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Starnberg:Kein Schiff wird kommen

Um Schwimmer zu schützen, legen in Dampfer in Berg nicht mehr an.

Benjamin Engel

Die Schiffe der Bayerischen Seenschifffahrt fahren derzeit aus Sicherheitsgründen nicht alle Stege am Starnberger See an. Der Anlass: Schwimmer halten sich direkt an den Stegen auf oder springen ins Wasser, sobald die Schiffe losfahren. Dabei könnten sie von der Schiffsschraube erfasst werden. "Die Sicherheit geht vor", sagt Schifffahrtsdirektor Walter Stürzl. Er hat Schilder an den Stegen aufstellen lassen, die Schwimmer auf die Gefahren hinweisen. Besonders betroffen sind Berg, Ambach und Bernried. Die Schwimmer werden aufgefordert, mindestens 100 Meter Abstand zu den Stegen zu lassen, sollte ein Linienschiff in der Nähe sein.

Abendstimmung am Starnberger See

Die Seenschifffahrt meidet so manchen Steg am Starnbeger See. Foto: Fuchs

(Foto: Franz X. Fuchs)

Besonders alarmiert fühlt sich Stürzl durch einen tödlichen Unfall am Millstätter See in Kärnten vor wenigen Tagen. Eine Schwimmerin war beim Baden in Stegnähe von der Schiffsschraube eines Linienschiffs erfasst und getötet worden. "Wir möchten nicht, dass auch hier so ein tragisches Unglück geschieht", heißt es deshalb auf den Warnschildern am Starnberger See.

Die Leute seien sich der Gefahr oft gar nicht bewusst, sagt Stürzl. Sie hielten sich teilweise sogar unter den Stegen auf, um nach dem Ablegen direkt in das Fahrwasser der Dampfer zu schwimmen. Da die modernen Schiffe größer und stärker motorisiert als früher seien, könnten Badende sehr leicht in die Schiffschraube gezogen werden. "Die Kapitäne können eigenverantwortlich entscheiden, ob sie die Landestege gefahrlos anfahren können", sagt Stürzl. Denn keiner von ihnen könne jederzeit das Umfeld des Schiffes vollständig im Blick behalten.

Stürzl appelliert an die Vernunft der Menschen und hofft, dass die Warnschilder zum Nachdenken veranlassen. Mehr bleibe auch gar nicht übrig, sagt er. Denn nicht einmal die Verbotschilder hielten manche vom Baden an den Landungsstegen ab. Einen Stegwart wie in Tutzing und Starnberg einzustellen, sei an den anderen Stegen nicht möglich. "Sie finden einfach niemanden mehr, der sich den ganzen Tag dort hinstellt, und außerdem ist es unwirtschaftlich." Die Wasserschutzpolizei sei an schönen Tagen mit der Situation überfordert. Fahrgäste hätten sich wiederholt beschwert, weil die Schiffe nicht überall angelegt haben, sagt Stürzl. "Die Leute wollten mitfahren oder aussteigen. Die Sicherheit ist aber wichtiger."

© SZ vom 09.08.2013

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