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Ausbrüche des Coronavirus:Zwei Tote in Kliniken in Starnberg und Herrsching

Beide Patienten wurden palliativ gepflegt und starben laut Kliniken mit und nicht am Coronavirus. In Starnberg stecken sich acht Patienten und acht Mitarbeiter an.

Von David Costanzo

Alles sei versucht worden, das zu verhindern. Nach dem Ausbruch des Coronavirus in der Herrschinger Klinik seien die Sicherheitsvorschriften in Starnberg noch einmal erhöht worden, erklärt Chefarzt Florian Krötz. Doch es ist geschehen. Patienten und Mitarbeiter haben sich angesteckt, ein Mensch ist tot. Der Palliativpatient im Alter von Ende 60 Jahren aus dem Landkreis Starnberg ist kurz nach seinem Covid-19-Befund gestorben. Ursache ist laut Klinik sein fortgeschrittenes Tumorleiden. Betroffen sind auch zwei Mitarbeiter, die auf der Kinderstation waren. Dort sind bislang keine Infektionen bekannt geworden.

Den Anfang nahm der neue Ausbruch im Landkreis am Samstag auf einer internistischen Station, in der auch der Palliativbereich untergebracht ist. Ein Patient sollte laut Landratsamt verlegt werden und dafür einen negativen Test vorweisen - doch der Abstrich fiel positiv aus. Bei weiteren Untersuchungen seien auf der Station bisher sechs weitere Patienten identifiziert worden, die sich möglicherweise im Klinikum angesteckt hätten, berichtet ein Sprecher. Zwei bereits entlassene Patienten seien vorsorglich einbestellt und ebenfalls positiv getestet worden. "Alle Patienten sind stabil, keiner liegt auf der Intensivstation", sagt Chefarzt Krötz. Die Klinik unternehme alles, dass keine weiteren Menschen sterben. Zehn Patienten, die als enge Kontaktpersonen gelten und bereits zwei Mal negativ getestet wurden, befinden sich derzeit in Quarantäne.

Container vor dem Klinikum

Die Schutzmaßnahmen im Klinikum lassen sich kaum noch steigern, betont Chefarzt Florian Krötz.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Insgesamt acht Mitarbeiter haben sich angesteckt - darunter fünf Pflegekräfte der Station, die nicht unter Krankheitssymptomen leiden. Bei vier von ihnen hatte der Schnelltest zunächst keine Infektion angezeigt, erst der sogenannte PCR-Test brachte Gewissheit. Zwei weitere asymptomatische Mitarbeiter mit Kontakt zu Patienten auf der Kinderstation waren bei den Reihentests ebenfalls auffällig. Auf der Station seien bisher keine Übertragungen auf Patienten oder andere Mitarbeiter festgestellt worden, berichtet die Klinik. Dort sollen in den kommenden Tagen engmaschige Tests stattfinden, um Übertragungen erkennen zu können.

Die Ursache wird derzeit ermittelt. In Frage kommen laut Chefarzt ein infizierter Mitarbeiter oder ein Patient, der bei seiner Aufnahme negativ getestet wurde, aber dennoch krank war. Es könne mehrere Tage dauern, bis ein Test eine Infektion anzeige. Innerhalb des Hauses müsse das Virus dann vom Personal übertragen worden sein, ist sich Krötz sicher. Dabei ließen sich die Schutzmaßnahmen kaum noch steigern. Die Mitarbeiter tragen etwa seit Langem FFP2-Masken und werden wie die Patienten regelmäßig getestet. Seit Oktober gilt ein Besuchsverbot. Die einzige Ausnahme - auf der Palliativstation - wurde nun ausgesetzt. "Eine krasse Maßnahme", sagt Krötz. Fehler seien bislang keine festgestellt worden. Allerdings müssten die Regeln auch streng eingehalten werden.

Ein Rätsel stellt auch die Rasanz der Ausbreitung dar. Ob womöglich die in Großbritannien bekannt gewordene Mutation des Erregers, die leichter übertragbar sein soll, vorliegt, kann Krötz nicht sagen, da die meisten Labors die Viren nicht genetisch sequenzieren könnten. Doch der Chefarzt sagt: "Das würde einiges erklären." Denkbar sei jedoch auch eine hohe Dunkelziffer an Infektionen.

Auch in der Herrschinger Schindlbeck-Klinik ist eine weitere Patientin gestorben. Die Frau im Alter von Mitte 80 Jahren aus dem Landkreis Starnberg habe sich in palliativer Therapie befunden und sei mit Covid-19 gestorben, berichtet die Klinik. Damit steigt die Zahl der Toten seit Anfang Dezember auf 13, von denen die Klinik zwölf dem Ausbruch zurechnet. Infiziert hätten sich ein weiterer Patient und zwei Mitarbeiter. Die Zahl der insgesamt Betroffenen steigt damit laut Klinik auf knapp 30 Patienten und 51 Mitarbeiter, von denen sich 29 noch in Quarantäne befinden.

© SZ vom 24.12.2020
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