StarnbergJugend fordert Treff in der Innenstadt

Lesezeit: 2 Min.

Starnberger Jugendliche machen sich Gedanken über das Leben in der Kreisstadt. Von Bürgermeister Patrick Janik erhalten sie dafür ein Zertifikat.
Starnberger Jugendliche machen sich Gedanken über das Leben in der Kreisstadt. Von Bürgermeister Patrick Janik erhalten sie dafür ein Zertifikat. Arlet Ulfers

Das Projekt "Demokratieführerschein" ergibt konkrete Vorschläge. Sogar geeignete Räume haben die Teilnehmer gefunden

Von Peter Haacke, Starnberg

SZ bei Google bevorzugen

Können sich Jugendliche in Starnberg wirklich wohlfühlen? Gibt es ausreichend Rückzugsmöglichkeiten und Treffs für die junge Generation? Oder ist Starnberg mit seinem überdurchschnittlich hohen Anteil an Senioren womöglich sogar jugendfeindlich? Die Präsentation der Ergebnisse des Projekts "Demokratieführerschein" dürfte bei den Stadträten im Hauptausschuss zumindest einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen haben. In einer Kooperation von Jugendzentrum Nepomuk, Volkshochschule (VHS) und Stadt wurde die Situation untersucht. Nicht ohne Grund hatte die junge Arbeitsgruppe das Thema "Jugend-Café'" gewählt.

Demokratie als universaler Wert liberal geprägter Gesellschaftsformen beruht auf dem philosophischen Prinzip von Freiheit und Gleichheit. Doch manche Jugendliche können damit oft nicht allzu viel anfangen. Jugendzentrum, VHS und die Stadt hatten sich daher entschlossen, im Rahmen einer Kooperation ein mehrwöchiges Ausbildungsprojekt anzubieten: den "Demokratieführerschein für Jugendliche". Drei junge Teilnehmerinnen stellten im Ausschuss das Ergebnis ihres selbst gewählten Projektes "Jugend-Café'" vor und präsentierten dazu ein Konzept, das bei den Stadträten zwar auf Wohlwollen traf, angesichts der erwarteten Kosten aber auch Zweifel hinterließ.

In sechs mehrstündigen Treffen hatte die Gruppe - darunter Gymnasiasten, Mittelschüler und Auszubildende - an ihrer Idee gearbeitet, die Chayenne Perusko (17), Ioana Marin-Iana (16) und Roberta Salerno (15) in einer Präsentation erläuterten. Ziel sei es, angesichts mangelnder Angebote einen "Rückzugsraum als Treffpunkt für Jugendliche" an einem möglichst zentralem Standort in der Innenstadt zu etablieren.

"Das haben nicht viele Städte", sagte Ioana Marin-Iana, zumal sich die Jugend an anderen Plätzen oft fehl am Platz fühle. Die Fixkosten ohne Personal schätzte die Gruppe auf etwa 42 000 Euro pro Jahr, hinzu kämen Investitionen in Höhe von knapp 15 000 Euro. Auch nach geeigneten Immobilien hatten die Jugendlichen Ausschau gehalten und dabei leer stehende Ladengeschäfte an der Maximilian- und Hauptstraße oder den aktuell geräumten Flachbau neben dem Bahnhof See entdeckt. Die Finanzierung könne nach ihren Vorstellungen per Sponsoring, Fundraising und Spenden erfolgen, die über Social Media beworben werden soll.

Die Stadträte lobten die Arbeit der Gruppe, die bei der Präsentation in der Schlossberghalle nahezu vollzählig anwesend war. Ludwig Beck, Geschäftsleiter der Stadt, bezeichnete den Entwurf als "durchdacht", der nun aber verifiziert werden müsse. FDP-Stadträtin Anke Henniger forderte Unterstützung für das Projekt, Kerstin Täubner-Benicke (Grüne) sagte, eine Realisierung wäre "die Krönung". Allerdings gab es auch Bedenken: Michael Mignoli (BLS) brachte ebenso wie Winfried Wobbe (UWG) eine Erweiterung der Öffnungszeiten für das Jugendzentrum ins Spiel. Das Jugend-Café solle nicht in Konkurrenz zum Nepomuk stehen.

Unter einem erweitertem Aspekt sah Tim Weidner (SPD), zugleich Leiter der VHS, die Arbeit der Jugendlichen: "Der Demokratieführerschein ist ein wichtiges Projekt für uns", sagte er. Der Bereich der politischen Bildung solle ausgebaut werden - auch, um demokratiefeindlichen Tendenzen entgegen zu wirken.

Aus Sicht der Teilnehmer war das Projekt unter Leitung von Martin Schneider ein Erfolg: Es habe trotz mancher Anstrengungen sehr viel Spaß gemacht, berichteten die drei Mädchen übereinstimmend. Zudem habe man dabei etwas über die Grundzüge von Politik erfahren. Zum Abschluss erhält jeder Teilnehmer des Lehrgangs ein Zertifikat, mit dem er sein besonderes Engagement etwa bei einer Bewerbung um einen Arbeitsplatz nachweisen kann.

Im Fokus aber steht vorerst weiterhin das Projekt Jugend-Café: Chayenne Perusko sagte, die Stadt könne doch kein Interesse daran haben, dass die Jugend aus Starnberg verschwindet und lieber nach München fährt. Und Roberta Salerno brachte die Sache auf den Punkt: "Starnberg muss jugendfreundlicher und attraktiver für Jugendliche werden."

© SZ vom 28.06.2021 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

SZ Stellenmarkt
:Entdecken Sie attraktive Jobs

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: