Nutzung des Geländes als Lagerplatz ist gemäß Bebauungsplan - der sieht seit zehn Jahren einen Solarpark vor - rechtswidrig. Und so bleiben nur zwei Möglichkeiten: Entweder verschwindet der Lagerplatz. Oder der Bebauungsplan wird geändert - was einen Rattenschwanz an Bürokratie nach sich ziehen würde.

Der Bauausschuss der Stadt, der sich vergangene Woche mit der Causa befasste, tat sich nicht leicht mit der Entscheidung. Denn der 76-jährige Sedlmaier ist seit 1971 im Geschäft, in Starnberg gilt er als Institution: Wer ein Haus baut, Bauschutt transportieren muss, den Garten umgestalten lässt oder einen Swimmingpool im Garten haben möchte, wendet sich an Sedlmaier. Seit 50 Jahren ist er im Geschäft. Er weiß, wann er was für wen wohin gefahren hat. Auch die Stadt und das Landratsamt Starnberg zählten schon zur zufriedenen Kundschaft.

Das Unternehmen mit Sitz an der Petersbrunner Straße hat sich auf die groben Dinge spezialisiert. Sedlmaier, Freund großer Autos, unterhält eine Flotte mit zwölf Lastwagen, vier Ketten- und einem Radbagger. Im Angebot: Kies, Sand, Steine, Erden, Humus und Splitt, Erdarbeiten und -transporte, Abbruch, Entsorgung und Recyclingbewegungen. Mit einem Jahresumsatz von etwa fünf Millionen Euro zählt der Mittelständler zu den zuverlässigen Gewerbesteuerzahlern der Kreisstadt. Mit seiner rustikalen Art war Sedlmeier auch im Starnberger CSU-Ortsverband gern gesehener Förderer.

In Starnberg gilt Sedlmaier als Institution. Wer Schutt transportieren muss oder den Garten umgestalten will, landet bei ihm

2012 war der Bebauungsplan mit Aussicht auf Starnbergs erste Freiflächen-Photovoltaikanlage geändert worden. Schon damals hatte das Landratsamt verlangt, das Gelände wiederherzustellen, wegen des Solarprojekts hatte der Unternehmer diese Arbeiten aber verschoben. Doch bis heute erfolgte weder die Rekultivierung, noch existiert ein Solarpark. Laut Sedlmaier lag das am Projektentwickler, einem Unternehmer aus Franken: "Es gab Zwistigkeiten", sagt der 76-Jährige. Eine Schadenersatzklage am Oberlandesgericht gegen den ehemaligen Geschäftspartner sei noch immer nicht entschieden. Die Kiesgrube aber werde weiterhin als Lagerplatz benötigt.

Politik und Wirtschaft: Anton Sedlmaier, Unternehmer aus Starnberg, hat Ärger mit dem Landratsamt wegen seiner missbräuchlich als Lagerplatz genutzten ehemaligen Kiesgrube in Hanfeld.

Anton Sedlmaier, Unternehmer aus Starnberg, hat Ärger mit dem Landratsamt wegen seiner missbräuchlich als Lagerplatz genutzten ehemaligen Kiesgrube in Hanfeld.

(Foto: Peter Haacke)

Doch nicht alles, was dort landete, gehörte dort auch hin. Zwar beteuert Sedlmaier: "Alles was kommt, geht auch wieder." Im Oktober 2019 wurde er vom Landgericht wegen "versuchten unerlaubten Umgangs mit gefährlichen Abfällen" zu 17 Monaten Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe verurteilt. Seitdem gilt er als vorbestraft.

Dabei war es vor allem um 120 Kubikmeter Mineralwolle gegangen, die nach Abbrucharbeiten - angeblich unwissentlich - etwa ein Jahr lang illegal in Big Packs gelagert wurden. Und dann waren da diverse andere Verfahren: Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und wiederholtes Fahren ohne Führerschein. Der Chef des Transportunternehmens brauste fortan mit dem E-Bike durch die Gegend. Und die Starnberger CSU ließ ihn fallen.

Er ist vorbestraft. Dennoch sieht er sich als einer, der "51 Jahre lang sauber gearbeitet hat"

Gleichwohl genießt Sedlmaier, ein Mann mit aufbrausendem Wesen, weiterhin große Sympathien: als einer, auf den man sich verlassen kann und der für vieles eine Lösung hat. In seinem Büro findet sich neben Aktenordnern, Werkzeug und Miniaturmodellen von Muldenkippern, Baggern und einem geländegängigen SUV auch eine Ehrenurkunde: 50 Jahre Mitgliedschaft im Motorsportverein "Scuderia Starnberger See", Sedelmaier ist Club-Präsident. Er selbst bezeichnet sich als redlichen Geschäftsmann und Unternehmer, "der 51 Jahre lang stets sauber gearbeitet hat". Und an Aufträgen mangelt es ihm bis heute nicht.

Auch im Bauausschuss ist Wertschätzung für CSU-Mann Sedlmaier zu spüren, selbst bei Grünenchef Franz Sengl. Mehrheitlich beschließt das Gremium die erneute Änderung des Bebauungsplans mit dem Ziel der "planungsrechtlichen Sicherung eines Lagerplatzes". Das Verfahren wird Zeit in Anspruch nehmen, das wissen alle, und es wird Kapazitäten in der Verwaltung binden. Aber wie lange würde es dauern, den Lagerplatz aufzulösen? Was würde es bedeuten, wenn es die Sedlmaier GmbH nicht mehr gäbe?

Es ist ein Deal auf Zeit: Bis 31. Dezember 2026, kurz vor seinem 80. Geburtstag, will Sedlmaier noch weitermachen. "Dann ist Schluss", sagt er. Ob der Lagerplatz dann wieder in "Solarpark" im Bebauungsplan umbenannt wird, bleibt abzuwarten. Die Entscheidung aber, wie es in der ehemaligen Kiesgrube weitergeht, obliegt allein dem VGH. Wann es hier eine Entscheidung gibt, ist unklar.

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