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Coronavirus:Landkreis Starnberg beim Impfen ausgebremst

Feldafing Impfzentrum

Die Impfqoute im Landkreis liegt deutlich über landesweiten.

(Foto: Georgine Treybal)

Pandemie-Koordinator und Landrat ärgern sich: Der Freistaat will mehr Impfdosen in ländliche Regionen schicken, die langsamer vorankommen.

Von Carolin Fries

Beim Impfen gegen Covid-19 sind Starnbergs Haus- und Fachärzte ganz vorne dabei. Sie sind maßgeblich daran beteiligt, dass die Quote im Landkreis inzwischen mit 42 Prozent deutlich über dem landesweiten Schnitt von 37 Prozent liegt. Nun müssen sie jedoch befürchten, ihren Patienten künftig weniger Dosen anbieten zu können. Das Gesundheitsministerium will regionale Unterschiede beim Impftempo ausgleichen und mehr Impfstoff in den ländlichen Raum liefern, wo noch wenige Menschen immunisiert sind. Landrat Stefan Frey (CSU) sieht den Landkreis damit ausgebremst und ist sauer.

"Ich werde die Lieferungen an Impfstoffmengen genau beobachten", kündigt Frey an. Sollte sich herausstellen, dass weniger ankommt, "dann werde ich mich melden und zwar lautstark". Er erzählt von einer Besprechung der oberbayerischen Landräte, in der das hohe Starnberger Impftempo angesprochen worden sei. "Da haben einige geschrien, das sei ungerecht." Frey versteht das nicht. "Weil wir hier sehr viele motivierte Ärzte haben?"

Für ihn ist ungerecht, dass diese Rufe offenbar auf Gehör gestoßen sind und Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) beim Bund eine Umverteilung angeregt hat. Denn die hohe Ärzte- und Klinikdichte, die die Impfkampagne im Fünfseenland stark verzögert hat und sich nun auszahlt, habe damals auch niemanden interessiert. Wochenlang hatte Frey das Ministerium auf diese Besonderheit hingewiesen und um mehr Impfstoff gebeten. Erst Mitte April gab es eine Sonderlieferung von 10 000 Dosen Astra Zeneca.

Gegen solche Sonderkontingente für Impfzentren in Gebieten mit hoher Inzidenz oder Grenzregionen sei nichts einzuwenden, wie Frey betont. Doch: Was die Lieferungen an die niedergelassenen Ärzte betrifft, dürfe keine Umverteilung stattfinden. Er sieht den Landkreis dadurch "künstlich aufgehalten" und bezweifelt, dass die wenigen Ärzte in den ländlichen Regionen mehr Impfstoff überhaupt verimpfen können.

In Starnberg würden zudem nicht nur Einheimische geimpft, sondern auch zahlreiche Menschen aus anderen Landkreisen, die im Fünfseenland arbeiteten. "Das ist einfach nur demotivierend für die Ärzte." Erst vor wenigen Wochen noch hat Klaus Holetschek Starnbergs Ärzte bei einem Besuch in Herrsching als "vorbildlich" gelobt. Nun dürften diese sich wieder einreihen.

HNO-Arzt und Pandemie-Koordinator Bernhard Junge-Hülsing will die Ärzte im Landkreis dazu motivieren, "aus allen Rohren zu impfen".

(Foto: Arlet Ulfers)

Für Bernhard Junge-Hülsing ist das "frustrierend". Der Starnberger HNO-Arzt koordiniert die niedergelassenen Mediziner in der Pandemie, vor allem aber motiviert er sie, "aus allen Rohren zu Impfen". Mehr als 2000 Spritzen werden inzwischen täglich in den Praxen im Landkreis verabreicht, knapp 30 000 Landkreisbürger haben die Haus- und Fachärzte in den vergangenen sechs Wochen erstgeimpft. Im Juni, so sein Plan, sollten alle Starnberger ein Impfangebot erhalten haben. Ob das nun klappt?

© SZ vom 15.05.2021
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