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Starnberg:Leerstand in einer der teuersten Kommunen Deutschlands

Alte Villa im Dornröschenschlaf; Leerstand in Starnberg

Das sogenannte "König-Haus" unterhalb des Schlosses verkommt.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Obwohl die Wohnungsnot in Starnberg groß ist und die Immobilienpreise hoch sind, lassen viele Eigentümer ihre Objekte jahrelang ungenutzt - darunter auch der Freistaat und die Stadt.

Einerseits große Wohnungsnot, andererseits jahrelanger Leerstand: Zwiespältig ist die Situation auf dem Starnberger Immobilienmarkt. In einer der reichsten Kommunen Deutschlands werden seit Jahren horrende Immobilienpreise erzielt. Dennoch gibt es in der Kreisstadt eine ganze Reihe von leer stehenden und ungenutzten Gebäuden. Vergänglichkeit und Verfall einst oftmals prachtvoller Bauten erinnern an bessere Zeiten, erwecken mit ihrem morbidem Charme aber auch den Eindruck großer Not. Tatsächlich aber erachten die jeweiligen Eigentümer - darunter Unternehmer, aber auch der Freistaat oder die Stadt Starnberg - es offenbar nicht unbedingt als notwendig, ihre Objekte zu verkaufen oder zu vermieten. Hier eine Auswahl ungenutzter Immobilien in Starnberg, die eines gemeinsam haben:Es gibt für sie keine konkreten Pläne.

Schlossbergstraße

Jenseits des Starnberger Rathauses steht an der Schlossbergstraße 20 ein schon seit Jahren ungenutztes Haus. Eigentümer ist der Freistaat Bayern. Das Anwesen unterhalb des Starnberger Schlosses, wo das Finanzamt seinen Sitz hat, diente bis 1991 Zeit als Wohnung des Amtsvorstehers Walther König, der dem einst repräsentativen Gebäude seinen Spitznamen gab: "König-Haus". Seither wohnt dort aber niemand mehr, der Bau wurde unter anderem als Lager benutzt. "Es bestehen derzeit verschiedene Überlegungen für eine staatliche Nutzung des Standorts. Hierzu laufen Prüfungen der Immobilien Freistaat Bayern (IMBY)", teilt dazu eine Pressesprecherin des bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr mit. Was konkret geplant ist, ist unbekannt. Fest steht nur: Das Gebäude ist in renovierungsbedürftigem Zustand und momentan nicht für Wohnzwecke geeignet. "Derzeit werden die Möglichkeiten der staatlichen Nutzung des Grundstücks geprüft", teilt die Immobiliengesellschaft mit. Demnach wird das Grundstück vom Freistaat weiterhin benötigt, ein Verkauf kommt somit nicht in Betracht.

Bahnhof-Nebengebäude

Der Taschenladen ist längst ausgezogen, das Bekleidungsgeschäft ist weg: Am Bahnhof See sind schon seit Wochen Geschäftsräume frei. Lediglich ein Reiseanbieter hält derzeit noch die Stellung an einem der frequentiertesten Orte Starnbergs. Die Deutsche Bahn hat die Ladengeschäfte bislang zwar nicht in ihr Internet-Portfolio aufgenommen, doch immerhin wirbt ein Zettel der Abteilung "Station & Service" an der Scheibe der leer stehenden Räumlichkeiten um potenzielle Nachmieter: "Ladenfläche zu vermieten!" Ein Bahnsprecher teilt dazu auf Anfrage mit: "Aus unterschiedlichen Gründen hatten die Vormieter gekündigt. Für beide Flächen gibt es bereits aussichtsreiche Gespräche mit potenziellen Nachmietern."

Wie lange Mieter in den Räumlichkeiten bleiben könnten, ist dagegen unbekannt. Langfristig war geplant, die Nebengebäude abzureißen. Doch angesichts der gescheiterten Mediation zwischen Stadt und Deutscher Bahn sowie einer Klageandrohung im Hinblick auf die Bahnverträge aus dem Jahr 1987 ist die Gemengelage höchst unklar.

