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Installation:Das Starnberger Kanonenhaus wird abgerissen

Andreas Sarow vor seinem verbarrikadiertem Haus; Blickfang an der Starnberger Hauptstraße

Andreas Sarow kann sich über den Erfolg seiner "Letzten Bastion" freuen. Mit dem Projekt haben sich bayernweit Folgeaufträge ergeben.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Der Künstler Andreas Sarow baut "Die letzte Bastion" an der Hauptstraße wieder ab. Mitte September gibt es eine Finissage, danach will der Eigentümer auf dem Grundstück bauen.

Alles hat bekanntlich seine Zeit: Dieser Satz hat seine Gültigkeit auch für "Die letzte Bastion" in Starnberg - eine Installation des Pforzheimer Künstlers Andreas Sarow, die seit Anfang Juli in der Hauptstraße 12 zu bewundern ist. Sarow hat das Gebäude mit einem massiven Holzgitter, blutoranger Farbe und Kanonenrohren, die aus den Dachfenstern ragen, in ein temporäres Kunstprojekt verwandelt. Insbesondere in den Abendstunden ist das illuminierte Haus ein wahrer Hingucker. Doch die Tage des Projektes sind gezählt: Spätestens Anfang Oktober wird das Gebäude wie vorgesehen abgerissen, die Installation muss bis dahin abgebaut sein. Zuvor soll es am 19. September noch eine Finissage geben.

Gemessen am Aufmerksamkeitsgrad und der Öffentlichkeitswirkung des Projektes kann Sarow durchaus zufrieden sein. Wochenlang beherrschte das "Kanonenhaus" das Stadtgespräch, Touristen bewunderten das außergewöhnliche Kunstwerk. Zwar fand sich bislang noch kein Käufer für die Fassadeneinkleidung, wie Sarow berichtet. Doch immerhin ergaben sich für den 44-jährigen Künstler nach dem gelungenen Aufschlag in Starnberg bayernweit Folgeaufträge.

"Die letzte Bastion" - mit Hilfe eines sechsköpfigen Teams in nur vier Tagen im Verborgenen fertiggestellt - ist nicht das erste Objekt, das Sarow publikumswirksam im öffentlichen Raum inszenierte. Die bislang spektakulärste Aktion des "Baumeisters der Provokation", wie sich Sarow auf seiner Homepage selbst bezeichnet, betraf eine Jugendstilvilla in Pforzheim, die er 2015 über Nacht von oben bis unten mattschwarz anstreichen ließ und so in eine Art Geisterhaus verwandelte - allerdings zum Ärger des Denkmalamtes, das ihn daraufhin verklagte und ihm ein saftiges Bußgeld in Höhe von 10 000 Euro verpasste.

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Im Vorjahr malte er ein kleines Einfamilienhaus in Pforzheim knallgelb wie einen Kanarienvogel an und errichtete eine Art Käfig drumherum. Kaum jemand hatte zuvor Notiz von der verlassenen Hütte genommen, bis die Bagger anrückten, um die üppig wuchernde Vegetation zugunsten eines Neubaugebietes zu entfernen. Sarow ließ sich ablichten mit einem Schild "Bitte nicht füttern" in den Händen. Allerdings hatte er für die Aktion "Das bedrohte Haus" auch den Segen der Pforzheimer Bürgermeisterin. Den Segen der Starnberger Stadtverwaltung brauchte Sarow für die "Letzte Bastion" nicht. Sie entstand auf Wunsch des Immobilien-Eigentümers Michael Mükusch, der sich an dem Projekt auch finanziell beteiligt hat. Mükusch war vor zwei Jahren auf Sarow aufmerksam geworden und stellte ihm das zum Abriss stehende Gebäude in Starnberg zur Verfügung.

Der an gleicher Stelle geplante Neubau hatte allerdings zuvor schon reichlich Gesprächsstoff erzeugt: Im Bauausschuss der Stadt ergab sich 2018 eine ausufernde Debatte über architektonische Ästhetik und Geschmacksfragen, weil der Bauherr dem geplanten Neubau neben der Stadtbücherei - dem alten Starnberger Rathaus - zunächst ein goldfarbenes Dach aufsetzen wollte. Nun sollen die Dachschindeln bronzefarben werden.

Nächsten Monat werden also die Bagger anrücken, und die "Bastion" wird den Starnbergern bestenfalls als Objekt der Vergänglichkeit in Erinnerung bleiben. Vielleicht aber macht es auch anderen Häuslebauern ein bisschen Mut: "Kunst am Bau" kann schließlich nicht nur bei staatlichen Gebäuden, sondern auch bei privaten Objekten "entscheidend zu Qualität und Aussage von Bauwerken beitragen", wie es auf der Homepage des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung heißt. Insbesondere in der Kreisstadt Starnberg hat es daran bislang einen offenkundigen Mangel.

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