Starnberg Kein Preis für Zivilcourage

Landratsamt lehnt Vergabe ab. Kreisausschuss vertagt Antrag

Von Sabine Bader, Starnberg

Es gehört schon einiges dazu, für Schwächere, Diskriminierte und Minderheiten einzutreten, auch wenn dies niemand von einem verlangt hat. Bürgermut nennt man dies. Dass dieser Mut künftig vom Landkreis mit einer Medaille für Zivilcourage belohnt wird, das beantrage Kreisrat Peter Unger (Grüne) am Donnerstag in der jüngsten Sitzung des Kreisausschusses. "Es ist dringen notwendig, den persönlichen Einsatz für eine Zivilgesellschaft zu unterstützen, die auf Toleranz, soziales Engagement und Zivilcourage gründet", schreibt Unger in seinem Antrag. Die Medaille sei dafür ein symbolisches Zeichen, findet er. Sie solle regelmäßig alle drei Jahre an Personen oder Gruppen vergeben werden, die sich um den sozialen Frieden im Landkreis verdient gemacht haben. Die Medaille soll laut Unger der Kreistag auf Vorschlag eines Kuratoriums vergeben, das sich aus Vertretern wesentlicher gesellschaftlicher Gruppen und Verbände zusammensetzt.

Letztlich kommen die Verantwortlichen im Starnberger Landratsamt jedoch zu dem Schluss, dass die Verleihung einer Zivilcourage-Medaille mit einem enormen Verwaltungsaufwand verbunden wäre, den man derzeit mangels personeller und zeitlicher Ressourcen nicht leisten könne. Man sei darum an einige Akteure wie den "Starnberger Dialog" herangetreten, ob sie sich die Verleihung des Preises in eigener Regie vorstellen könnten, sagte Barbara Beck vom Landratsamt in der Sitzung. Der Landkreis würde in diesem Fall den Preis stiften und die Preisverleihung in seinen Räumen organisieren. Bisher, so Beck, habe sich aber noch keine Organisation gefunden. Man bleibe jedoch an der Angelegenheit dran.

Das ist Peter Unger erwartungsgemäß zu wenig. Er warf Landrat Karl Roth vor, er messe dem Thema zu wenig Bedeutung bei. Für den Markenprozess, die Neupositionierung als "Region StarnbergAmmersee" anstelle des Begriffs Fünfseenland, habe der Landkreis hingegen beispielsweise Geld und Personal. "Dieser Vorgang ist beschämend", so Unger. Roth verwies darauf, dass er Gründungsmitglied des Starnberger Dialogs sei. "Ich bin der Letzte, der bei diesem Thema kneift." Dennoch könne man den personellen Aufwand derzeit nicht stemmen. Der Kreisausschuss vertagte den Antrag.