Centrum

Ladenpassage Centrum; Das Centrum in Starnbergs Mitte

Moderne Gebäude wie die Ladenpassage "Centrum" stehen leer.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Pleiten, Pech und Pannen: Kaum ein Gebäudekomplex hat eine derart verfahrene Geschichte wie die 1995 eröffnete Ladenpassage an der Hauptstraße mit knapp 3000 Quadratmeter Fläche nebst Tiefgarage sowie in den oberen Stockwerken Büroräumen und Wohnungen. Die überwiegende Zeit aber stand der eng mit dem Rathaus verbundene Geschäftskomplex überwiegend leer. Anfang 2014 noch schien eine Übereinkunft im Hinblick auf Vermietung oder Verpachtung des "Centrums" an die Stadt in Reichweite zu liegen, zumal Rathaus sowie Volkshochschule unter eklatanter Raumnot leiden. Eineinhalb Jahre später aber waren die Verhandlungen geplatzt. Trotz wiederholter Angebote ging die Stadt beim "Centrum" leer aus, obwohl sich der Stadtrat ausdrücklich für den Erwerb von Ladenpassage, Tiefgarage oder Büroflächen ausgesprochen hatte. Mittlerweile wurden diese anderweitig verkauft. Wie die Ladenpassage, die 2017 von einem chinesischen Investor erworben wurde, künftig genutzt wird, ist unbekannt.

Houdek-Gebäude

Die Rudolf und Robert Houdek GmbH ist ein deutscher Nahrungsmittelhersteller und gehört zu den 20 größten fleischverarbeitenden Betrieben Deutschlands. Gegründet wurde das Unternehmen 1926 in Böhmen von den Eltern der Brüder Robert und Rudolf Houdek, die nach der Vertreibung 1949 in Starnberg wieder ein Unternehmen aufnahmen. 1962 wurden die ersten Produktionsräume auf dem Gelände in der Moosstraße errichtet. In der Petersbrunner Straße entstand auch ein Arbeiterwohnheim, das aber schon seit Jahren leer steht und - so eine Firmensprecherin - "im jetzigen Zustand nicht mehr nutzbar ist". Wohnheim sowie die ehemaligen Produktionsstätten, die jedoch nicht ungenutzt sein sollen, sind nach Angaben der Firmenleitung "Bestandteil einer Entwicklungsplanung", über die es derzeit aber noch keine konkreten Informationen gibt.

Waldhaus

Das ausgebrannte Waldhaus im Dornröschenschlaf; Leerstand in Starnberg

Das ehemalige Restaurant "Waldhaus" an der Weilheimer Straße.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Das einstige Restaurant "Waldhaus" an der Weilheimer Straße steht seit zehn Jahren leer. Im Jahr 2000 brannte es in der Gaststätte mit kleinem Biergarten erstmals, der Sachschaden betrug damals rund 200 000 Mark. Eine Eigentümergemeinschaft beantragte auf dem Areal ein gutes Jahr später erfolglos den Bau eines 50-Betten-Hotels sowie zweier Wohn- und Geschäftshäuser. 2009 brannte es - vermutlich wegen eines technischen Defekts - erneut im Waldhaus und besiegelte das endgültige Aus des Lokals, das mittlerweile komplett eingewachsen ist. 2018 beantragte die Eigentümergemeinschaft eine Bebauungsplanänderung. Ziel war der Bau von 45 Wohneinheiten, was die Fachstellen aber mit Hinweis auf den Bau des B2-Tunnels ablehnten. Vor 2025 wird auf dem Grundstück nichts passieren.

