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Starnberg:Kahlschlag im Naturschutzgebiet

Eon will fünf alte Strommasten durch neue ersetzen - und schlägt dafür eine breite Schneise ins Leutstettener Moos.

Armin Greune

Die schlimmsten Erwartungen der Kreisgruppe im Bund Naturschutz (BN) sind noch übertroffen worden: Bereits die Vorarbeiten für den Austausch der Hochspannungsmasten im Leutstettener Moos nördlich von Starnberg "haben einen Flurschaden angerichtet, der das Moor auf Jahrzehnte schädigt", sagt BN-Vorsitzender Günter Schorn. Dabei hat die Regierung von Oberbayern über eine Genehmigung der Maßnahme noch gar nicht entschieden. Auf einen am Freitag abgeschickten Brandbrief der Naturschützer hin treffen sich heute Behördenvertreter und Gutachter von BN und Eon zur Ortsbesichtigung.

Percha Leutstettener Moos

Percha Leutstettener Moos Percha, Leutstettener Moos, Planierung für Hochspannungsleitung im Wildmoos. Foto: Georgine Treybal

(Foto: Georgine Treybal)

Wer den herrlichen Weg von Percha Nord am Ostrand des Naturschutzgebiets zur Villa Rustica entlang geht, kann die Bestürzung verstehen. Am Röhrlbach wird rechts eine 30 Meter breite Schneise sichtbar, die der Mähmulcher hinterlassen hat. Links vom Weg wurde eine Reihe Erlen stehen gelassen, die Spaziergängern die Sicht auf den weiteren Verlauf der Schneise unter der Leitung im Naturschutz- und FFH-Gebiet erspart. Bis zur Würm weitet sie sich auf 45 Meter Breite. Beim Anblick der Verwüstung bleibt ein Jogger erschrocken stehen und fragt die Arbeiter, ob dort wohl eine neue Umfahrungsstraße gebaut wird.

Tatsächlich handelt es sich nur um die Vorbereitungsarbeiten, um die bestehenden fünf Hochspannungsmasten durch vier neue, höhere zu ersetzen. Damit der Moorboden mit schwerem Bagger, Laster und Kran befahren werden kann, sollen auf der Trasse Aluminiumplatten verlegt werden. Dafür sei der Bereich unter der Leitung gerodet worden, erläutert Michaela Fiedler, Sprecherin von Eon-Netz, auf SZ-Anfrage: "Das Freischneiden der Trasse wäre sowieso fällig gewesen." Die Masten im Moos sind die letzten, die im Verlauf der Leitung von Höllriegelskreuth bis Starnberg saniert oder erneuert werden sollen. Denn dort "wird erstmals dieses Verfahren angewandt, um den Eingriff in die Landschaft zu minimieren", sagt Fiedler. Dies sei vorher mit der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt abgesprochen worden, ohne das Einwände erfolgten. Mit dem eigentlichen Bau der Leitung warte Eon selbstverständlich, bis ein Bescheid der Regierung von Oberbayern vorliegt.

Dort ist zu erfahren, dass zwar Unterhalt und Instandsetzung der Energieversorgungsanlagen von den Verboten der Schutzgebietsverordnung für das Leutstettener Moos grundsätzlich ausgenommen sind. "Umfangreiche Maßnahmen" jedoch benötigen dennoch eine vorherige Genehmigung der Bezirksregierung, sagt Sprecherin Michaela Krem: "Derzeit prüft die Regierung in fachlicher und rechtlicher Hinsicht, inwieweit die bisher getätigten Maßnahmen dieser Ausnahmeregelung zuzuordnen sind." Die Wertung, ob ein umfangreicher Eingriff vorliegt, sei noch nicht abgeschlossen. "Eon wurde aufgefordert, bis zum Vorliegen der eventuell erforderlichen Genehmigung weitere Maßnahmen zu unterlassen", sagt Krem. Gegebenenfalls könne die Höhere Naturschutzbehörde den Schutz sensibler Bereiche durch Auflagen sicher stellen.

Schorn stellt in Frage, ob Auflagen ausreichen, um das empfindliche ökologische Gleichgewicht im Feuchtgebiet zu erhalten. Er plädiert dafür, eine alternative Stromleitungstrasse um das Schutzgebiet herum zu planen. Schon die bisherigen Vorarbeiten "stellen eine völlig unnötige, noch nie dagewesene Zerstörung des Naturschutzgebiets dar". Dennoch lohne es sich, gegen den weiteren Bau der Leitungen vorzugehen, denn es drohten noch gravierendere Verwüstungen: Für den Austausch der Betonfundamente der Masten etwa müsste der Moorboden bis zu neun Meter tief ausgehoben werden. Um das Schlimmste zu verhindern, habe der BN zusätzlich zu einer negativen Stellungnahme an die Bezirksregierung vor zwei Wochen einen Gutachter eingeschaltet. (Kommentar)

© SZ vom 22.09.2011

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