Kaufladen Biller

Wie im Dornröschenschlaf wirkt das Haus an der Hauptstraße 25, doch der Eindruck täuscht. Tatsächlich ist das Gebäude von Eigentümerin Gertrud Weiß bewohnt. Der Gemischtwarenladen Johann Biller, 1804 gegründet, ist ein Stück altes Starnberg. Im Geschäft, generationenlang in der Familie weitergegeben, findet sich ein historisch anrührendes Kurzwarensortiment mit Einrichtung aus der Biedermeierzeit. Besondere Aufmerksamkeit bekam das unter Denkmalschutz stehende Haus in den vergangenen Jahren vor allem durch Elisabeth Carr, die das Gebäude zeitweise für kulturelle Zwecke nutzt.

Uthoffs Gate

Stetem Wandel ist die überschaubare Starnberger Gastro-Szene unterworfen, doch eine Sonderstellung hatte das "Uthoffs Gate" in der Bahnhofstraße. Schon bald nach der Eröffnung 1995 wurde das Lokal zum "Mekka für Insider, Architekten, die Münchner und Starnberger Szene und internationale Prominenz" - so ist es noch heute auf der Uthoffs-Homepage nachzulesen. Doch seit zehn Jahren ist es still geworden um die rund 750 Quadratmeter große Gaststätte, die mehr als 200 Gästen Platz bietet. Die als Schank- und Speisenwirtschaft mit Barbetrieb, Musik- und Kabarettveranstaltungen konzipierte Lokalität geriet in Vergessenheit. Die Mieter wechselten, ein Konzept war nicht erkennbar, Gäste wurden selten. Einzig der Ärger mit Landratsamt und Stadt blieb. Seit einem Jahr ist das Lokal nunmehr ungenutzt. Ob die Eigentümer, das Ehepaar Uthoff, das "Gate" erneut vermieten oder gar verkaufen wollen, ist derzeit ungewiss.

Harkirchner Straße

Die Stadt Starnberg besitzt in der Harkirchner Straße 6 gegenüber vom Malteserstift St. Josef in Percha ein Gebäude mit Grundstück, das seit Jahren ohne sinnvolle Nutzung ist. Das Haus mit knapp 200 Quadratmetern Grundfläche gehört zu jenen Immobilien, die die Stadt schon vor Jahren erworben hat. Zwischenzeitlich wurde es als Lager genutzt. Das Gebäude sollte nach Ansicht der Grünen zeitnah überplant und künftig als Wohnraum zum Beispiel für die Mitarbeitenden des Malteser Stifts oder als Kindergarten zur Verfügung stehen. Die Stadtverwaltung gibt sich zögerlich: Eine Sanierung mit Umbau würde voraussichtlich Millionen kosten.

Leerstand

Im Gegensatz zum Wohnraummangel bezeichnet "Leerstand" ungenutzte oder unvermietete Gebäude oder Grundstücksflächen in privatem oder öffentlichem Eigentum. Unterschieden wird dabei zwischen gebäudespezifischem und spekulativem Leerstand sowie Fluktuation. Der gebäude- oder objektspezifische Leerstand ergibt sich aus dem Objekt selbst - etwa durch ungünstige Lage oder schlechte Objekteigenschaften. Solche Gebäude werden umgangssprachlich zuweilen auch als "Schrottimmobilien" bezeichnet. Auch der bewusst für Sanierungszwecke in Kauf genommene Leerstand ist ein gebäudespezifischer Leerstand. Spekulativer Leerstand dagegen kennzeichnet Gebäudeflächen, die trotz der Möglichkeit einer Nutzung vom Eigentümer nicht vermietet oder verkauft werden, weil dieser auf eine höhere Mietrendite spekuliert. Die Fluktuation schließlich gibt die Häufigkeit von Mieterwechseln an, bei der Leerstand dadurch entstehen kann, dass nach Ablauf eines Mietvertrages nicht übergangslos ein neuer Mietvertrag mit einem Nachfolger geschlossen werden kann. phaa

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